Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1864)
- Date
- 1864-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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385 genaeWhrt, «M dgpop -bgesührt «erde. Au eiyen Berfaffer der Misch-eu Geschichte Men wir hohe Forderungen; denn das Gebiet, um deGn Bearbeitung es fichhsndelt, ist hoher und göttlicher Art. Ein jüdischer Geschichtsschreiber muß ein glaubenswarmes Herz im Busen, ein klares zum Himmel cmporgerichtetrS Äuge im Haupte tragen; er darf nicht zu jener armseligen Heuchlergilde gehören, von der ein Römer so passend sagt Hui Ourios Simulant et Lacedsualin vivmrt (luven. 8at. II. 3.) -— Es iß ein großer, gewichtiger Satz, den uns der Talmud (Baba Bathra 14 d.) ausspricht: rilv-iLn 2r»2 nv'v pr2 N-»ir>2L' 2N2 2i'-ri ^21 O'VLILN 2P2; die jüdische Geschichte j konnte, da sie ein Stoff göttlicher Art ist, auch nur von gvttbegeisterten, heiligen Männern geschrieben werden, und fehlen uns heute leider solche gewaltige Gotteshelden, dann sollen es doch billiger Weise wenigstens Männer sein, die den wahren Geist und die wahre Lehre des Judenthums verfechten und im Leben-repräsentiren. Männer, die bei einem gottbegeisterten Sinne auch die gründlichste Kenntniß jüdischer Quellen besitzen, die rücksichtlich der Form und Tarstellungsweise Talent genug haben, das sie befähigt, Dolmetscher zwischen dem Geschichtsgeiste und ocm Volke zu sein, die mögen diese wichtige Aufgabe übernehmen. Wenn Herodot, der Vater profaner Geschichtsschreiber, mit einer so ungekünstelten Anmuth seine Bücher über die Perserkriege schrieb, daß, als er sie an den Panathenäen zu Athen vorlas, er alle seine Zuhörer entzückte, wenn er sich bemühte, die Begebenheiten als von göttlichem Einfluß herstammend zu schildern, wenn dies ein Heide für heidnische Geschichte that,^ÜM wieviel mehr werden wir dies von einem jüdischen Geschichtsschreiber fordern, im Jnteresie ver untrüglichsten Wahrheit selbst. Konnten sich die Griechen — wir bleiben bei ihnen, da auch die bedeutenderen Historiker der Römer, wie Cäsar, Savust, Livius, Vellejus, Tacitus sich erst nach griechischen Mustern gebildet — eines Thncydides rühmen, der sich durch strenge Wahrheitsliebe, edle und gedankenreiche Schreibart auszeichnete, haben sie einen Xenophon aufzuweisen, dessen geschichtlicher Vortrag ebenso durch ungesuchte, natürliche Schönheit wie durch das Hervorheben der sittlichen Verhältnisse der Charaktere heryorragt, um wievielmehr soll und muß dies der Fall sein da, wo man von und über eine Geschichte handelt/ die ein ewiger Reiz ziert, eine nie verblühende Jugend, gleich jener, welche bezaubernd von der Wange des nur Wahrheit redenden Kindes lächelt; von einer Geschichte, die sich zugleich in den eminentesten Characterzügxn darstellt, aüs der nämlich ein Mächtig offenes Auge schaut mit einem Alles durchblitzenden Sonnenblick sich selbstbewußter großer Und größter Wellmoral; von einer Geschichte, in deren Mitte Me Tribüne anfgeschlagen ist, auf der Gott Selbst als Richter fitzt, und vor Ihm eine sßr Himmel Hangende Wage, in deren einer Schale Krone und Scepter, Schwerter, HerrscherstÄbe um» was auf Erden glanzt, liegt, und in deren anderer Blutstropfen, Dornen und Wermuthskelche. Ja, eine göttliche Richtertribüne ist in der Mitte der jüd. Geschichte aufgeschlagen, um die heruwgepflanzt sind blühende Reiche und brennende Scheiterhaufen, zerbrochene Throne und frischgestochtene Kränze der Anerkennung; dort Fahne« aus Blutströmen auftauchend, von Blntwellen getragen, mit der Inschrift ^i2i pLw, hier wieder ei« Himmel voll ausgehender Hoffnungen und neuen Lebens und dies Alles — wohlgemerkt! — mit vorangehendem Gebieterwort und Richterspruch deutlich vorausgesagt und mit der genauesten Pünktlichkeit vollfnhrt, daß man immer weiß das Was, das Wo und Wozu! — Hier — in dieser Geschichte — oder nirgends ist wahres, enthülltes Weltgeschick, wahre Weltgeschichte; denn es liegt ein Angelpunkt aufgedeckt, um den sich die ganze physische und sittliche Welt der Menschheit dreht. —! ')2 O'OP r^22 2'N' Hier oder nirgends stellt sich schlagend heraus jene bekannte und sonst nur dunkel geahnte Wahrheit: „Weltgeschichte, Weltgericht"; denn hier steht neben der großen That wirklich das nöthige erklärende Wort! — Wo aber keine Lapidarschrift, keine zerrissenen, halbabgebrochenen Züge zerstreuter Thaten zu entziffern und wie Hieroglyphen ungewiß zu deuten fiyd, sondern, wo der Mensch Alles ganz und rund vor sich stehen ficht, wo der Zusammenhang bündig und lichtvoll mit scharfer, göttlicher Logik und zwingender Dialektik hervorspricht, da sicherlich fördert sich unter der Hand selbst die Arbeit, das Werk muß gedeihen! — Es handelt sich ja nur um die kleine, einfache Auf gäbe, die bereits durch Prophetenmund ausgesprochenen und durch Gottesfinger in der sNammenschrift der That geschriebenen Memoiren, geschichtlichen Annalen und Acten in die Sprache der Menschen und des Tages treu zu übersetzen. — Dazu wahrlich gehört nur aufrichtige Liebe, ernster, sich seines Zweckes bewußter Wille und redliches Gewissen! —