Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1864)
- Date
- 1864-06-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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345 Jahrhunderten, habt ihr die Kinder Israels vernichten können? Nein, nein, ungeachtet der Folterungen, ungeachtet der Henker haben sie sich vermehrt, indem sie ihre erhabene Bestimmung erfüllten. (Beifall.) Niemals waren sie zahlreicher. „„Wissen Sie,"" sagte im Jahre 1831 Abä Gregoire, jener würdige Prie ster, welcher zuerst Worte des Wohlwollensund der Liebe für die Juden hören ließ, zu mir, „„mistenSie, daß unsere Statistik nachweist, daß es 6 Millionen Juden gibt? Sechs Millionen! Ihr habt diese Zahl niemals erreicht, selbst dann nicht, als Ihr in den schönsten Zeiten Euerer Geschichte eine blühende Nation wäret."" Ueberall verstoßen, überall verfolgt, lebten die Juden inmitten von Beleidigungen; der gewaltsame Tod decimirte sie vergeblich; sie wurden aus der Asche der Scheiterhaufen wieder geboren, unsterblich auf dieser sterblichen Erde: das kam daher, weil sie nur einen Gott hatten, weil man aus ihrer immer entfalteten Fahne jenes erhabene Vekenntniß las: Höre, Israel, der Herr, dein Gott ist einer! (Die lebhaftesten Beifallsbezeugungen unterbrechen den Redner.) Aber auch, meine Herren, welche Herrlichkeit zeigt sich in dein Worte, und welche Majestät in dem Gedanken, daß Gott Sich Selbst verkündet vor dem Angesichte Seines Volkes! Hören Sie diese göttliche Sprache; lassen Sie mich sie zuerst Ihnen in den heiligen Lauten verkünden: ^^.-7 -7 Ich bin der Herr, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Lande Aegypten; Ich habe abgeschafft deine Sklaverei; Du sollst nicht andere Götter haben vor Meinem Antlitze! Das ist das jüdische Volk, das seine Religion in diesen 3 Worten des Ewigen; „Ich habe dich aus dem Lande Aegypten geführt;" d. h. ich mache dich zu einer Nation; . > „Ich habe abgeschafft deine Sklaverei;" d. h. ich habe dich gemacht zum Menschen, ich mache dich frei. Die Abschaffung der Sklaverei! Der Sklave wird frei! Die Sklaverei abgeschafft durch den Mund Gottes! Welche Lehre für die Menschen! Ach, verzeihen Sie mir, verzeihen Sie mir eine Erinnerung der höchsten Freude und des reinen, ungemischten Glückes: ein Tag ist mir geschenkt worden, mir, ja mir, dem Sohne Israels, mir, dem Mitgliede der provisorischen Regierung, an welchem ich diese heilige Vorschrift erfüllen konnte; ich habe abgeschafft die Sklaverei! (Donnernder Beifall erfüllt den Saal; der Redner hält einige Minuten inne, während die Beifallsbezeugungen anhalten; dann fährt er fort:) „Du sollst keine anderen Götter haben vor Meinem Antlitze!" „Mo Gott allein, Gott einzig!" ' Nationalität , Abschaffung der Sklaverei, Einheit Gottes — Alles ist da. Viertausend Jahre, nachdem jene 3 Worte auf dem Berge Sinai verkündet wurden, faßt sich das Streben unseres gegenwärtigen Jahrhunderts in jene 3 Worte zusammen: Nationalität, Abschaffung der Sklaverei, Einheit Gottes . . . (Neuer und rauschender Beifall.) Und welches Gesetz ist das Gesetz vom Sinai! Suchet nach in allen heidnischen Gesetzgebungen, bei allen Völkern der Welt, selbst bei den größten: den Griechen, den Römern; Nichts ist so schön, wie der Dekalog (die Zehngebote): „du sollst nicht tödten, nicht stehlen, keinen Ehebruch begehen, keinen falschen Eid leisten!" Einfache Aussprüche, welche beschützen das Leben des Menschen, seine Habe, den Frieden seines Hauses, die Reinheit seines Gewissens. Und diese köstliche Sittenlehre: „Es soll dich nicht gelüsten nach dem Weibe deines Nächsten , nicht nach seinem Diener, nicht nach seiner Dienerin, nicht nach seinem Ochsen, nicht nach seinem Esel, noch nach Allem, was deinem Nächsten gehört!" Und diese rührende, diese hinreißende Empfehlung: „Ehre deinen Vater und deine Mutter!" Die Belohnung folgt unmittelbar; „damit du lange lebest auf dieser Erde." In der That, wer seinen Vater und seine Mutter ehrt, findet in diesem süßen Gefühle ein süßes Dasein, ein Dasein, welches sich verlängert im Glück. Und wie haben wir diese Vorschrift befolgt! In allen Zeiten hat man die Einigkeit der jüdischen Familien als Mutter angeführt. Wie könnte es auch wohl anders sein? Die Natur schreibt uns diese köstliche Einheit vor, und Gott befiehlt sie uns. (Langanhaltender Beifall.) Das ist das Gesetz, welches einst das Gesetz des ganzen Weltalls sein wird; alle positiven Religionen haben es angenommen von diesem kleinen Volke, dessen Wiege in einem Winkel Asiens stand. Die Bibel ist überall; ihre Sittenlehre wird die Sittenlehre aller Völker, die für die Civilisation empfänglich sind. Die jüdische Religion ist die Mutter der Religionen, welche die Civilisation ausbreiten. Man fragt sich: wozu und warum diese gehässige Verfolgung? Wie es Ihnen eben in einer rührenden Sprache ein würdiger protestantischer Pastor, der hier anwesende Herr Vetavel, gesagt hat, wirft man sich als ein Verbrechen vor jenen Jahrhunderte währenden Haß, in Folge dessen 10 viel unschuldiges Blut vergossen worden ist; man erkennt an, daß im Busen der mosaischen Religion all diejenigen Religionen entstanden sind, die sich vor der Einheit Gottes beugen. Da das Licht erscheint, beginnt die Reue über das Vergangene. Welches ist aber das Volk, das da zum Führer jenes himmlische Licht nimmt? Der schwächste, der kleinste Theil des menschlichen Geschlechts. Wie viele