Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1864)
- Date
- 1864-07-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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362 der höher« Stände seine« Einfluß geltende Wüs Wunder alw, daß man dem Hanswurst auch da sein Recht emräumte, «nd, chm zu Ehren dem größten Th eite des Praters leinen Namen gab? Setz jener Zeit ist nun zwar der mit der Schellenkappe geschmückte Herr ganz vnd gar aus der Mode gekommen; allein im „Wurstelprater" florirt er noch immer, und bringt feine Herrschaft wie ehedem zur Geltung. Die Schluß- Production dieses, in Gestalt einer Puppe rrpräwutirten Hansrvurst's, bildet mm immer — trotz Licht und Aufklärung und den fast von allen Journalen darüber gegebenen Rügen — das Todtschlagen eines Inden. Hanswurst schwingt die Keule über dem Haupt eines geüngstigten Juden und fragt : „soll ich ihn todtschlagen, soll ich, soll ich?" Und aus tausend und aber tausend Kehlen des plebejischen Haufens erschallt die Antwort: ja. ja! und der arme Jude wird unter dem Gejohle der canibalischen Zuschauermenge sofort todtgeschlagen. Ist es nun nicht höchst sonderbar, daß ein Herr Sz. in Wien ein Journal edirt, in welchem der ebenbeschriebene Vorgang allwöchentlich auf dem Papier nachgemacht wird? Was wir aber noch als höchst sonderbar zu bezeichnen glauben müssen, ist der Umstand, daß das oben erwähnte „Eingesandt" den Hrn. Sz. in Bausch und Bogen verurtheilt. Hat der Hr. Verfasser, der doch in den Nummern der „Neuzeit" so gut Bescheid weiß, die von Hrn Sz. geschriebenen und von Milch und Honig überfließenden Artikel über „die Lerner in Wien" etwa nicht gelesen? Ist ihm der dem Hrn. Eisik Weiß im Uebermaß dort gespendete Weihrauch nicht auch zu Kopf gestiegen? Im Interesse des 8uum euigue und des nun in rascher Aufeinanderfolge auftauchenden „Sonderbaren", wünschen wir von dem Herrn Verfasser baldigen Aufschluß darüber: ob er, bei Abfassung seines Artikels, an den für Hrn. Sz. so günstig sprechenden Umstand nicht gedacht, oder denselben absichtlich ignorier hat. — Wien, den 28. Juni. Der Bau der Synagoge der orthodoxen Israeliten Wiens, worüber ich Ihnen bereits berichtet habe, ist soweit vorgeschritten, daß das Gebäude nur noch der innern Ausstattung harrt; von der Großartigkeit dieser Synagoge können Sie Sich leicht eine Vorstellung machen, wenn ich Ihnen erzähle, daß die innere Ausstattung circa 8000 fl. kosten wird. Die Opferwilligkeit für diesen heiligen Zweck ist auch eine sehr große. Freilich wurde am siebenten Tage des Paffasestes die Kanzel dazu mißbraucht, gegen unser frommes Beginnen loszufahren. Herr vr. Ad. Jellinek, der ehedem so schön von Friede «nd Einigkeit, mrd wieder von Friede und Einigkeit «nd von Nichts als von Friede und Einigkeit z» predigen wußte, ergeht sich seit einiger Zeit mit besonderem Wohlgefallen in dem wenig löblichen Strebe«, Zwietracht und Zerwürfniß zu nähren, und dadurch allgemeines Aergerniß zu geben. Glücklicherweise bteiben seine Angriffe ganz ohne Erfolg. Sowohl die Herren Vertreter, als auch der großer- Theil der hiesigen G-memdeglieder sind von der Notwendigkeit Unseres Unternehmens überzeugt und wissen die Wichtigkeit desselben zu würdigen. Nur ein. kleiner Bruch - theil der Gemeinde, der jedoch gänzlich ohne Einfluß ist, steht uns feindlich gegenüber. — Wir haben unter göttlichem Beistände bereits den größten Theil unserer Kosten gedeckt; ein Einzelner hat die Beschaffung u«d Erhaltung der ewigen Lampe (i'Oki -») übernommen; ein Anderer läßt ein prachtvolles für die O'v' anfertigen; edle Frauen sammeln für die Beschaffung der übrigen Vorhänge, Decken u. s. w. — Die freudvolle Bereitwilligkeit zum Spenden für edle und fromme Zwecke ist im Allgemeinen eine Erbtugend unserer Nation, namentlich aber auch eine ehrenvolle Eigenschaft unserer Wiener Gemeinde, die zu bewähren sie nimmer ermüdet. — Gebe der allgütige Gott ferner Seinen Segen, damit es uns gelinge, unser heiliges und hochwichtiges Unternehmen zur glücklichen Vollendung zu bringen. — England. London. In Folge der betrübenden Nachrichten aus Marocco, daß nämlich sich von Seiten vieler Beamten eine Opposition gegen den von Sir Moses Montefiore erlangten Firman des Sultans geltend macht, hat dieser edle Greis an den Ozir (ersten Minister) folgenden Brief geschrieben: „An Seine Excellenz, den hochverehrten Ozir Sid-Taib-al-Jemini: Viel Friede! Sie haben mich durch Ihre verehrliche Antwort auf mein jüngstes Schreiben vom 23. Febr. d. I. gar sehr erfreut. Bei meiner Rückkehr nach Europa hatte ich die Ehre, eine spanische Übersetzung des Kaiserlichen Firmans der Königin vomSpanien zu überreichen; ebenso zu Paris eine französische dem Kaiser Napoleon HI. und hier m London eine englische der Königin Victoria. Zugleich ist der erwähnte Firman durch die Presse in fast allen europäischen Sprachen v rbreitet worden, wodurch Ihrem erhabenen und edeln Monarchen die Bewunderung aller europäischen Rationen z« Theil geworden. Alle Menschenfreunde, alle Freunde der Wahrheit «nd -er Gerechtigkeit in der ganzen Welt setzen ihre Hoffnung in Ihren erhabenen Monarchen u«d in Eure Excellenz, daß der Inhalt jenes kMichen Firmans auch erfüllt werde und von allen Gouverneuren und Beamten des Kaisers die geziemende Beachtung finde.