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Der Israelit · 1864-06-22 · Heft 25 (22.6.1864) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 25 (22.6.1864)
Date
1864-06-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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336 Versammlung ihm auch ihren Dank und ihre Anerkennung ausdrückte. Der Antrag, an Sir Moses Montefiore und an Sie, verehrter Herr Redakteur, telegraphische Grüße zu senden,*) fand begeisterte Aufnahme, und ohne Aufforderung lag nach einer Minute mehr als der dreifache Betrag der Kosten auf dem Präsidententisch. Man trennte sich, nachdem ein Counts zum weiteren Betriebe der Angelegenheit ernannt worden war, mit dem Bewußtsein, ein gutes Werk gefördert zu haben, und ein silberhaariger Greis sagte, meine Hand zum Abschied drückend : Jetzt werde ich sanft mein Haupt m die Erde legen, '->nn 'N nachdem ich gesehen, daß auch in Württemberg das Judenthum noch lebt. Ja, es lebt, es bedarf nur der Pflege, und diese werden wir treulich übernehmen. — Hamburg. Die „Reform", eine hiesige Zeitung, berichtet Folgendes: „Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns F. in der Peterstraße heirathete eine Christin. Die Geburt eines Sohnes beglückte die Eheleute, und sollte auf vieles Bitten der Großeltern der Neugeborne durch die Beschneidung in das Judenthum ausgenommen werden. Doch ein großes Hinderniß stellte sich dem entgegen auf, es wollte kein hiesiger Mauhel (so heißen die Männer, welche die Ceremonie der Beschneidung vollziehen) die Beschneidung ausführen. Alle aufgewandte Mühe blieb vergebens, der Rabbiner stellte sich auf Seite der Beschneidungs-Beamten, und schon war Aussicht vorhanden, daß der kleine Weltbürger, anstatt Jude, durch die Taufe Christ geworden wäre, als plötzlich die verzweifelten Großeltern auf ein Hülfsmittel fielen. Es wurde von auswärts ein Mauhel verschrieben, welcher am Mittwoch voriger Woche eintreffen wollte. Die berühmten jüdischen Butterkuchen wurden hergerichtet, die Gäste geladen; doch wer nicht kam, war der Beschneider. Eine Krankheit hielt ihn zurück. Am Sonntag nun endlich ging die Ceremonie von Statten, trotz der Opposition des hiesigen Rabbiners und der Mauhelschaft. (Wir können das Verfahren des Herrn Rabbinen und der Hamburger Mauhalim nur billigen; denn da das Judenthum eine Ehe zwischen Juden und Nichtjuden nicht anerkennt O'ODm i'-r), so richtet sich das Kind nach der Mutter, ist also kein Jude und wird durch die bloße Beschneidung «vi vOw -iH Zncht ein solcher; sollte aber auch eine vollständige Proselyten - Aufnahme (i"2 '222 ^) *) Wir ergreifen diese Gelegenheit, der verebrlichen Versammlung hiemit unsren herzlichsten Dank für die freundliche Aufmerksamkeit zu sagen; möge der allgütige Gort ihrem eifrigen Streben eine gedeihliche Entwicklung verleihen und dasselbe mit Seinem erhabenen Segen krönen. Die Redaktion. stattsinden, so ist doch bei einer solchen Ehe keine jüdische Erziehung zu erwarten. Das Judenthum will aber keine Proselyten um jeden Preis. — Würde eine echt jüdische Erziehung in Aussicht stehen, so hätte sich sicherlich der Herr Rabbiner der Beschneidung nicht widersetzt. — Red.) Preußen. Berlin, 8. Juni. Es ist hier ein vorläufiges Comit«, zu welchem die Herren Or. Badt, I. Bamberger, I. T. Goldberger, A. H. Heymann, B. Liebermann gehören, zusammengetreten, welches sich die Aufgabe gestellt hat, für die Cölonisirung Palästi n a's durch jüdische Bewohner zu wirken. Nächstens wird eine Generalversammlung berufen. Frankreich. Paris. Unter den Lehrern des jungen Napoleon. des Kindes von Frankreich, befindet sich ein Lehrer jüdischen Bekenntnisses, und zwar Herr Koralek, ein geborner Böhme, der vor etwa 15 Jahren nach Paris gegangen ist, um als Commis in einem Geschäfte unterzukommen. Arago, der berühmte Astronom, hatte in diesem jungen Manne ein mathematisches Genie erkannt und ihn derart unterstützt, daß derselbe in kurzer Zeit Professor am Polytechnikum ward. Herr Koralek ist streng Jude, so daß er am Samstage nicht unterrichtet, weil er nicht schreiben will.— In dem von der französischen Kaiserin gestifteten Humanitären Verein „Prince imperial" sagte sie zu den Vorstehern desselben folgende denkwürdigen Worte: Mit Befriedigung sehe ich die Vertreter der verschiedenen religiösen Bekenntnisse hier vereint. Eine solche Vereinigung bürgt mir dafür, daß ein wahrhaft menschliches Unternehmen keinen Unterschied der Religionen anerkennen kann, und selbes in der allgemeinen Liebe sein Gedeihen finden wird. Paris, 1. Juni. Die Conserenzen wegen des Zustandekommens eines Handelsvertrages zwischen Frankreich und der Schweiz sind seit einigen Tagen wieder ausgenommen worden, nachdem der schweizerische Gesandte Herr Kern neue Instruction erhalten hat. Bekanntlich wurden diese Unterhandlungen bereits einmal abgebrochen, weil sich Frankreich weigerte, jenen Bestimmungen, durchweiche den Israeliten in der Schweiz gewisse Beschränkungen gegenüber den christlichen Handelsleuten auferlegt wurden, seine Zustimmung zu erlheilen, indem es die völlige Gleichstellung der Konfessionen auch auf diesem Gebiete durchgeführt wiffen will. Hierzu eine Beilage. vera»twortlichr Nedaktto»; D». Lehma»»- — Verlag der Le vosx'sche» Hofb»chha»dl»»g. — Dampfschnellpreffendruck von I. GsttSlebkll ln Mainz.

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