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Der Israelit · 1864-06-29 · Heft 26 (29.6.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 26 (29.6.1864)
Date
1864-06-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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35S Daß aber ein Vorstand, der dazu noch so pausbackig von seinen Verdiensten (?) um das religiöse Leben der Gemeinde in die Welt hinausschreit, es wagt, ein Gutachten in rein religiösen Dingen zu desavöuiren, weil die Matriken unter Aufsicht des Cultus-Vorstandes stehen, ist ebenso lächerlich wie plumpe, grobe Anmaßung. Da hätte die verehrten Herren Bauer, Rockensteins, auch die Bibel, Talmud und Poßkim, das ganze jüdische Schriftthum unter die vorsorgliche Obhut, Kontrolle und das Siegel des „Beamten" stellen müssen. Da aber die ehrw. Rabbinatsafsefsoren Gesetz und Recht im Kopf und Herzen tragen, so müßte der Vorstand zu größerer Sicherheit den großmüthigen Intentionen der „Neuzeit" Nachkommen und einen Rabbiner durch ihre Empfehlung inauguriren; so erst werden sie gewiß sein, daß keine rabbinische Erklärung über das Weichbild ihrer Gemeinde hinauskommen werde, die nicht die Billigung und Zustimmung des Vorstandes und Notärs von Oberstuhlrichter Gnaden gefunden. Dieses Wenige zur Zurückweisung des ungebührlichen Vorgehens des Vorstandes gegen das eigene ehrwürdige Rabbinat, daß aber derselbe sich wiederholentlich gegen ->n.-r rwn der beleidigendsten Ausdrücke bedient, ein um das andere Mal „famose" und wieder famose Rundschreiben mit lächerlicher Aufgeblasenheit sagt und die Würde der zu vertretenden Gemeinde bloßstellt, ist ein' nichtswürdige Frechheit. Als Correspondenten der „Neuzeit" wenn R. und B. zu der Beschäftigung Berufung und Neigung haben, können sie sagen, was sie wollen; aber sie haben kein Recht die Gemeinde zu kompromittiren. Bonyhad ist noch immer trotz Rockenstein und Bauer eine Haupt- und Mutierstadt in Israel und zählt Talmide Chachamim und Jereim zu ihren angesehensten Gemeindegliedern; Talmud Thora findet noch immer Wartung und Pflege, und frequentiren eine erkleckliche Anzahl ihren jungen Söhne verschiedene Jeschiboth. Aber lernen diese Bonyhader Bachurim bei den Gelehrten der „Neuzeit," schöpfen sie etwa rnpm bei den Hochmuts, Faßl's und Oppenheimers oder bei den Unterzeichnern des „famosen Rundschreibens?" Möge sich dieß der ehrsame Vorstand dito der vom Gemeindesäckel bezahlte Notar zu Gemüthe führen und sich künftig gegen die Lehrer und Wohlthäter der Thorajünger der eigenen Gemeinde etwas mehr Anstand befleißigen; — wir haben noch nie gehört, daß Fortschritt und Grobheit identisch seien. A. T. Rußland uud Polen. Aus Gupatoria wird einem russischen Blatte geschrieben: „Dieser Tage erhielt die hiesige Gemeinde der Karaiten ein Schreiben aus Jerusalem mit der Meldung, daß im südlichen Theile Mesopotamiens, in Jrak-Ärabi, und zwar in der uralten Stadt Sennur (iN"drr Gegend, wo" einst Babylon stand) eine KolüM von etwa 70 Israeliten beiderlei. Geschlechts bestehe, unter denen sich auch ein Nachkomme des JriÜeNkömgU Jojakim befinde. Die übrigen stammen von den Leviten ab. Sie wurden von der Bevölkerung des Landes schon öfters zum Abfall von ihrem Glauben genöthigt, doch vergebens. Um nun ferneren Verfolgungen zu entgehen, sandten sie zwei Abgeordnete zu dem in Jerusalem weilenden Alterthumsforscher Abraham Firkowicz, um von ihren Glaubensgenoffen, den Karaiten, eine Unterstützung von 30,000 Piastern zum Zwecke der Uebersiedlung nach Jerusalem zu erlangen. Später brauchen sie keine Hilfe, da sie Alle, die Weiber nicht ausgenommen, in der Erzeugung persischer Divans sehr geschickt sind." Warschau, den 20. Juni. Mein Bericht vom 24. April c.*) ließ allerdings die Vermuthung zu, daß durch die hier vor etwa zwei Monaten getroffenen Wahlen eines isr. Vorstandes eine Aenderung emtreten würde. Befremdend aber wird es Ihren Lesern sein, zu erfahren, daß ohne irgend welche Neuwahl größtentheils ganz andere Mitglieder von der Cultus- Commission ernannt wurden, als die ursprünglich aus der Wahlurne hervorgegangenen. Zur Lösung dieses- Räthssls ist nähere Kenntniß der hiesigen Zustände unumgänglich nöthig. — Die hiesige isr. Gemeinde besteht zum Theil aus Mitgliedern, die sich von Gemeinde- Angelegenheiten principiell fern halten, denen jeder dtaiu8 xuo in Communal-Sachen recht ist, — zum größten Theil aber aus solchen, die sich nicht einmal bewußt sind, was sie von ihren Mandataren zu fordern haben. Daher ist es einem jeden ehrsüchtigen Geldmanne, dem nur nicht besondere Antipathien entgegenstehen — Intelligenz ist Nebensache — ein Leichtes, durch das weltbekannte Medium Stimmen zu bekommen und das Weitere zu erzielen. Wie die Verwaltung in Händen solcher Vorsteher aussieht, ist leicht denkbar. So z. B. hat s. Z. die Aufhebung der Koscher-Steuer den Gemeinde-Vorstand in den Zustand der völligen Rathlosigkeit versetzt und ist bis dato für zweckentsprechende Deckung des durch Abgang dieser Einkünfte entstandenen Deficits nichts gethan worden. — Nicht minder werden unsere Angelegenheiten durch das Coteriewesen beeinträchtigt. Orthodoxie, Chassidismus und sogenannte Progressive: Alles will die Oberhand haben, Alles steht sich da feindselig gegenüber, wo Eintracht doch so Noth Lhut. Bei solchem Gebühren der Parteiungen ist für das Geeignetste erachtet worden, dafür zu sorgen, daß jede im Vorstande vertreten sei, und sind in der That von der Cultus Commission bestätigt und am 6. d. M. ins Amt *) Aus Versehen des Setzers wurde unter jenen Artikel die Chiffre „T!." statt „7r" gesetzt. Die Red.

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