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Der Israelit · 1864-06-29 · Heft 26 (29.6.1864) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 26 (29.6.1864)
Date
1864-06-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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35S gesetzt worden: als Vorsitzender: Herr Meyer Jungherz; als Mitglieder: dieHerren SchajaPrymes, Samuel Partner, Samuel Orgelbrand, Nathan Winawer, Pinkus Lothe; als Stellvertreter: die Herren Aron Sardyner, David Epstein, Pinkus Borowski. Vom früheren Vorstände ist blos Herr Nathan Winawer wiedergewählt, und gehörte dazu keinDeoinationsgeist, wenn ich in meinem vorigen Berichte vorhergesehen, daß es Herrn Moses Feinkind durchaus nicht gelingen würde, der ihm einmal entwundenen Gemeindewillkürherrschaft wieder habhaft zu werden. — Wenngleich der jetzige Vorstand nicht aus freien Wahlen entstanden, welche Maßnahme, wie wir gesehen, durch die ausnahmsweisen Verhältnisse der Gemeinde dringend geboten ward, so enthält er doch in seiner Mitte lebensfrische Elemente, und so leben wir der Hoffnung, daß er, der Wichtigkeit des ihm anvertrauten Mandats sich bewußt, fern von Ambitionsgelüsten, Sonderinteressen und Parteieinflüssen, im ern herrlichen Zusammengehen und Zusammenwirken, das Wohl der Gemeinde nach allen Richtungen hin befördern werde. -i. Afrika. Abestsyuien. In Bezug auf die Angelegenheit der Falascha's hat sich einer unserer Freunde an Herrn Rabbiner Joseph Schwarz in Jerusalem um Auskunft gewandt und uns die Antwort desselben mitgetheilt, deren Inhalt wir unser» Lesern nicht vorenthalten wollen. Nach der Ansicht des Herrn Rabbiners Joseph Schwarz sind die Falaschas gar keine Juden und werden nur von den Missionären als solche dargestellt, um durch die angebliche Bekehrung derselben die englische» Miffionsgesellschaften zu täuschen; Herr Or. Asche, Sohn des ehemaligen Rabbiners zu Prenzlau habe vor mehr als 10 Jahren eine Reise zur Erforschung der Falaichas gemacht und habe erkundet, daß dieselben gar keine Juden seien. Im Jahre 5616 sei ein Falascha mit seinem Sohne, einem Knaben von 13—14 Jahren, nach Jerusalem gekommen; dieselben waren von schwarzer Hautfarbe; sie hatten sich einige Zeit in Kairo aufgehalten und dort etwas Arabisch gelernt, so daß sie sich in dieser Sprache ziemlich verständlich machen konnten. „Ich wurde höchst unangenehm überrascht," schreibt Herr Rabbiner Schwarz, „da ich mich vollständig überzeugte, daß ich einen Nichtjuden vor mir hatte, an dem außer der Beschneidung nichts Jüdisches war, der nicht einmal die Worte pvw kannte oder sie je in seiner Heimath gehört hatte. Ich erfuhr abscheuliche Dinge von ihren Angelegenheiten; sie sind bx und haben einen Aberglauben, der an Götzendienst grenzt; es ist mir nach sorgfältiger Ueberlegung klar geworden, daß diese Nation gar nicht jüdischen Ursprungs ist; sie wissen weder von der mündlichen noch der schriftlichen Lehre Etwas, und ihre Gesetze, Sitten und Gebräuche sind ein Gemisch von denen der Juden- Christen und Muhamedaner; sie wissen zwar Etwas von Beschneidung und Sabbat; aber diese 2 Gesetze beobachten auch die sogen: Jakobiners eine christliche Sekte, welche in jenen Gegenden lebt. Die Falaschas behaupten, daß sie Abkömmlinge der Diener Salomos seien, die mit der Königin von Seba nach Afrika gingen. — Der Mann und sein Sohn aßen öfters an meinem Tische, sie wußten von keinem Segensspruch, noch vom Tischgebet Etwas, noch vom Händewaschen, und ich erlaubte ihnen natürlich nicht, meinen Wein zu berühren. Man brachte sie in die Synagoge, verschaffte ihnen Thalit und Thephilin, die sie früher nicht gekannt hatten, lehrte sie Kadlsch und Keduscha mitsagen. — Ich fragte den Vater, zu welchem Zwecke er hreher gekommen; er antwortete, man habe in seiner Heimath erzählt, es gebe im Lande des Nordens (jo bezeichnen sie Palästina) andere gelehrtere Juden; deßhalb wolle er seinen Sohn in der Thora unterrichten lassen, damit er nach mehreren Jahrm in seine Heimath zurückkehren und seine Landsleute in Thora und Mitzwot unterrichten könne. Man that alles Mögliche, um diesem seinem Wunsche zu genügen, versorgte seinen Sohn mit Kost und Wohnung und fing an, ihn in hebr. Sprache zu unterrichten. Einige Lage nach der Abreise seines Vaters war der Knabe verschwunden; nach langem vergeblichen Suchen fand man ihn in einem Kloster, wohin ihn die englischpreußischen Missionäre gelockt hatten. Der englischpreußische Bischof war nämlich mehrere Jahre vorher als Missionär in Abessynien thatig gewesen, und so war es demselben leicht gelungen, den Knaben für sich zu gewinnen. Meine Ansicht, daß die Falaschas Nichtjuden sind, theilt auch der Rabbiner von Kairo." — Wir haben in Bezug auf Vorstehendes nur noch zu bemerken, daß die Beweise uns nicht durchgreifend erscheinen. Aus der Unwissenheit der Falaschas, aus ihrer Unkenntniß der jüdischen Gesetze, mitten und Gebräuche, ja sogar aus ihrer dunkeln Hautfarbe läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit schließen, daß dieselben überhaupt keine Juden seien. Jedenfalls steht doch fest, daß die Falaschas sich selbst für Jude» halten, daß sie sich mit andern Nationen nicht vermischen, sondern durchaus abgesondert leben, daß sie an die Einheit Gotttes glauben, ihre Kinder beschneiden lasten und die jüdischen Sabbat- und Festtage beobachten. Auch läßt sich nicht wohl annehmen, daß Alles, Alles was die Missionäre über sie berichtet haben, vollständig aus der Luft gegriffen sei, wenn wir auch in viele ihrer Mittheilungen gerechte Zweifel setzen. Es wäre demnach sehr wichtig, zu erforschen, ob die Falaschas wirklich Juden seren oder nicht. Es

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