Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1864)
- Date
- 1864-07-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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372 mehr entnahm er die Myken M fehlem Aufleuchten vom Altäre, welcher im Drohen TewpklHch BÄkergefchichte stehet, dem WwÄßtUn Md OrM^bstMntniß der Völker nämlich, wodurch, wie gesagt, Lichtstreifen sich nach den verschiedensten und entgegengesetztesten Richtungen hin ausbreiten. Ob das gegenwärtige Erscheinen des Judenthums als Mond am Nachthimmel noch zu einem völlig Hellen Lage führen wird, das haben wir als kurzsichtige Menschen nicht zu entscheiden, ein uraltes Lied, welches von der Liebe Gottes zu Israel singt, spricht sich prophetisch dafür aus 2222 222 212V2 .->2' 222? 122 22P2^2 2X1 '2 21^-22 22'X. „Wer schaut dort aus wie der grauende Morgen, schön wie der Mond, klar wie die Sonne, furchtbar wie die von Fahnen Umflatterten?" (Hoh. Lied 6, 10). Was jedoch jetzt Gemeingut aller Völker zu werden anfängt, historische Selbstkenntniß. das muß um so mehr bei Israel in Geltung kommen. Ich sage um so mehr, weil einerseits an dem Volksbewußtsein Israels ohnedies schon vielfach durch erhabene, göttliche Institutionen Funken geschlagen werden, so daß Nationalgefühl, nationale Selbstkenntniß stets in Lebendigkeit erhalten wird, andrerseits oder auch das Object der jüdischen Geschichte selbst ein so vorzügliches seiner Art ist, daß es wohl verdient, von denen am meisten verstanden und tief aufgefaßt zu werden, über deren geschichtliches Leben es handelt. Ja, wir Juden bedürfen in unserer heutigen Zeit einer jüdischen Geschichte, aus der jedes Gemüth und Herz, dem es ein Ernst mit der Aufgabe seines Lebens ist, wahre, jüdische, nationale Selbstkenntniß schöpfen kann. Es liegt in der jüdischen Geschichte ein gar großes, bei Weitem nach seinen Wirkungen noch nicht genug gewürdigtes Förderungsmittel für jüdische Erziehung und für Befestigung jüdischen Glaubens. Auf dem Wege, auf welchem bisher meistens Schaden und Gift gekommen, auf demselben Wege muß heute dagegen gearbeitet und der hereingebrochenen Fluth des Unglaubens ein Damm entgegengesetzt werden. Falsche, dem Thorageiste Widersprechende Auffassungen der jüdischen Geschichte, wie sie bald Ln umfangreichen Bänden, bald in Grundriffen und Schulbüchern Jung und Alt seit Decennien aufgetischt wurden, haben zweifelsohne mit einen der bedeutendsten Antheile an der irreligiösen Gesinnung unserer Zeit. Darum, anstatt der falschen entstellten, trete jetzt wahre, echtjüdische Geschichtsauffassung, wie es dort im Bilde des Propheten entgegenlächelt: 2^>p' 22222 222 2222 ,-ibp' piL^.2 rinn 222 „Statt der Hecken sollen Cedern aufwachsen, statt stechenden Dorngestrüppes sprieße duftende Myrthe empor." (Jesai. 55, 13.) Freilich könnte man sagen, die Thorakenntniß und Religion selbst mit ihren den Israeliten von Morgen bis Abend, von der Stunde der Geburt bis zum letzten Abschiedsgruße an die Welt, druWWle VerhaltzüG dMMNns, durch Leid und FMd begleitendes MHpten, K dringen ja schon geruchsam. dem JsrselitMdie Mtzutung seines Lebens im Mzelnen wie imGanzen seines Volkes und der übrigen Menschheit zu klarem und Hellem Bewußtsein. Wir gestehen dies vollkommen zu und behaupten sogar im Gegensätze zu unserer Jetztzeit, daß jüdische Kenntniß, specielles jüdisches Wissen nach ihrem Haupttheile nicht in bloßen geschichtlichen Forschungen, historischen und Antiquitätsstudien — und mögen diese selbst rein jüdischer Art sein — bestehen, sondern im eifrigen Studium des heiligen Gesetzes, wie dies so schön der Jude in später Abendstunde — gestützt auf das 2^'bi 22? 12 2')21 (Josua 1,8) — ausspricht n^l 221' .m 2221 U'2' 12X1 w'2 22 '2 „denn we Thoragebote sind unser Leben und geben unfern Tagen Dauer, und in ihnen sinnen wir Tag und Nacht." Allein das Universelle der göttlichen Religionsgebote gewinnt um so mehr Schattiruug, Farbe und anschauliche Specialität, wenn es sich an dagewesene, große ' Persönlichkeiten knüpft oder in bereits geschehenen Thatsachen großartigster Weise ausprägt. Der Mensch ist Mensch und spiegelt sich gern in Seinesgleichen. Große Charactere, hochhervorragende Persönlichkeiten, starke Musterbilder von Menschenleben im guten oder bösen Sinne, sie haben immer den wohlthätigsten Einfluß auf Menschengemüther geübt, sie standen entweder wie Lichtpfeiler, wie Riesencoloste oder wie Schreckbilder voll Nacht und Thränen hinausragend über Jahrhund, rte und Jahrtausende lehrend oder warnend da; das Kind lernte von ihnen Ehrfurcht gegen seine Altvordern, der Mann Heldenmuth zum Ringen und Streben, und der Greis endlich Trost und llttlhe für das letzte Ende des Lebens. Nun, unsere Volksgeschichte, die so reich an jenen großen Bildern ist, die das Universelle der Welt und Menschheit im Allgemeinen wie Israels im Besonder» umfaßt, die sollte nicht Gemeingut der Nation werden? Warum nicht aus solchem breiten, vor uns vorüberziehenden königlichen Strome schöpfen? Aber die Geschichte, könnte man ferner sagen, ist ja schon seit Jahrtausenden in den heiligen Geschichtsbüchern der Bibel geschrieben und gelehrt, wozu eine neue? Nun, das dort im göttlichen Tone Ausgesprochene, auf populäre, eindringliche Art zum Gemeingut des Volkes machen, es ihm auf eine den Geist belehrende und das Gemüth ergreifende Weise zum Bewußtsein führen, und das Alles unter der Beleuchtung und Färbung, die der heute die Menschheit überschwebende Geisteshimmel auf eigentümliche Weise jedem Geistesproduct gibt; zwischen den Aussprachen und Verkündigungen feindlicher, entgegengesetzter Art auch eine Stimme für wahre, jüdische Geschichtsauffassung erschallen lasten: ist das nicht Verdienst, unleugbares Verdienst? — Ferner Angränzungspunkte der jüdischen Geschichte auch nach