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Der Israelit · 1864-07-13 · Heft 28 (13.7.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 28 (13.7.1864)
Date
1864-07-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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37b -er Practik der Moral leichtfertige Sitte und Frivo- ML^,,AusiKkeu" vom ehelichen Lehe«, Wie sie eben dm M«l de CoLs re. gang und We sind ,, wo Ae Kamille ei« herabgekommener Factor, der mit modernem Pathos in Scene gesetzte eheliche Eidschwur (?) gerade so lauge hindet, wie der des Confirmanden, wo nicht nur in Ausnahmsfällen der Mann seine Wege und das Weib Ae ihrigen geht rc.rc., und wo rückstchtlich der Observanz der speciellen, jüdisch-traditionellen Gesetze den sehr oft, ja wohl meistens von der Heimath ganz andere Anschauungen mitbringenden Zöglingen ein ihrer religiösen Erziehung sehr gefährliches, tagtägliches, wenigstens allsabbatliches Aergerniß gegeben wird. Wohl wissen wir, daß es vom pädagogischen Standpunkte aus durchaus nicht anzurathen ist, den Schülern den Blick in solche freiere (?) Religionsanschauung ganz zu entziehen, um sie später ganz unvorbereitet in die bittersten Erfahrungen hineinzuwerfen; wohl wissen wir auch, daß sich derjenige am allerchestcn einen Schnupfen zuzieht, der sich ängstlichst jedem Luftzuge entzieht. Allein ein Anderes ist es, auch solche Verhältnisse zu beobachten, ein ganz anderes acht langeJahre in solchen Sphären zu leben, in denen die praktische Religionsverachtung bei weitem zur Regel geworden und man die Zahl der Lieben, welche ihren Fanatismus und ihre Bigotterie so weit treiben, nicht einmal bei geschlossenen Thüren rnw zu sein, unter Hunderten zählen kann. Kann der Knabe bei dieser fortwährenden Erfahrung das bischen mitgebrachte Begeisterung, kann er in diesen acht langen Jahren auch nur einen Tropfen kampfes- MUthigen Herzblutes sich erhalten? — Nach diesen Prämissen muß meiner und sicher Aller Meinung nach die Ortssrage der Rabbinerschule beurtheilt werden. Die Rabbiner-Commission nun hat in deren Schreiben an die h. Statthalterei (Id. Alin. 4) die Möglichkeit angebahnt, daß die Candidatcn „bei fernerem Verbleiben unter dem Einflüsse und der Leitung der Anstalt", also während des Candidatencurses Collegien an einer anderen Anstalt besuchen. Hiermit wäre Pesth, der einzige Universitätsort des Landes, als Sitz der Rabbinerschule ausgesprochen. In welchem Verhältnisse dieser Ort zu obigen Bedingungen steht, kann sich Jeder selbst beantworten. Diesem präoccupirten Vorschläge entgegen schlägt der Entwurf selbst (I. ß. 1) jedenfallsvielrathsam^rnurimAllgemeinen eine geeignete Stadt des Landes vor, und soll dies auch wohl in dem minder klaren Passus (S. 3a. § 4) „und besuchen (gleichzeitig oder später?) .... die geeigneten Collegien an einer höheren Lehranstalt", wie dies die betr. Note deutlicher sagt, gemeint sein. Geschieht dies aber, daß nämlich die Candidaten erst nach Vollendung des Cursus zur weiteren Ergänzung der Studien eine Universität besuchen; so ist damit eine andere Eventualität von höchster Gefahr geschaffen. Nach S-9 Alin. 3 erhält nämlich jeder Candidat Leim Abgang pon der Anstalt ets RabbinatMploin (-LeK kam Äon sehr früh geschehen , wenn der Caydidat etwa M 16 oder 17 Jahren bereits in As ä. oder 6. Classe eingetreten); dieser junge Mann bezieht jetzt erst hie Universität; Philosophie und Naturwissenschaft, theologischer Rationalismus rc. eröffnen ihm eine ganz neue Welt; er wird Philosoph, vielleicht Materialist vom reinsten Wasser, sein RabbiyaLHdiplom hat er aber längst in der Tasche; und doch hat er einen ganz anderen Adam ungezogen. Kann das gut thun? — „Ja, wird man sagen, früher standen dieselben Eventualitäten offen." Ja, das ist wohl wahr; allein da war der -pvov unbedingt Herr über seine Entschließungen und Ertheilungen; während jetzt der Examinand auf sein ihm im Statut zugesichertes Recht pochen kann. Kann das aber ohne die bodenloseste Verwirrung für die und das Gemeindeleben bleiben? — Uebrigens haben wir rücksichtlich dieser Rabbinatsdiplome eine große Flüchtigkeit des Entwurfes zu constatiren. Derselbe sagt nämlich an keiner Stelle auch mit der entferntesten Andeutung, daß der Director oder die Lehrer an der theologischen Abthei.-- lung Rabbiner sein sollen;*) wie können aber selbst nicht autoristrte autorisiren; oder gedenken vielleicht die Herren Rabbiner der Commission diesen „Fortschritt" einzuführen? *) Sollte vielleicht einer der Leser über diese „Sylbenstecherei" die Achsel zucken, so möge er folgende, leider wahre Geschichte anhören. Der Hofjuwelier Friedrichs d. G., Herr Beitel Heine- Ephraim in Berlin, verordnet? in seine* letzwilligk« ^Bestimmung d. 15. Marcheschwan 5536, daß einem von ihm schon früher errichteten die Revenuen seines ganzen bedeutenden Vermögens zufließen sollten. Dies Testament lautet dahin, daß in diesem Beth-Hamidrasch tüchtige Talmudistcn lernen und lehren sollen. Wer hätte nun geglaubt, daß er hotte zusetzen müssen, diese Talmudgelehrten müssen dem Judenthumc a»gehören? Leider aber bat diese Lücke bewirkt, daß jetzt ein getaufter Jude, Namens Theodor Haarbrücher, einer der Empfänger dieses Benefizes ist, ja daß vor einiger Zeit der bekannte christliche Führer der Pietisten, Prof. Hengstenberg, einer der Lehrer des Beitel- Heine - Epraim'schen Beth-Hamidrasch war. Gibt es eine scandalösere Blasphemie? Freilich trägt dieses sog. solchen Typus, daß die Herren Professoren daselbst zu sagen gar nicht anstehcn (wissenschaftl. Blätter Eltz. X-): „,Die Borträge schließen sich ihrem Geiste und Ziele nach mehr denen der Philologen an Hochschulen als denen der Theologen an, und ebenso wie dort der Theologe mir Nutzen für seinen künftigen Beruf die philologischen Vorlesungen hören kann; so kann eL hier der christliche Theologe und der Rabbinatsbestissene, ohne daß sich die Anstalt deßhalb für eine bestimmte theologische Richtung verantwortlich zu machen hat." — Schrecklich aber wahrl Wenn nun ein durch eines echt jüdischen Gemüthes für 'IQlV eingerichtetes in die Hände eines christlichen Professors und eines getauften Juden übergehen kann, wie leicht werd-.n nicht Ausdrücke wie „positiv historisches Judenthum" „religiös-sittliches Leben" rc. zu denjenigen ge-und verdreht werden können, was Pfründenjäger sie gerne sagen lassen möchten?

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