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Der Israelit · 1864-07-06 · Heft 27 (6.7.1864) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 27 (6.7.1864)
Date
1864-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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361 Glauben und Wissen begründeten Gesinnung, gepaart mit einem Heiden voll Treue und Innigkeit, das sich in einer edlen und kräftigen Sprache ergießt, vermag, das hat der Verfasser ausgeboten, um zu überzeugen mit der unbeugsamen Kraft der Wahrheit, zu ermahnen mit dem seelenvollen Worte des Gemüthes, zu strafen mit der würdigen Hand der Gerechtigkeit. — Bor den Augen der gläubigen, zweifelnden und ungläubigen Welt richtet der Berf. das Postulat des Indent hums — des echten wahren Judenthums — auf und stellte das hehre Bild des Judenthums darauf; und dieses Bild ist so wahr getroffen, trägt die Wahrheit und die Majestät so unverkennbar in seinen Zügen, daß es genügt, wenn der Verfasser Ln der ttefstgefühlten Ehrfurcht vor dieser wahren Majestät Jenen zuruft: Dies ist's, um was wir uns schaaren, für das wir mit dem Herzblute kämpfen müssen — und Diesen: Dies ist's, was ihr verunstalten, zur Frazze machen wollet! — Die bekannte Erklärung, welche einige, von wahrer Gottesfurcht beseelte Lehrer Ln Israel, als Signal zum gerechten Kampfe erließen, und der Kampf selbst, zu dem nun so viele langbewährte jüdische Kämpfer stehen, könnten nicht leicht einen würdigern Dolmetsch finden, als sie ihn in dem vorliegenden Merkchen gefunden haben, in welchem — mitten im Kampfe — der wahrheitsliebende ruhige Griffel der Geschichte Kampf und Kämpfer verewigt, indem er sie, jeder absichtlich verbreiteten Täuschung und Zweideutigkeit gegenüber, wahrheitsgetreu zeichnet. — So ragt dieses Merkchen rein und edel aus dem dichten Nebel hervor, den der Unglaube, im Vereine mit der Unehrlichkeit um jüdisches Wissen und Leben und um die biedersten Vertheidiger und Lehrer derselben in jüngster Zeit zu verbreiten bemüht waren — ein Denkstein der Wahrheit, der den spätern Geschlechtern erzählen soll von der glaubensmuthigen Entrüstung, mit der fromme Männer in Israel eingestanden sind für den Glauben ihrer Väter, von den gerechten Waffen, die sie gegen Verleumdung und Lüge geführt und von der Erhabenheit und Wichtigkeit des Gegenstandes, um den es sich in diesem Kampfe speciell gehandelt hat. — Die Mit- und Nachwelt soll wissen, wofür die Orthodoxie heute kämpft; — und das wird sie. Diesen Zweck hatte der Verf. vorzüglich im Auge, und er hat ihn um so eher und vollkommener erreicht, als er sich der Schwierigkeit seines Terrains bewußt war, auf dem der Produktivität des Geistes weniger Gelegenheit geboten ist und es sich hauptsächlich um „ehrliches" Subsumiren gehandelt hat. Dies — im Allgemeinen — der Eindruck, den die vorliegende Broschüre auf uns gemacht hat. — Im Einzelnen nun, was Form der Anlage u. s. w. betrifft , kann der kritische Leser beanstanden, daß die Einleitung des Merkchens mehr den Charakter eines Vorwortes hat, dem dann auf S. 7 u. 8 eine kurze Einleitung folgt; wie auch, daß die beiden, als von einander abgesondert ausgestellten Fragen in der Behandlung als zu wenig von einander getrennt erscheinen. Doch drängt sich uns diese Art der Behandlung fast als unumgänglich nothwmdig auf, wenn wir an die faktische Zusammengehörigkeit der beiden Fragen, ihrem ganzen iunern Wesen nach, denken. — S. 13 erscheint — wahrscheinlich in Folge eines fehlenden Anführungszeichens die Anmerkung dunkel; ebenso S. 30 „Gesetzbücher, Kodizes u. s. w." als Tautologie. S. 31 enthält, wie manche andere Seite des Merkchens, eine sehr schöne, wahre Joee; doch glaube ich nicht, daß die dort aufgestellte Behauptung nur vom Judenthume behauptet werden könne. — Leider haben sich, in Folge der großen Entfernung des Verfassers vom Druckorte viele Fehler eingeschlichen, die jedoch der denkende Leser leicht selbst berichtigen wird. — llebrigens ist das Merkchen schön ausgestattet; wir wünschen demselben in dem Maße offenes, ehrliches Entgegenkommen von Seiten der jüdischen Lesewelt, als es Offenheit und Ehrlichkeit im Judenthum zu verbreiten, das Gefühl des Rechtes und des gehobenen Bewußtseins zu fördern und zu kräftigen geeignet ist. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 19. Juni. Von dem, in Nr. 24 Ihres geschätzten Blattes, aus Nieder-Oesterreich eingesandten Artikel angeregt, erlaube ich mir, zu dem dort so trefflich motivirten „sonderbar", noch einige solcher „sonderbar" als Pendant kinzuzufügen. In der unmittelbaren Nähe unserer weltberühmten Stadt befindet sich ein Park, den der unvergeßliche Kaiser Joseph II. dem Publikum zur Benützung und Unterhaltung freigegeben hat. Dieser Park, allbekannt unter dem Namen „Prater", zerfällt in zwei Abtheilungen, in deren einer sich die danto volde ergeht; und in deren andern sich das urwüchsige, gemüthliche Wien zu amüsiren sucht. Die letztere nennt man nur den „Wurstelprater", weil da — unter andern dem Publikum von Seiltänzern, Gauklern, Kunstreitern und Escamoteurs dargebotenen E götzlichkeiten — ein Hanswurst «n wunlatur« seine Späße zum Besten gibt und einen Haufm von Rangen, Mägden, Knechten und Soldaten gar weidlich belustigt. In jener primitiven Zeit, in welche die Eröffnung des Praters fällt, stand, wie bekannt, der Hanswurst-Cultus in voller Blüthe und machte sogar selbst auf einen großen Theil

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