Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1864)
- Date
- 1864-06-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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349 des Innern hat in seinem Erlasse v. 30. Okt. 1860, Z. 32260, an die Statthalterei in Agram die Zulassung der Juden zu den Ortsgerichten anerkannt, obwohl ihrer in dem Gesetze über die Ortsgerichte nicht ausdrückliche Erwähnung geschah. So haben die Behörden in der uns bekannten Periode die Gesetze gehandhabt, nirgends finden wir auch nur eine Andeutung des Grundsatzes: Huoä non liest probilntum sst." Wien, den 20. Juni. Wir glauben mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, daß Sie, geehrter Herr Redacteur, sowie noch viele Andere der 166 Un-» terzeichner des bekannten Protestes nicht allein gegen die Schmähungen und Beschimpfungen der hiesigen schmachbeladenen „Neuzeit" gleichgiltig sind, sondern daß Ihnen sogar die Schmähworte derselben für die Angegriffenen ehrenvoll und erfreulich erscheinen. Da aber doch immerhin einige jener Herren gegen jenen Hohn und Spott, jene Schmähung und Lästerung empfindlich sein mögen, so halten wir es für angemessen, dieselben daraus aufmerksam zu machen, daß sie es nicht allein sind, die den Haß und die Wuth der Helden der „Neuzeit" auf sich gezogen haben, sondern daß sie sich in höchst ehrenwerther Gesellschaft befinden. In der jüngsten Nummer der „Neuzeit" ist cs König Davids der Ruhm und der Stolz unseres Volkes, ^2212-1 '>'21 der heilige Sänger der Psalmen, der Mann nach dem Herzen Gottes, der sich die entsetzlichsten Schmähworte gefallen lassen muß, der als „verbrecherischer Eheschänder", als „Heuchler" ec. bezeichnet wird. Wahrlich, die Prophezeiung des Propheten Nathan (2. Saul. 12, 14.) : „Weil du den Feinden des Ewigen zum Lästern Anlaß gegeben" ist in Erfüllung gegangen! Jeder, der das geschriebene Wort Gottes mit Aufmerksamkeit liest, wird schon daraus, daß der Schwerpunkt des Erzählten in den Umstand gelegt wird, daß David den Feinden Gottes zum Lästern Anlaß gegeben habe, erkennen, daß die Sache nicht so einfach zu nehmen, wie sie in der Bibel dargestellt wird; und so sagen denn auch unsere Weisen i2x.-i d2 .-ipiu -Sx rNl-? nm Jeder, der da meint, David habe gesündigt, ist in einem Jrrthume befangen; denn Uria hatte, wie alle Krieger des David'schen Heeres, ehe er in den Krieg zog . seiner Frau einen Scheidebrief geschrieben, so daß Bathseba kein Eheweib mehr war, Uria selbst aber hatte-sich gegen seinen Herrn empört und deßhalb den Tod verdient. (Siehe die ausführliche Auseinandersetzung Sabbat 56.) Daß auch Bathseba, die Stammmutter der jüdischen Könige, von den Helden der „Neuzeit" zu einer „Heuchlerin" gestempelt, „ehrvergessen, ehebrecherisch" ec. genannt wird, darf wohl Niemand in Verwunderung setzen. — Uns aber'erscheint solches Gebühren ebenso ekelhaft, wie sündhaft. — Den ehrwürdigen Unterzeichnern des bekannten Protestes kann es nur angenehm sein, in derselben Weise, wie König David, behandelt zu werden. Was aber sagt Herr Rabbiner Horowitz zu solchen Verteidigern? Wien, im Siwan. Jemehr ich in letzterer Zeit genöthigt war, Ihnen von hier aus mehr oder weniger schmerzliche und aufregende Berichte zukommen zu » lassen, um so freudiger beeile ich mich jetzt, um eine edle, ihres hochherzigen Urhebers so würdige ThaL zu constatiren und wenn auch nur mit verhältnißmäßig wenigen Worten, zur Kenntniß Ihrer Leser zu bringen. Der Herr Verwalter des israel. Spitales hierselbst, Herr I4e. U. B. Wölfl er, ein Mann, der nicht nur bei Denjenigen, welche dort Aufnahme und Behandlung finden, sondern auch bei den vielen, vielen Anoereu, welche theils im allgemeinen Krankenhause, theils in Privatanstalten Unterkommen und Hilfe suchen, seit einer großen Reihe von Jahren durch Rath und Th e t, durch die opferfreudigste Tbätigkeit, durch die unermüdlichste Energie, durch Bitt n und Sammeln für Arme und Leidende allgemeine Anerkennung, resp. Dankbarkeit sich erworben und gesichert hat; dieser edelmüthige Menschenfreund hat sich auch seit etwa zwei Jahren ein seiner höchst würdiges Denkmal gesetzt. Ihnen und allen Ihren Lesern wird die große Bedeutung unseres alten Wiener Beth-Hachajim wohl bekannt sein, in die Zeit tief hineingreifend, in welcher die xrn '22H, jene gewaltigen Heroen unserer religiösen Wissenschaft, florirten. Jener hochberühmte „Gutort", der schon seit einer Reihe von Jahren aus sanitätspolizeilichen Gründen unbenutzt geblieben, hat wahrlich nicht nur für Freunde der jüdischen Geschichte und Alterthuniskunde, nicht nur für Genealogie und Stammbaumswissenschaft, sondern auch für jedes wahrhaft religiöse Gemüth eine unsäglich große Bedeutung. Nun, der Zahn der Zeit nagte schon sehr lange, wenn auch nicht an den unsterblichen Männern, deren Hülle jener Raum birgt, doch an den Gräbern selbst und ganz besonders an den Grabsteinen. Nur noch wenige Decennieu, und es wäre vielleicht nicht einer dieser so wichtigen Steine und Docnmente zu entziffern gewesen. Herr 14i. Wölfler hat nun vor ungefähr zwei Jahren bei der löbl. Chewra-Kadischa den dringenden Antrag gestellt, durch Uebertünchung sämmtlicher Grabsteine des alten BetkpHachajirn deren bedeutungsvolle Daten uns und der Geschichte zu erhalten, welchem Anträge auch bereitwilligst willfahrt wurde, in Folge dessen schon seit zwei Jahren dieses Heiligthum Gesammt-Jsraels wie verjüngt erscheint. Brodi, den 17. Juni. Der hiesige Großhändler, Herr Mayer Kallir, Präsident der Handels¬ und Gewerbekammer ist von Sr. Majestät dem Kaiser „in Anerkennung seines vieljährigen verdienstvollen