Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1864)
- Date
- 1864-06-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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3S8 zählte dann, ohne weitere Unterbrechung, was zu erzählen er für gut fand. Der streitsüchtige Kampfer, fährt er in seinem Berichte fort, und viele unsrer Zuhörer begleiteten uns eine Strecke unseres Weges, und ehe wir weggingen, lud ich unseren unvernünftigen Wideriprecher ein, mich in Genda zu besuchen, was er bereitwillig zusagte." „Wir folgen zunächst der Expedition nach Hoh Aibalash, wo, sogt der Missionär, wir Halt machten. Ein alleinstehender schattiger Baum außen vor dem Dorfe bot einen ganz einladenden Zufluchtsort vor den brennenden Sonnenstrahlen. Wir benützten freudig dieses angenehme Obdach, theils um unsere Thiere ruhen zu lasten, theils um uns mit den Falaschas zu unterhalten, welche, von dem Augenblicke an, wo sie uns herbrikommen sahen, die gewöhnliche Reihe gedankenloser Grüße uns entgegensandten. Wie bei allen andern Gelegenheiten vermied ich auf ihre eifrigen Erkundigungen durch Anrufen des ländlichen Namens der Gottheit zu antworten, und anstatt der ermüdenden nichtssagenden Phrasen, begann ich Fragen über ihre religiöse Meinungen an sie zu richten. Einer von ihnen, der am Meisten unterrichtete unter den Dreißig, welche von verschiedenen Richtungen nach diesem Platze hmgezogen worden waren, sagte mit sanft einschmeichelnder Stimme, die gewöhnlich die mehr stürmischen Diskussionen ankündigt: „Ihr sagt uns: Das Lhristenthum ist wahr, und die Beweise, die ihr anführet, beweisen das, was ihr behauptet. Gesetzt nun, wir nehmen an, was ihr predigt, werden wir alsdann mit eurer Kirche vereint, oder werden wir mit den götzendienerischen Amharas (eingeborenen Christen) vereinigt werden?" Nicht im Geringsten unangenehm überrascht durch diese eigenthümliche Frage antworteten wir in ähnlich freundlicher Weise, daß wir nicht nach Abeffynien gekommen wären, um die Doktrinen irgend einer besonderen Kirche zu lehren, sondern lediglich um den Stifter der christlichen Kirche zu verkündigen, und wenn sie davon überzeugt wären und diese Wahrheit annähmen, so läge uns sehr wenig daran, wo sie getauft würden, so lange sie den heiligen Geist — das Siegel ihrer Bekehrung und den Anspruch auf alle Verheißungen des Evangeliums hätten. „Ah," erwiederten sie unmittelbar darauf, „ihr weicht aus, uns eine direkte Antwort zu geben". Das Lhun wir nicht, era lederten wir; aber wir wiederholen, daß die Taufe allein euer Heil nicht begründen kann, sogar noch mehr, wir sagen euch, daß die bloße Aufnahme eines heiligen Gebrauches in der Kirche der Amharas noch keine Übereinstimmung mit ihren abergNribigen Meinungen in sich schließt, uud wenn ihr an unseren Worten zweifelt, so geht hin zum Abona und fraget, ob er uns ersucht hätte, etwas Anderes zu lehren, als was im alten und neuen Testament enthalten ist." Wir wären begierig zu wissen, was der Erzbischof von Canterbury dazu sagen würde, wenn ein Geistlicher in England predigte, daß ein Jude zur römischen Kirche übertreten könne, und daß diese Handlung keine Uebereinstimmung mit derselben in sich schließe. Der wahre Sachverhalt ist: diese Bekehrungen sind ein reiner Schwindel; denn den Bekehrten ist es nach dem Landesgesetze nicht gestattet, in eine andere, als die errichtete Landeskirche einzutreten. Aus dem ferneren Berichte der Missionäre ist klar ersichtlich, daß die Staatsgewalt gegen die religiösen Gebräuche der Falaschas von ihnen in Anspruch genommen wurde, da der König die gewohnte« Opfer verboten hat. Unsere Leser werden sich erinnern, daß seitdem dieser Bericht geschrieben wurde, die Nachricht nach England gelangte, daß derselbe Bekehrer Stern bei dem Könige Theodor in Ungnade fiel, daß er gepeitscht und ins Gefängniß gesetzt wurde, während sei» Missionsgefährte die Erlaubniß zur Abreise erhielt. Hoffen wir, daß die armen Falaschas jetzt irr Ruhe gelassen werden, und daß die Bekehrten, die er unter der götzendienerischen Amharahenkirche durch Täuschung oder Schrecken gemacht hat, die Erlaubniß erhalten, zur Religion ihrer Väter zurückzukehren. Aizs Algerien fehlen alle weiteren Nochrichten. Dagegen scheinen jetzt auch in Marokko lluruhen ausbrechen zu wollen. Der Abend-Moniteur rrmgt daüber Folgendes: „Sir Moses Montefiore, der berühmte englische Jude, der sich vor einiger Zeit nach Marokko begab, um den Sultan Abderame zu bestimmen, das Schicksal seiner Glaubensgenoffen in diesem Lande zu verbessern, hat bekanntlich einen Ferman erhalten, der den Juden die gleichen Rechte gewährt, wie den Muselmännern. Die so liberalen Concessionen haben unglücklicher Weise auf mehreren Puncten den Fanatismus der Bevölkerungen wachgerufen, und es ist zu befürchten, daß die Emancipation der Juden ernste Complicationen herbeiführt. Die Nachrichten aus Tanger melden, daß in Fez, Mcquinez und anderen Orten des Innern bedauernswerthe Scenen vorgefallen sind, und daß abermals eine heftige Reaction gegen die Israeliten von Marokko auszubrechen droht." Tunis, 1t. Mai. Abends. Soeben erhalte ich folgende detaillirte Nachricht über die Plünderung von Neb4l. einem zwischen Tunis und Susa gelegenen kleinen Ort, welcher größtentheils von Juden bewohnt ist. Am 9. d. kamen des Mors ns um 10 Uhr ungefähr 40 Araber mit Kamelen und Eseln nach Nebel. Zwischen diesen und einem Juden, der ihnen nichts mehr auf Cr.dit verkaufen wollte, wie er bis dahin immer