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Der Israelit · 1864-06-29 · Heft 26 (29.6.1864) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 26 (29.6.1864)
Date
1864-06-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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350 Wirkens und seiner bewährten loyalen Haltung" zum Ritter des Franz - Joseph - Ordens ernannt worden. Herr Kallir hat zur Feier dieses freudigen Ereignisses 5000 fl. zu wohlthätigen Zwecken gespendet, von denen 500 fl. zum Besten des chr. Armenhauses bestimmt find. Pefth. Unlängst starb hier ein Glaubensgenosse, der zu den größten Sonderlingen gehörte. Wiewohl er sehr reich war — er hinterließ ein Vermögen von circa 400,000 fl. — so pflegte er sich niemals satt zu essen; Fleisch aß er nur an Sabbat- und Feiertagen, und auch da nur Abfälle, die er billig vom Metzger einkaufte; ebenso kaufte er nur altes, verschimmeltes Brod; sein Geiz erlaubte ihm nicht, sich zu verheirathen; alle häuslichen Verrichtungen, sogar die Wäsche, besorgte er selbst; auch seine Wohnung war höchst ärmlich; ein einziges Zimmer in einem kleinen Hause der Vorstadt. In seiner Heimath (Polen) lebten von ihm ein Bruder und eine Schwester. Sein Bruder, ein armer aber rechtlicher Mann suchte einst den reichen Geizhals auf, um ihn zu veranlassen, zur Ausstattung seiner Tochter etwas beizutragen. Da gab er ihm — 10 Gulden, mit dem Bedeuten, er solle sofort nach Hause zurückkehren Betrübten Herzens trat der Arme die Heimreise an. Bald nach seiner Rückkehr erhielt er einen Brief von Pesth, in welchem 1000 fl. eingeschlagen waren. Der Brief lautete : „Mein Bruder! Halte mich nicht für einen Menschen, in dessen Herzen die Bruderliebe erstorben ist. Die zehn Gulden, die ich dir hier gegeben habe, sollten Dir zum Reisegeld dienen, damit du zu Fuß gehest; denn hätte ich dir hier eine größere Summe gegeben, du wärest gewiß nach Hause gefahren und hättest so mein Geld unnütz verbraucht. Hiermit sende ich dir 1000 fl., die du zur Mitgift deiner Tochter verwenden magst. Suche dir zum Schwiegersohn einen braven Mann aus, der das Geld nicht verschwendet, welches ich im Schweiße meines Angesichts erworben und vermehrt habe." — Wiewohl er das Geld sehr liebte, so konnte er sich doch nicht entschließen, es auf Zinsen zu geben; um sich von seinem Mamon nicht zu trennen, ließ er ihn unbenutzt liegen. Als ihn einst Baron Sina auf das Unvernünftige seiner Handlungsweise aufmerksam machte, sagte er : „Die Sorge würde mich nicht schlafen lassen, wenn mein Geld nicht Nachts bei meinem Bette sicher aufgehoben wäre. Die vielen Ausgaben (!), die ich habe, machen mir so schon Kummer genug.—" Niemals nahm er eine Einladung an, aus Furcht, er möchte zu bessern Speisen Luft bekommen und dann der Versuchung, sie selbst zu kaufen, nicht widerstehen können. — In jüngster Zeit hätte er gern milde Stiftungen testamentarisch bedacht, scheute aber die Notariatskosten. Jetzt ist er plötzlich in einem Alter von 60 Jahren, vom Schlage gerührt, gestorben, gerade, da er im A r m e n badehause zu Ofen ein Bad nehmen wollte. (Mewasser.) Rußland und Polen. Wloclawee. Einem jüdischen Manne in Jebica gebar dessen Ehefrau Zwillinge. Kuf ärztliches Anrathen wurde für das eine Kind eine polnische Amme bestellt, weil die Nahrung der Mutter für beide Neugeborne nicht ausreichte. Es mag nun dahingestellt sein, ob der Vater dieser Kinder mit diesem Frauenzimmer, das die Nothwendigkeit ihm ins Haus getrieben, in irgend ein unsittliches Verhältniß getreten war oder nicht, — so viel steht fest, daß derselbe dieser Amme wegen von Seiten seiner Glaubensgenossen manchen Vorwurf, wenn nicht Spott zu ertragen hatte. Aerger und Kummer mochten ihn bewogen haben, hiernächst dem Glauben seiner Väter zu entsagen. Zu diesem Entschlüsse konnte auch der übermäßige Genuß von Spirituosen ihn verleitet haben. Ein russischer Kapitän wußte sich diesen Umstand wohl zu Nutze zu machen: er veranlaßte den Mann, mit seinen beiden Kindern — einem 9- und einem 3jährigen — sich taufen zulasten, worauf der letztere auch einging. An demselben Tage aber/an welchem der Tauiact vor sich gehen, und der Vater mit seinen beiden Kindern zu dem genannten Kapitän sich begeben sollte, versteckte die Mutter wohlweislich das ältere Kind, und dieses war und ist trotz allen Suchens des wuthentbrannten Kapitäns bis heute nicht aufzufinden. Racheschnaubend wendet sich der gestrenge Herr an den Rabbiner: er bedroht ihn mit Gefängniß, wenn durch ihn die Frau nicht bewogen wird, das andere Kind herauszugeben. Der edle Rabbi verweigerte natürlich, was ihm Pflicht und Gewissen zu thun untersagt.Mr wird ins Gefängniß abgeführt und sitzt heute noch in demselben. Wie man hört, haben sich die betreffenden Personen hinsichtlich dieses Glaubensmärtyrers bereits beim Fürsten Wittgenstein verwendet, und soll der Arrestant bereits, freilich gegen eine bedeutende Kaution, ad interim freigelasten sein. (Kuj. Wochbl.) Hierzu eine Beilage. verantwortliche Redaktion: vr. Lehman». — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhanblung. — Dampffchrrellpreffendruck von 2. SottSlebe» in Main».

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