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Der Israelit · 1864-07-20 · Heft 29 (20.7.1864) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 29 (20.7.1864)
Date
1864-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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387 und innere Consequenz des Entwurfes etwas genauer an. Wir haben dabei ins Auge zu fassen- 1) das Verhältniß der beiden Schulen zu einander; 2) das der einzelnen Disciplinen jeder derselben und das Zeitverhaltniß dieser Disciplinen; 3) Einzelnes über die Lehrgegenstände. Was nun das Verhältniß der beiden Schulen zu einander betrifft, so muß man schon auf den ersten Blick die Mangelhaftigkeit desselben erkennen; welche Erkenntniß bei näherem Eingehen noch erhöhet wird. In der Präparandieabtheilung soll das ganze Obergymnasium, welches sonst schon an sich fast ein gleiches Zeitausmaß (5 Jahre) in Anspruch nimmt in Verbindung mit zweimaliger statarischer Lectüre der.i-nri mit ferner ganz durchgehends mit Raschi und Redak, hebräische Sprache bis zum selbstständigen Verständniß nicht nur der prosaischen und poetischen (?) Schriften des sondern auch des Idioms der spanischen und italienischen Schule, in fast ganz und mit L?"x-> ferner cursorisch .iL'2, O'NOs, endlich noch Geschichte der Jüden gelehrt werden. Und nun in der oberen Abteilung allerdings auch ein sehr großes Pensum, das gewiß auch nur auf dem Papiere figurirt (S. weiter unten); aber dennoch ganz außer Verhältniß zu dieser Ueberbürdung ohne Gleiche«. Was würde es denn so gewaltig schaden, wenn der Präparand in der Unterabtheilung nicht bis zur Reise der Maturitätsprüfung käme; d. h. üat conssyaeutiL pereat Mliaäus. Hierüber viele Worte zu verlieren, ist überflüssig, und daß dieß selbst bei äußerster Verkrüppelung des Geistes durch wahres Einbläuen und nicht etwa häuslichen Fleiß, sondern häusliche Abtödtung auch nicht im Entferntesten erreicht werden wird, das kann ein Blinder sehen. . Wenden wir uns nun zum Verhältniß der Emzeldisciplinen und des Zeitverhältniffes derselben; so ist es uns höchst auffallend, daß uns das Elaborat jedeAndcutung über das Verhältniß des Zeitausmaßes der einzelnenUnterichtsgegenständedesPräparandencurses vorenthalten; während doch der Herr Direct. Z. Frankel in der ersten Aeußerung über das damals noch nicht gegründete Seminar (Rundschan im Anfänge der Monatsschrift, Jahrg. 1857) die Gleichberechtigung des hebräischen und wissenschaftlichen Faches nachdrücklich betonte. Wie viel Stunden sollen denn eigentlich der hebräischen und wie viele der wissenschaftlichen Thätigkeit gewidmet werden? S. 3». II. §. 3 ist wohl hierüber etwas ganz Allgemeines gesagt, aber derart, daß man sich eben gar Nichts darunter denken kann. Nun, wir wollen uns einmal den Mmimal- und Maximalsatz der Zeit berechnen. S. h ß 5. ist der Maximalsatz für den Direktor pr. Woche 16 Stunden, für jeden der acht Lehrex 26 Stunden, in Summa 224 Stunden. Dies auf 8 Claffeu vertheilt, kommen auf jede Claffe wöchentlich 28 Stunden. Der Minimalsatz ist für den Director 12 Stunden, und für jeden Lehrer 20, in Summa 170 Stünden, auf die Claffeu repartirt für jede 21^2 Stunden. *) In diesen achlundzwanzrg resp. einundzwanzig und ein halb Stunden sollen sammtliche Gegenstände des Obergymnasiums nebst den vielen obenangeführten hebräischen unterrichtet werden. — Wie viel Stunden können da aufls Hebräische kommen, und wie vielerlei soll in denselben geschehen? Die Lehrer an solcher Anstalt müßten dann eben keine Menschen, sondern etwa Engel mit Unterrichtsmethoden, wie sie im Koran Vorkommen, sein.**) — Ernstlicher gesprochen, ist es gar nicht zu begreifen, wie ernste Männer so ohne alle Calculation ein Programm schreiben und endgültig festsetzen können, dessen Ausführung, wie denen, welche nur irgendwie mit den diesbezüglichen Disciplinen vertraut sind, bekannt sein muß, unmöglich ist. Betreffend die Monita über die Einzelnheiten der Lehrgegenstände, so führen wir Folgendes auf: 1) S. 7 a. IV. H. 26 ist gar kein Minimum rücksichtlich der Vorkenntniffe in hebräischer Grammatik angegeben, scheint dabei also gar nichts verlangt zu werden; dadurch wird aber der ganze Unterricht in dieser Disciplin auf ein unsägliches Minimum, ja auf den Nullpunkt her abgedrückt werden, und wenn anderswo (S. 3l>. H. 3 Ende) für den Umfang des Sprachunterrichtes der jeweilige Standpunkt der Schüler m der Grammatik als maßgebend angegeben wird, so wird der Standpunkt durch die babylonische Verwirrung der Claffe wohl eben ein Standpunkt bleiben. 2) Daß in dem Praparandencurs gar nicht Rücksicht auf genommen wird und der Präparant» 19 Jahre alt wird, ohne zu demselben zu kommen, dürfte durchaus nicht anzurathen sein, zumal in dem Candidatencurse sich diese Disciplin so riesenhaft anhäuft, daß das Pensum auch bei dem Allergeistreichsten, mit dem glücklichsten Gedächtnisse Versehenen ruhig auf dem Papiere stehen blerben muß, wie wir weiter unten Nachweisen werden. Es ist ein umgekehrtes Verhältniß, wie bei den wissenschaftlichen Doctrinen, die alle in dm Praparandencurs verlegt sind. Muß man denn durchaus Titanenarbeit schaffen und de« Pelion auf den Offa und dann nochmals dm Olymp darauflegeu? Warum nicht lieber langsam und bedächtig Stein zu Stein tragen? (Schluß folgt.) *) Aam.d. Red.: Man darf wohl nicht ganz so rechnen, da in manchen Fachern die Staffen eontcahirt werden können. — **- Die 961. Bure des Koran beginnt m t d.n Worten: „lies," welchevie Ausleger Engel Gabriel den Lehrmei rer,Muhameds (Sure II) sagen lassen, Der zu ihm kommt und von ihm verlangt, daß er die Sure lesen soll. Als sich M. damit entschuldigt, daß er nicht les n könne, wiederholt Gabriel sein Der» fangen. M. versucht es, und siehe — er kann lesen. (S. Ulkm. Uebers. deS Koran.) _

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