Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1864)
- Date
- 1864-07-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Ein Karawane, unter welchen Juffuf al Kaleb der Kaufmann und Haleb ben Schurun, der Derwisch sich befanden, erblickte einst bei Nacht in der Wüste die bedeutungsvolle Feuersäule. Vor Freude und Entzücken über das Ereigniß, sank Haleb m den Staub» und betete zu Allah. Er weihte seinen Freund JUffuf in das Geheimniß ein; Beide trennten sich von der Karawane, fest entschlossen, das Scepter MohameVs zu suchen. Sie begannen, mit unsäglichen Mühen in dem Sande zu graben, am vierten Tage endlich fand der Derwisch einen Edelstein als glücklicher: Vorboten des großen Schatzes, doch alle weiteren Nachforschungen waren fruchtlos. „Wir müssen Allah versöhnen," sagte Haleb zu feinem Mefahrten, „wir können es nur thun, wenn wir ihm gefällige Opfer bringen. Was kann aber Allah wohlgefälliger sein, als das Blut eines Giaurs?" Beide machten M auf den Weg nach Taffa, einem kleinen Dorfe am Rande der Wüste, fest entschlossen, das nochwendige Opfer sich auszusuchen. In Taffa befand sich eine kleine Garnison französischer Truppen. Beide Moslems wgrtetm in einem Hinterhalte, da kam in der Nacht ein Reiter herangesprengt — ein Schuß Juffuf al Kalebs machte ihn im Augenblicke zur Leiche. Me Mörder stürzten sich auf das unglückliche Opfer, schnitten ihm den Kopf ab, untersuchten dessen Gäche und fanden nebst vielem Gelde auch einige wichtige Papiere. Als der Mord des französischen Officiers bekannt wurde, stellte der Eommandayt von Taffa eine strenge, jedoch fruchtlose Untersuchung an. Der Kopf des Officiers wurde von den Mördern im Sande vergraben. Diese warteten nun mehrere Tage vergebens auf ein neues Wunder, das die Stelle des Schatzes ihnen offenbaren sollte. Sie weihjten nun mehrere Personen in iyren Plan ein, und alle waren übereinstimmend der Ansicht , es müßten noch mehr Giaurs zum Opfer fallen, ehe Allah ein nezres Wunder, chäte. Es war am jüdischen Osterfeste, als plötzlich das Haus des Juden Jsak ben Menaffe in Flammen aufging; über 20 Personen waren in jenem Hause zum Gebete versammelt, nur Wenige vermöchten sich zu retten, die herbeieilenden Garnisonstruppen fanden nur noch mehr verkohlte Leichen vor. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß der Brand gelegt worden sei. Die Entdeckung der Brandstiftung konnte gleichfalls sticht bewerkstelligt werden Nach diesem furchtbaren Ereignisse versammelten sich die Schatzgräber abermals in der Wüste, um das Wunder zu erwarten. „Allah ist groß," sagte der Derwisch, „er wird Wunder thun, wenn wir ihmeine reine Jungfrau zum Opfer bringen; wir dürfen nicht müde werden, die bösen Geister sind wider uns, doch Allah wird Gnade üben." Eines Tages lustwandelte Eveline, die Tochter des Obersten Maupas am Rande der Wüste in Begleitung einer Kammerfrau; plötzlich sahen sich Beide von einer Schaar berittener Moslems umrungeN, und trotz des Hiilferufens Evelinen's ward dieselbe ergriffen, auf ein Pferd gebunden und rasch 'wie der Wind eilten die Muselmänner mit ihrer BeMe davon. Die Kammerfrau des Mädchens ward nach einer Stunde von dem Vater Evelinen's als Leiche aufgefunden. Im Nu sammelte Maupas eine tapfere wohlberiltene Schaar pm, sich, bereit, Alles daran zu setzen, wenn es noch irgend möglich sein sollte, das Leben seines Kindes zu retten. Die Spuren im Sande waren die einzigen Wegweiser für die französischen Soldaten, und als die Nacht hereinbrach, verloren sich auch diese. Oberst Maupas ist jedoch nicht der Mann, der unverrichteter Dinge von einer Expedition zurückkehrt, besonders wenn es sich, wie diesmal, um sein höchstes eigenes Interesse handelte. Er machte daher Halt, in der Absicht, bei Tagesanbruch weitere Nachforschungen anzustellen. Da plötzlich drang aus weiter Ferne ein Hüfferuf, der Verzweiflungsschrei eines brechenden Herzens an sein Ohr, kein Zweifel, der Oberst erkannte die Stimmeseines Kindes. Verzweiflung beflügelte seine Schritte, es begann bereits zu dämmern, und er glaubte in ziemlicher Nähe eine Gruppe zu entdecken — da plötzlich bäumte sich sein Pferd, es wollte nicht weiter, der Oberst sprang herab und erkannte seine Tochter, der Kleider beraubt, das Herz durchbohrt, die Augen gebrochen; das arme Kind athmete noch, es schien seinen Vater zu erkennen, es lächelte sanft und verschied. Oberst Maupas band die Leiche seines Kindes auf sein Pferd und es war die höchste Zeit, denn einen Augenblick später sah er sich von ein Dutzend Wüstenräubern umringt und von ihren Kugeln umschwirrt. Es war. die höchste Noth, denn bereits blutete der Oberst aps mehreren Wunden, als sein Gefolge ihm zu Hisse kam. Es entspann sich ein hitziges Gefecht, doch die nachrückenden Franzosen nahmen die Räuber gefangen, unter diesen befanden sich auch Juffuf und Haleb. Das Kriegsgericht machte mit den Gefangenen kurzen Prozeß, sie wurden sämmtlich erschossen, nur Haleb und Juffuf wurden, da man sie allgemein als die Rädelsführer bezeichnte, vor das ordentliche Gericht geteilt, weil man der weitverzweigten Verschwörung auf die Spur kommen wollte. Juffuf, der Kaufmann, ist ein betrogener Betrüger, ein habsüchtiger und feiger Mensch, Haleb ben Schurun, der Derwisch, entwickelte einen energischen, von wildem Fanatismus aufgeregten Character, der aus seinem Christenhaffe kein Geheimmß macht. Sein Vertheidiger nennt ihn einen ausgeglühten Kieselstein der Wüste, der im Wurse stets abwärts fällt, sein Odem ist glühender Fanatismus, sein Verbrechen Ueberzeugung des Herzens. „Es wird stets solche Menschen geben, so lange dre Lehre Mohamed's Anhänger findet; strafen Sie ihn mit dem Tode, aber aus seinem Blute werden nur neue Dämone erstehen, so lange bis die Civilisation und Aufklärung sie verscheucht. Schaffen.Sie keine Märtyrer, die man in den Moscheen verehrt. Ich beklage das Unheil, das dieser Wahn geschaffen, es ist etwas Tigerartiges, «her doch Erhabenes in diesen eisernen Naturen." Als Haleb zum Richtplatze in Constantine geführt wurde, bestieg ermit imponirestder Seefenruhe das Schaffst; er syM