Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1864)
- Date
- 1864-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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634 imngen rc., durch welche die Annahme ausländischer Israeliten in den Gewerbetrieb, in geistliche Aemter rc. noch immer wesentlich beschränkt ist, und fordert dringend die Aenderung eines solchen der Emancipation der Juden völlig widersprechenden Zustandes. In ähnlichem Sinne sprachen Denhard und Trabert. Ersierer bezeichnte die jetzigen Zustände in Betreff der Annahme ausländischer Juden als solche, für die ein parlamentarischer Name fehle -. Letzterer mahnte an beschleunigte Einführung der Gewerbefreiheit rc. Der Antrag Falkenheiners wurde in Erwägung gezogen und dem Rechtspflegeausschuß überwiesen. Hannover, 13. Juni. Unter den Israeliten regt es sich, um die durch die Octroyirung vom i.Aug. 1855 verlorene Fähigkeit, Mitglieder der allgemeinen Ständeversammlung zu werden, zurückzuerhalten. Es sind Eingaben an die Ständeversammlung in diesem Sinne von den Synagogengemeinden Hildesheim und Lüneburg bereits eingegangen; in Harburg wird eine solche vorbereitet. (Z. f. N.) Bon der Saale. War der Tod von gerechten und frommen Männern in Israel zu allen Zeiten der Gegenstand höchster Trauer und Bestürzung, so muß er dies in unserer Zeit ganz besonders sein, in einer Zeit, wo derartige Lücken wie noch nie fühlbar sind. Solche tiefe Trauer und aufrichtige Bestürzung gab sich kund bei dem am Sabbat Paraschat Behar erfolgten Tode unseres verehrten Herrn Distrikts-Rabbiners Or. Gabriel Hirsch Lippmann Schon längere Zeit körperlich leidend, trug auch der Tod eines vielgeliebten Sohnes dazu bei, daß das theure Leben dieses frommen Mannes so früh endete. Die Beerdigung desselben fand Tags daraus unter großer Beiheiligung aus Nah und Fern zu Kissingen statt. Die allgemeine Trauer, welche sich um den Dahingeschiedenen kundgab, legte das beste Zeugniß ab, welche hohe Achtung der Verewigte in seinem Leben genoffen. Derselbe erreichte nicht ganz das Alter von 59 Jahren! An seinem Grabe sprachen Worte der Trauer, außer dem Herrn Distrikts - Rabbiner Nürnberger aus Würzburg, dem intimen Freunde und Gönner des Verblichenen, noch die Herren Distrikts-Rabbiner von Niederwerren und Bamberg, sowie Herr Rabbinats-Cand. und Vorsänger Berg aus Kissingen. Muß ich es nun gleichwohl einer geübteren Feder überlassen, eine eigentliche Biographie des Verewigten zu schreiben, so kann ich dennoch nicht unterlassen, zu erwähnen, daß der Betrauerte dem orthodoxen Jndenthmne mit Herz und Seele angehörte. In Herrn vr. Lippmann hat daher nicht nur unser Kreis einen tüchtigen Seelenhirten, sondern auch das orthodoxe Judenthum einen würdigen Vertreter verloren. Herr vr. Lippmann war namentlich in frühern Jahren auch als Schriftsteller thätig; so edirte derselbe u a. mehrere Schriften Aden Esra's und versah dieselben mit trefflichen Commenlarien. Der Verblichene war ein Schüler des weltberühmten Rabbi Wolfs Hamburg zu Fürth, und wirkte früher auch mehrere Jahre als Prediger und Lehrer zu Aurich. Möge das Andenken des Frommen uns immer unvergeßlich bleiben, bis sich erfüllet ravri pd2l Ans Württemberg. Der Telegraph hat Sie bereits von der Versammlung zu Hohenbuch- Waldenburg in Kennlniß gesetzt; hiermit möchte ich Ihnen darüber näher berichten. Nach fast einem Jahre saurer Arbeit und aufregenden Kampfes kann ich den 2. Sivan d. I. als einen der glücklichsten Tage meines Lebens in mein Tagebuch schreiben; denn diese Versammlung ist sowohl durch ihren würdevollen Verlauf, als durch das Ergebniß ihrer Berathung ein gelungener Vorgang, dessen Früchte für unsre heilige Sache nicht ausbleiben werden. Nachdem am Vorabend die Laune der Witterung einige Beiorgniß einflößte, ging die Sonne am Morgen prächtig auf, an den Midrasch erinnernd, der die Erlösung mit dem klein hervorbrechenden und allmählich zu unwiderstehlicher Macht erstarkenden Morgenlicht vergleicht. Die fernsten Gäste waren von Ulm und Stuttgart gekommen, diesen gesellten sich in Besigheim die Freudenthaler bei, von Heilbronn an trafen fast auf jeder Station neue Zuzügler ein, so daß zuletzt der Wagen beinahe nur von Jehudim angefüllt war. An Ort und Stelle gelangt, fanden wir liebe Freunde aus dem Kocher-, Jaxt- und Tauberthale. Es waren ohngefähr 50 Männer, darunter etwa 30 Vorsteher anwesend. Nach kurzer Vorberathung der bisherigen Leiter ward die Versammlung durch Herrn S. Levy in Stuttgart im Namen der Einladenden mit schönen Worten bewillkommt. Wie das Fest, das wir im Laufe dieser Woche feiern, sagte er, uns erinnert, daß die Befreiung vom Sklavenjoche erst dadurch ihren wahren Werth erhielt, daß s.->2 die geistige Freiheit brachte, so sei auch die politische Emancipation von untergeordneter Bedeutung, wenn ihr nicht die religiöse Befreiung folget. Die religiöse Freiheit aber, nach der wir streben, das sei die Gottesknechtschaft, die man in jüdischen Kreisen, 2'vr? bezeichne. Hierauf wurde Herr Levy einstimmig zum Vorsitzenden, und Herr Kaufmann Lazar Berlinger aus Berlichingen zum Schriftführer gewählt, und alsbald die Verhandlungen über die ausgestellten Thesen begonnen. Zu meinem Bedauern bin ich in Folge eines Mißverständnisses nicht im Besitze der Protokolle, ich habe dieselben zum Behufe einer Abschristnahme in Freundeshand zurückgelaffen und bis heute nicht wieder erhalten, darum kann ich Ihnen nur die materielle, nicht die wörtliche Treue