Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1864)
- Date
- 1864-07-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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j Z«0 ralischen Zwang aus und ist eben eine für Gesinnungsgenossen, statt welcher es für Andersgesinnte noch viele andere, viel bedeutendere, von ganz anderem Renommäe gjbt. Ein ganz Anderes aber ist es, wenn ein Programm zur Zufriedenheit derMajorität geschaffen und realisirt «erden soll. Das auf Grund dieses Programmes eingerichtete Institut wird bei aller recht anerrennenswerthen Wahrung der Autonomie der Pcivat-Jeschibot (l. Z. 2) durch so viele subvmtionelle und moralische Prärogativen doch eine solche moralische Macht erlangen, wie sie sich gerechter Weise nur die Majorität vindiciren darf. — Wie man die Sache hätte angreifen sollen, um eine Versöhnung, ja vielleicht eine positive Unterstützung aller Derer, welche man (wir werden den Beweis dafür nicht schuldig bleiben) zum größten Nachtheil für die Sache von sich gestoßen hat, herbeizuführen, das ist eine Frage, welche vielleicht weit weniger zu den müssigen gehört, als dies den Anschein hat —? — *) Nun, ich will nicht gerade behaupten, daß die Herren Rabbinen und „Laien" an die hohe Statthalterei die Bitte hätten richten sollen, daß dieselbe, die doch jedenfalls aufrichtig das Beste und auf's Beste gehandhabt wissen will, die Wahl der Bertraueusmänner den betr. größeren Kreisen selbst hätte überlassen sollen; jedenfalls aber hätten die Herren Rabbinen solch' ehrwürdige Häupter der größten einladen, resp. höheren Orts zur Einladung vorschlagen sollen, denen das gediegenste Urtheil über Rabbinatsschulwesen zusteht. prr p'O) ^22. Ob dieselben dem Rufe Folge geleistet hätten, steht allerdings dahin; allein auch der Versuch hätte im Interesse des großen Zweckes geschehen sollen. Ja, selbst wenn solches Gesuch an höherer Stelle zurückgewiesen worden wäre; auch dann noch hätten privatim die greisen Häupter der r>i2'V>, die eigentlichen Väter des ganzen Landes,;2 ri-r V2 i!?x2 21N2I1 TidpQ 1^2^, um die Mittheilung ihrer reichen Erfahrung angegangen werden müssen. Dann würde wohl, mehr als dies geschehen, an bestehende Verhältnisse angeknüpft worden sein; dann würde, wie dies sein soll, die Vergangenheit durch die Gegenwart zur Zukunft hinübergesührt werden. So aber muß jeder aufrichtige Kenner der Verhältnisse schon von dieser Seite aus dem Programme die Lebensfähigkeit absprechen; womit natürlich nicht gesagt werden soll, daß die Realisirung an sich eine Unmöglichkeit sei, sondern nur, daß sie der natürlichen Vegitationsfähigkeit entbehre. (Forts, folgt.) *) Ich freue mich, ohne Scheu vor dem ^121 ON",-N auch hier, wie immer, nicht nur die Wahrheit, sondem auch die ganze Wahrheit sagen zu können; well bekanntlich von der h. Statthalterei bei diesen Berufungen die Norm festgehalten wurde, daß nur Inländer von Geburt in diese Versammlung berufen werden sollten. Die Literatur des Äompert'schen Preßprocesses. ii. Wir haben bereits in Nr. 22 auf die Broschüre des Herrn Bez.-Rabb. Kuttna in KapoSvar hingewiesen. Der Titel derselben lautet: „Offen und ehrlich" Beantwortung der Fragen: 1. Präcisirt die israelit. Religionslehre den Glauben an einen persönlichen Messias? 2. Gibt es ein Schisma im heutigen Judenthume? nebst einem Anhänge: Zurückweisung der von H. H. B. Fasset, Ober-Rabbiner in Groß- Kanischa, in Nr. 6 der „Neuzeit" 1864 ergangenen Aufforderung, und Berichtigung aller dort citirten Stellen, von Salamon Kuttna, Bezirks-Rabbiner in Kaposvar; Halberstadt 1864" 79 S. gr. Der Verfasser dieser Schrift, dessen eindringlich warmes, praktisch weises Wort die Leser dieses gesch. Blattes schon einigemal vernommen haben, hat sich diesmal die Aufgabe gestellt, seine Anschauung von den gegenwärtigen Prinzipienkämpfen innerhalb des Judenthums, wie er dieselbe aus einer auf Wissen und Erfahrung begründeten, gediegenen Zeit- und Menschenkenntniß gewonnen, „offen und ehrlich" auszusprechen und dieses deutliche Anschauungsbild der Welt von den Höhenpunkten aus zu zeigen, bis zu welchen die „Intoleranz des Unglaubens" im Judenthume auf dem Schlangenpfade unehrlicher Forschung und giftiger Böswilligkeit bereits gelangt sind. Die Vergangenheit und die Zukunft Israels — von ungläubigen Glaubensbrüdern denuncirt und von einem weltlichen Gerichte verurtheilt, müssen, — einmal so unwirsch aus dem Grabe der Vergessenheit geholt, in welches sie Materialismus und JndifferentismuS versenkt, für die Söhne der Gegenwart gerade hiedurch von ihrer geisterhaften Wesenlosigkeit immer mehr verlieren und ihnen beweisen, daß sie in das Reich des Lebens gehören, da sie im Reiche der Schatten, wohin sie der Unglaube der Zeit verwiesen, vor den Lehrern dieses Unglaubens keine Ruhe finden und ihnen keine Ruhe geben können. Die beiden Fragen, welche sich der Herr Verf. zum Vorwürfe gemacht, und die Beantwortung, die sie vor einem hohen K. K. Gerichtshöfe gefunden, waren und sind den gläubigen Israeliten ein bedeutsamer Wink, daß es Zeit sei, für .diese Lebensfragen des Judenthums mit der ganzen Kraft des Geistes, des Wortes und der That — mit dem Leben einzustehen, Verfasser hat diesen Wink verstanden und die Art, wie er seine Aufgabe löst, muß jedem offenen, ehrlichen Juden zur wahrhaftesten Freude gereichen, so wie sie ihm selbst zur Ehre gereicht. WaS der tiefste Ernst einer ehrlichen, rm O