Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1864)
- Date
- 1864-07-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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»78der Oberkirchenbehötde ein „Hoch" aus. Obwohl der größte Ltzeil der Gesellschaft nicht mit eingestimmt und der Urheber -eS Toastes fich^S verbeten hatte, davon Men «eitern Gebrauch zu machen, fühlte sich der anwesende Rabbiner berufen, den Vorgang als ein höchst seltene- Ereigniß allerunterthanigst an seine Dienstherrschaft telegraphiren zu lassen. Aber nicht befriedigt durch diesen Mißbrauch des Namens einer tendenzlosen Zechergesellschaft ließ sich der hochwürdige Geistliche eS auch noch beigehen, dm (allerdings vergeblichen) Versuch zu machen, aus die Versammlung zu Hohenbuch ein „Pereat" auszubringen und gegen dieselbe Flüche auszusprechen. So treiben es die Leute, die so bettübt sein wollen über die Friedensstörungen und den von ^'li, welche Gabiah bm Pfisa veranlaßt haben soll. Nun, wir gönnm der Oberkirchenbehörde solche „begeisterte" Huldigungen und solche ergebene Diener, zumal da wir glauben, sie werden elfterer in Anbetracht der sehr würdigen Gelegenheit mindestens so wenig nützen, als die Verwünschungen des Herrn Doktors uns schaden können. Er ist ja nicht der Erste, der Israel fluchen wollte und nicht konnte. Wir würden keine Regung von Neid empfinden, wenn wir eines Tages erfahren würden, der hochwürdige Herr sei für seinen hierarcho-bureaukratischen Eifer angemessen belohnt worden. Aus dem Kreise Cschwege in Kurhessen, im Juni. Am 1. d. M. wurde das fünfundzwanzigjäh r i g e Amtsjubiläum des Herrn Lehrers Tannenbaum zu Wannfried von den Lehren der Kreise Eschwege und Witzenhausen gefeiert. Das Provinzial- Vorsteheramt der Israeliten zu Cassel hatte, auf einen desfallsigen von dem Herrn Kreisrabbinen Goldmann zu Eschwege eingesandten Bericht, dem Jubilar, als Anerkennung seiner Berufstreue und segensreichen Wirksamkeit, ein schönes Gratulationsschreiben, von einer Gratifikation von 20 Thalern begleitet, derart zugefertigt, daß es gerade am Morgen des betreffenden Tages durch die Post in seine Hände gelangte. Der mit mehrern Lehrern seines Kreises zur Feier eingetroffene Kreisrabb. Herr Goldmann hielt im Schulsaale, wo die Schüler des Herrn Tannenbaum, die schon etwas früher ihr Festgeschenk mit Gratulation dargebracht halten, und die Lehrer versammelt waren, eine recht paffende Rede. Mit dem Psalmverse v'p'iü 'vri-n beginnend, entrollte er ein treues Bild des Lehrerlebens mit seinen Licht- und Schattenseiten, hinzufügend: die oft genug vermißt werdende Anerkennung und gebührende Belohnung seiner treuen Dienste dürfen den Lehrer in seinem Berufseifer nicht entmuthigen. er müsse als süßesten Lohn das erhebende Bewußtsein, ein treuer Arbeiter im Weinberge des Herrn zu sein, bettachten. Die Schule sei ein Gotteshaus, in welchem die Lehrer ihres heiligen Dienstes, die jungen Kinderseelen zu Gott zu führen, zu «arten haben, indem er darauf die Schriftworte wvmw iw->S' riNLM (da das Wort in transitiver Form stehend „zum Blühen bringen") auf die Thätigkeit des Lehrers in Beziehung aus seine Schüler anwandte. Seine Rede mit dem Wunsche I'.-I' O'^1 P2W IIP, daß der Jubilar noch bis zum spätesten Alter eine ungestörte Körper- und Geistesfrische zur ferner» segensreichen Wirksamkeit in seinem Berufe von Gott erhalten möge, schließend, machte er darauf aufmerksam, wie auch die Behörde seine Berufstreue in dem abgelaufenen Zeiträume stets mit Anerkennung wahrgenommen, dies auch heute bei seiner Jubelfeier nicht verfehle, und ihn mit dem schönen Gratulationsschreiben und der Verabreichung einer Gratifikation zu erfreuen suche. Die Lehrer verehrten dem Jubilar als Ehrengeschenk einen silbernen Becher mit der Inschrift: „Dem Lehrer L. L. Tannenbaum zu seiner 25jährigen Amtsthätigkeit in Wannfried*) v. s. Collegen der Kreise Eschwege und Witzenhausen in Liebe gewidmet am 1. Juni 1864," durch den damit betrauten Lehrer Herrn Müller zu Frankershausen unter entsprechender Anrede mit Gratulation Namens der (anwesenden und nicht anwesenden) Collegen der genannten Kreise überreicht. Der Gefeierte, von den vielen Beweisen der Liebe tief ergriffen, in die Worte 7»s 'bp in ausbrechend, hielt seine herzliche Dankrede an alle Anwesende, worauf man einige, in seiner Wohnung dargereichte Erfrischungen in festlicher Fröhlichkeit einnahm. *) Tannenbaum war vor 25 Jahren schon 9 Jahre als bestallter Lehrer in einer andern Gemeinde, in Spangenberg (Kr. Melsungen) Hier wurde er hinsichtlich seiner Kenntnisse seiner Frömmigkeit und seiner treuen Berufserfüllung mit dem "Oll-Titel beehrt. Auch in seiner gegenwärtigen Stelle ist er für das Studium der bemühet, und unterrichtet jeden N2V «och die erwachsene männliche (»erhcirathete und unverhetrathete) Jugend im mit den gewöhnlichen und zwar ynrntgeltlich. Sein jetziger Kreisrabb. Herr Goldmann äußerte, daß er in seinen Schulrevisionsberichten vom Lehrer Tanncnbaum habe sagen müssen, daß derselbe eher zu viel, alS zn wenig in seiner Schule leiste. Hierzu eine Beilage. Z« Abwesenheit des Herrn Dr Lehman« verantwortlicher Redacteur: E. Gutman». — Verlag der Le Ronx'schen Hofbuchhaudlung. Dampf - Schnrllpreffendruck von I. GottSleben in Mainz.