Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1864)
- Date
- 1864-07-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Rr. 28 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenze». Deutschland. Altona. Kurz vor Ablauf des Waffenstillstandes bedachte ein hiesiger Lsrael. Handelsmann bei sich, wie nützlich es sei, wenn der Soldat im Felde wisse, wann seine Stunde abgelaufeu sei, zwar nicht die Lebensstunde, sondern die zum Postenstehen, Schanzen rc. Und das Schlußresultat der Ueberlegungen unseres Handelsmanns war, daß er mit einer Partie Uhren nach dem Sundewitt reiste, um solche an die dort befindlichen Märker und Westphalen zu verkaufen. Zum ersten Mal in seinem Leben betrat er den blutgedüngten Boden der Halbinsel und fragte daselbst im Interesse seines Geschäfts so genau nach den umliegenden Dörfern und der darin hausenden Besatzung, daß — man ihn für einen Spion ansah und ihn unter Bedeckung nach Flensburg ins Gefängniß brachte. An die geladenen Gewehre und die aufgepflanzten Bajonnette wird er denken mit Grausen sein ganzes Leben! Und in dem Gefängniß haben dänische Beamte und Prediger mit ihm gegessen und ein Prediger hat ihn damit getröstet, er habe schon vier Wochen gesessen und sei nicht verhört worden. Daß aber unser Handelsmann nicht von der Gefangenkost mitessen wollte, weil sie nicht koscher war, war sein Glück, denn nun meldete der Gefängnißwärter dem Herrn Polizeimeister, der eine der verhafteten Spione müsse verhört werden, ehe er sich zu Tode gehungert habe. Der Polizeimeister verhörte also den Handelsmann und fand die Ansicht, Uhren zu verkaufen, durchaus nicht verwerflich, aber als sehr unvorsichtig bezeichnet« er es, sich ohne genügende Papiere in eine kriegerisch besetzte Gegend z» begeben und dort gar zu viel zu fragen. Und damit der Handelsmann den Rückweg nach Altona ja nicht verfehle, gab man ihm einen Zwangspaß mit, und als er sich mit demselben auf dem hiesigen Polizeiamte meldete, erhielt er auch alle die Uhren wieder, die man ihm in Flensburg abgenommen hatte. (Alton. Nachrichten.) Feuillet o rr. Massecheth Chagrga*). Von Unter jenen Leidgenossen, Me den Kampf in Spaniens Landen Für den Gott der Väter fanden, Weil sie Judas Stamm entsprossen, Gaben Viele Gut und Blut Hin für Gott mit frohem Muth. Viele auch mit zagem Herzen Mochten lieber sich bequemen, Fremden Glauben anzunehmen, Als zu trotzen bittern Schmerzen. Heimlich Jude. Christ zum Schein, Lebten sie in Angst und Pein. Und auch sie zuletzt vermochten, Vor den Flammen und den Ketten, Einzig sich durch Flucht zu retten, Als Verrath sie rings umflochten. Und nicht Kreuz, nicht Kirchengang, Schützte sie vor Schwerd und Strang. Endlich jagten, ohn' Erbarmen, Ferdinand und Isabelle Ueber ihres Landes Schwelle Hülflos und entblößt die Armen; Bannten, ihrem Gott zum Ruhm, Maurenthum und Judenthum. Dreimal hunderttausend Seelen Mußten Hab und Gut verlassen, Was sie Theures nur besaßen. Mußten ans dem Land sich stehlen, Wo ihr Stamm schon tausend Jahr Und noch länger heimisch war. Doch sie wollten lieber weichen, Lieber in die Irre fahren, Um ihr Heiligstes zu wahren, Als die Hand der Kirche reichen, Die, fast scheint^ so, nur darauf sann, Daß sie Herzen nicht gewann. 1) Rach kav hajjaschar cop. 14. — Mcnorath hnmmaor ca». 5. fol. 72. col. a. — Massicheth (Traktat, eigentlich: Gewebe, (Richter 16. l3) Ehagiga heißt einer von dm sechzig Theilen der Gemara. —