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Der Israelit · 1864-07-13 · Heft 28 (13.7.1864) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 28 (13.7.1864)
Date
1864-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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374 historische« JudenthumeS verlassen werde," daß „der Lehrkörper die ihm anvertrauten Jünglinge vor jeder Zweifelsucht und Verirrung bewahre;" (b»Z. 4) „in ihnen die Ueberzeugung von dem göttlichen Ursprünge der offenbarten und überlieferten Lehren des Judenthumes zu begründen und zu befestigen und die Pietät für seine Träger und Verkünder in ihrem Gemüthe zu nähren und zu kräftigen;" (idiä.) „Als Direktor und Lehrer an der Rabbinerschule dürfen nur Männer von bewährtem, religiössittlichem Charakter angestellt werden" (6b Hl, § 6). — Nun es leuchtet aus diesen Worten unzweifelhaft eine sehr ernste Sorge um die genügenden Garantien einer echt religiösen Gesinnung hervor, welche wir sehr gern und freudigst anerkennen, wie wir dies auch gleich anfangs gethan, obgleich die ehrw. Herren Rabbiuen dieser Anerkennung durchaus nicht bedürfen. Eine andere Frage jedoch ist es, ob dieses Ziel durch diese Palliativmittel wirklich erreicht wird, ob denn hierdurch die Anstalt vor dem Eindringen der Füchse in den Weinberg des Gottes der Heerschaaren wirklich beschützt ist. Wir müssen dies aber verneinen, und wer nur einigermaßen mit der Phraseologie der neugebackenen „jüdischen Theologie" vertraut ist, wird uns sicher bestimmen. — „Der Boden des positiven historischen Judenthumes?" — Ein sehr vager und dehnsamer Begriff, zu dem sich je nach der verschiedenen Interpretation auch die Allermodernsten bekennen können und wirklich bekennen. Oder behauptet Löw etwa nicht, betheuert Jellineck etwa nicht, auf dem Boden des historischen Judenthumes zu stehen?' Kann nicht positiv-historisch auch dahin erklärt werden, daß das erstere Attribut durch das letztere geradezu restrjngirt wird, daß eben nur das als positiv betrachtet werde, was unter der historischen Perspective als solches erscheint und Stand hält, derart, daß z. B. aus v".in rw-rbv nv'k nicht sehr viel Federlesens gemacht wird, weil, wenn gleich positiv, doch historisch „im Volke antiquirt" rc. rc. Als uuum pro wuliis über die grenzenlose Zweideutigkeit dieses Ausdrucks citiren wir aus dem Vorworte zur Religionsphilosophie von vr. Samuel Hirsch eine Stelle (IX), wo es heißt: „Heute aber gilt es, gerade die Eigenthümlichkeit, die positive Weltanschauung der jüdischen Religion, und die Formen, die sie (?) sich gegeben, diese positive Weltanschauung sich immer zu vergegenwärtigen, nämlich ihre Ceremonien und Gebräuche in ihrer absoluten Nothwendigkeit zu begreifen und wieder im Herzen zur lebendigen That zu erheben, aufzubauen statt einzureißen, zu erhalten statt preiszugeben;, das wahre Judenthum auch unserseits zu bewähren." Nun das wäre so weit ganz leidlich, nun sagt aber Ebenderselbe in fast ebendemselben Athemzuge (X) .... vielmehr bilden die Juden allerdings eine Nationalität .... Aber diese Nationalität ist eine solche, wie es keine andere mehr gibt; sie ist eine rein geistige, und hat mit irdischen, staatlichen, politischen Verhältnissen gar nichts zu s chaffen. Wir hoffen allerdings, daß in Jerusalem das Haus wieder aufgebauet wird zum sichtbaren Bethause für alle Völker.ob aber wir oder die Türken oder die Christen das weltliche Regiment in Palästina führen werden, ist völlig gleichgültig." — Eine unwiderlegliche Illustration unserer B hauptung, daß die gestellte Forderung lange nicht genug Garantie bietet, liefert der Standpunkt des Hrn. Seminardirektors Z. Frankel, der doch sicherlich behauptet, auf dem Boden des positiv-historischen Judenthums zu stehen, und dennoch nicht ansteht, von npii riiLZM der „Erfindung" derjenigen Grundsätze zu sprechen, von welchen das einfach positive Judenthum behauptet, daß sie .i2b.i 'rov seien; dennoch nicht ansteht, sogar dm Talmudunterricht einem I)r. Grätz anzuvertrauen, dessen Ansichten über .irwn in neuester Zeit bekannt wurden, und dessen Auffassung des wesentlichsten Inhalts der nach psychologisch-pathologischen Inklinationen der „Erfinder" schon lange der „Geschichte" angehört. — „Die Schüler sollen vor der Zweifelsucht*) und Verirrung bewahrt werden". Ja, aber was ist denn eigentlich Verirrung, was gehört denn zu den gefährlichen Zweifeln und was ist andrerseits, solides wirkliches Fundament? Das wird eben davon abhängen, was die Hehrer vom positiven-historischen Judenthume halten werden. — „Es soll die Ueberzeugung'von dem göttlichen Ursprünge der geoffenbarten und überlieferten Lehren des Judenthums begründet und die Pietät vor den Trägern derselben genährt werden." Wir müssen hiezu bemerken, (denn es handelt sich hier durchaus nicht um Kleinigkeiten, sondern nach Umständen, wenn nämlich ins Leben gesetzt, um eine Angelegenheit von der allergrößten Tragweite), daß diese Worte „göttlichen Ursprung der geoffenbarten und überlieferten Lehren" doppelsinnig sind. Sie können bedeuten, und wir sind überzeugt, daß sie dies bedeuten sollen, daß eben alle uns überlieferten Lehren dem Moses speciell für uns von Gott gegeben, daß eben Gott selbst mit dem 122.1 .i'.ii gesagt hat, daß der Aelteste als w2' das Vermögen des Verstorbenen antritt rc. rc. (Nach dieser Erklärung jedoch enthalten die Ausdrücke „göttlichen Ursprung" und „geoffenbarten" eine Tautologie). Sie können aber auch ganz etwas Anderes bedeuten. Der „gött- *) Soll wohl heißen Zweifel überhaupt, denn wo überhaupt der Zweifel von Gefabr ist, nämlich bet metaphysischen und rationalistischen Thesen, ist nicht nur die Sucht darnach, sondern der Zweifel überhaupt sehr gefährlich; auf dem Boden der ha» lachischen Dialectik hingegen ist ja auch geradedie Sucht nach Zweifeln O'rnpl Nlp'LD sehr lobenswerth und rühmlich.

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