Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1864)
- Date
- 1864-07-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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s«s Las Institut M Mrdersn- -rr isr. Literatur ULd das Pudlikum.*) Frankfurt a. M., im Juni 1864. Unter der Aegide des Instituts zur Förderung der iSr. Literatur ist erschienen: Dr PHikippsou. Neues israelitisches Gebetbuch für die Wochentage, Sabbathe und alle Feste zum Gebrauche währerü) des Gottesdienstes und bei der häuslichen Andacht. Berlin 1864. **) Daß Herr PH. sich nicht scheut, dm Abonnenten des Literatur-Vereins ein solches Opus in die Hand zu geben, das wundert uns durchaus nicht; warum sollte er nicht? Weiß doch der Literatur-Verein den sauren Schweiß des Autors zu würdigen und die Bogenzahl genau zu zählen. Daß aber die Herren College» des Herrn PH., Goldschmidt und Herzfeld, welche doch auch in der Verwaltung und Leitung des Vereines und doch wahrscheinlich Herrn PH nicht untergevldvet find, ein solches Buch wie das vorliegende für geeignet erklären, cs den Abonnenten des Vereins einzuhändigen, daß sie ihren Namen für die Leitung eines Vereines hergeben, der so wenig Achtung vor dem Publikum hat, ut ckooet, — das wundert uns. Ten Abonnenten des Literatur-Vereins, Männern der verschiedensten Richtungen, der verschiedensten Gemeinden gibt Herr PH. ein Gebetbuch in die Hand, das aus seinen! Kcpfe, aus seinen Anschauungen hervorgegangen ist, er wirst sich zum Gebetordner für viele, viele Juden aus; was Nabbinervcrsammlungen nicht gelungen ist, will er in seiner ungeheuer« Anmaßung durchsetzen. Ist es denn dem ehrenwerthen Herrn PH. nicht bekannt, daß die Vraunschweiger Rabdinerversammlung mit der Einführung eines deutschen Gebet buckes sich vor der ganzen Welt jämmerlich blamirt hat? Weiß cs Herr PH. nicht, daß das deutsche Gebet in keiner Synagoge Deutschlands, auch der extremsten, sich halten konnte und sich nur noch ängstlich am Anfang und Ende des Gottesdienstes zeigt? am Anfang, wenn noch Niemand zugegen ist, und am Ende, das nicht wehr von den Leuten abgewartet wird? Und nun kommt Herr PH. mit einem Gebetbuch, in welchem nur die verschiedenen pcV nvr'ip 's ML«? — — 1212 mit der Antwort der Gemeinde, und die Responsen der rwi-rp hebräisch find. — Aber Herr PH. meint, daß das Gebetbuch nicht für Gemeinden geschrieben sei, der Einzelne, des Hebrä- *) Anm. d. R: Auf das Erscheinen dieses Artikels hat Herr PH. i« feiner bekannten Manier bereits aufvierkf. vi gemacht; wir haben auf einer größeren Reise uns zu überzeugen Gelegenheit gehabt, welche Entrüstung allgemein >m Publikum über des P.'sche soger. Gebetbuch herrscht. — **) FrarN's Ahnenbilder find schon besprochen -Israelit* Rr. 1L. d. I. Wett VnLmckqe, Me daraus zu Haufe oder auch in der Synagoge steten, nm sich immer der Gemeinde anreihen zu können. (S. d. Dorr.) Herrliche Harmonie! Die des Hebräischen Kündigen oeten: M'ineii '121 simv I2w2 und der des Hebräischen Unkundige, der da glaubt mit der Gemeinde zu beten, sogt: „Gepriesen seist du. Ewiger, der seine Anbetung Israel aüferlegt hat." Ist das Ehrlichkeit ober Täuschung? — Wenn aber Herr PH. meint, es sei eine Nothwendigkeit, das deutsche Gebet, namentlich für! Einzelne des Hebräischen Unkundige einzuführen, weil diese sonst nicht verständen, was sie beten (s. d. Vor.), so entgegnen wir, daß solches nichts Anderes ist, als einen Fehler dadurch vertilgen, indem man an die Stelle des alten einen neuen setzt. Allerdings ist eS wahr, daß viele Leute des Hebräischen unkundig sind, und gewiß ist es zu wünschen, daß Alle das verstehen, was sie beten — aber dann sollten die Herren Rabbmen im Amte und a. D. nickt mit ihrer Hand das Unwesen sanctioniren und die Blöße mit dem Blatte eines deutschen Gebetbuchs decken. Da sollten sich einmal die Herren Rabbincn von ihrem schwellenden Sopha erheben und hivabsteigen in die Schichten des Volks, dort lehren und wohlthuend wirken. Da sollten die Herren Rabbinen ihr Radbinat nicht als Pfründe oder Sinecure betrachten, sondern wie unsere alten Rabbinen einen Punkt im Auge haben p'2->7iv ^r-r-,L"2 riiiri. Wenn die Herren Rabbinen nur arbeiten wollten — es würde bald nicht mehr die Klage gehört werden, daß die Leute nicht hebräisch beten können, weil sie die Sprache nicht verständen. Wie schon bemerkt, ist des Hebräischen in vorliegendem Gebetbuch äußerst wenig; die meisten Gebete, die Parafchoth aus der Thora für die Festtage, die Hophtarolh — alles deutsch. Dazwischen liegen nun noch manche Betrachtungen, manche besondere Gebete von dem alleinseligmachenden Herrn PH selbst verfaßt. Nun sehe man sich aber einmal die Uebersetzung der Gcbetstücke an. Hier als Probe die Uebersetzung aus dem Muffaph-Gebet für die Feiertage (iZ'-Mii 'isvi): S. 27V. „Freudig begrüßen wir den heiligen „Festtag, an welchem wir herausschreiten aus ver „Gewöhnlichkeit der Dinge, einem höheren, religiösen „Zwecke zu leben, unfern Geist zu läutern und zu „veredeln, unser Herz zu dir empor zu richten, und „uns mit den erhabenen Gedanken zu erfüllen, welche „dem Feste einwvhnen. Haben doch unsere Väter schon „seit Jahrtausenden diese Feste gefeiert, sich an deren „Freude erfreut und an ihrer Erhebung erhoben. „Ehemals, als unsere Väter noch in ihrem Lande „wohnten , da versammelte sich alle Mannschaft an „diesem Festtage in dem großen und herrlichen Hei- „ligthmne, das deiner Anbetung gewidmet war, und „die Priester brachten Opfer dar auf dem Altäre, „außer den täglichen noch Zusatzopfer (Mussaph), Zu-