Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1864)
- Date
- 1864-06-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447166--02697-2458049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
330 D. anders geworden. Die, so es treu meinen mit dem Glauben und dem Gesetze, find zum Bewußtsein gekommen; sie haben die Ueberzeugung erlangt, daß nicht Seufzen und Klagen die Religion retten kann, sondern Handeln und thätiges Einschreiten; man hat angefangen, für die Religion Opfer zu bringen, Separatgemeinden da zu bilden, wo das Gewissen durch Majoritäten unterdrückt werden sollte, Schulen zu gründen, in denen der Geist des echten Judenthums waltet; man hat damit begonnen, die bis dahin von den Gegnern ausschließlich eingenommene Oeffentlichkeit, die Presse, und zwar in deutscher, allgemein verständlicher Sprache, dazu zu benutzen, die Lügen und Verleumdungen der Gegner als solche darzustellen und zurückzuweisen, man hat angefangen, die Lehren unserer heiligen Religion, ihre Gesetze, Lehren, Sitten und Gebräuche bis in ihre kleinsten Verästelungen der Wahrheit gemäß darzustellen, sie gegen alle Welt, gegen jeglichen Angriff zu vertheidigen, sie vor Lüge und Entstellung zu schützen; bei verschiedenen hochwichtigen Gelegenheiten haben sich die gesetzestreuen Rabbinen zu gemeinsamer Thätigkeit, zu gemeinsamer Belehrung zusammengefunden; das erweckt nun den Haß und die Wuth der Gegner und treibt sie auf's Aeußerste; daran gewöhnt, verletzen zu dürfen, ohne Widerstand zu finden, schmähen, lästern, verunglimpfen zu können, ohne ein Wort der Entgegnung zu hören, zu verhöhnen und zu verspotten, ohne auch nur das geringste Lebenszeichen von unserer Seite befürchten zu brauchen, schäumen sie jetzt vor Wuth, da das Alles nun vorbei ist, da die gesetzestreuen Israeliten bereit sind, den Kampf aufzunchmen und ihre gerechte Sache gegen Jeden fest und unerschütterlich zu vertheidigen. Jetzt werden wir, die wir das Erbe, nicht dreier Generationen, sondern das Erbe dreier Jahrtausende uns erhalten wissen wollen, als Friedensstörer und Zänker bezeichnet; man entwirft Schreckbilder von uns, die geeignet sind, Grauen und Entsetzen zu erregen. Wir wollen ein solches Bild unfern Lesern vorführen, wie es erst vor wenigen Tagen Herr Philippson in seiner Zeitung entworfen hat; Herr PH. schreibt in Nr. 24 seiner Zeitung: „Von der andern Seite will man von allem dem nickts wissen, man will das Judcnthum in seiner mittelalterlichen Gestalt mit dem ganzen Umfange seiner bis ins Kleinste verästelten Bestimmungen, Gebräuche und Sitten, m t seinem argen (!) und wüsten (!) Gottesdienst, und in diesem Banne sollen alle Juden verbleiben; wer nur im geringsten darüber hinausschrcitet, wird zurückgcstoßen, verketzert, verdammt. Dies sind aber die aufrichtigen Gegner, die wahren und naiven Orthodoxen, welche eben selbst noch in dieser Anschauung und in diesen Lebenskreisen stehen und daher eine Berechtigung zu ihrem Thun haben, soweit sie nicht die Verketzerung unv Verdammung zu verwirklichen streben. Denn zü diesem letzteren sprechen wir allen Religions- Parteien das Recht ab. Ader diese Antipoden baden noch ganz andere Parteigänger neben sich. Das sind zunächst die, wclcbe den Schein und den Firniß der Bildung annehmcn, nur um dies« in allen wahrhaften Momenten zu verpfuschen und zu bekämpfen, welche die strengste Orthodoxie erheucheln, für jede« Mtnhag schwärmen, in jedem veralteten Gebrauch die höchste Bedeutung, den erhabensten Zweck, ein wahres und ganzes Heiligthum finden, dabei deutsch schreiben, predigen, Chor-fingen, Wissenschaften treiben (!) und fein thn« — aber alles dies, um die Masse zu beschwatzen, sie auszubcuten und zu beherrschen, sich von ihr verehren und anbeten zu lasten: sehet den Heiligen, de»! modernen Seher, das Licht des Glaubens. Dabei sind sie Haki-! wisser büben und drüben, weder ihre profane, noch ihre theologische Gelehrsamkeit ist mehr als ein aufgel-sener und mühsam zusammen gesuchter Kram. Run ist ihnen Lügen, Verleumden, Anschwärzen tägliches Handwerk. Keine Unsitil chkrit scheuen sie, sobald sie dadurch einen Gegner herabsctzen und verunglimpfen können. Gegner ist ihnen aber jeder, der sich nicht vor ihnen beugt, der ihrem Treiben nicht Vorschub leistet; Gegner jeder, der etwas bedeutet, der ein Verdienst besitzt, der sich Ansehens und Vertrauens erfreut. Denn welche Maske sie auch vorthun, nicht die Religion und nicht die Glaubensgenoffenschaft, nicht deren Heil und Gedeihen ist cs, um was es ihnen zu thun, sondern nur ihre persönliche Geltung, ihr persönlicher Einstuß, ihr persönlicher Vortheil.« Was sagt der geehrte Leser zu einem solchen Bilde? Wer hat dem Maler PH. dazu gesessen? Wir glauben fast, Herr PH. hat fein eigenes Spiegelbild abconterfeit; wir brauchen nur einzelne Ausdrücke zu ändern, und Herr PH. selbst wird vor der Aehnlichkeit erschrecken. Versuchen wir es einmal; das Bild, das Herr PH, von sich entwirft, wird ungefähr also ausschauen : „Herr PH. war es zunächst, der den Schein und den Firnis; der Bildung annahm, ohne jemals die schlechten Manieren ganz ablegen zu können, die ihm von einer schlechten Erziehung her noch anhaften; er begann mit Deutsch-Schreiben, Predigen, Eh or-Singen, Wissenschaften-Treiben (!) und Feinthun -- aber alles dies, um die Masse zu beschwatzen, sie aus Anbeuten rürv zu beherrschen, sich von ihr verehren und anbeten (?) zu lassen: sehet den Heiligen von heute, den modernen Seher, das Licht eines neuen Glaubens. Dabei ist er Nichtswisser hüben und Halbwisser drüben; seine theologische Gelehrsamkeit ist gleich Null und seine profane Gelehrsamkeit ein Umherpfuschen in oberflächlichster Weise. Dabei ist ihm nun seit 28 Jahren Lügen, Verleumden, Anschwärzen tägliches Handwerk. Keine Unsittlichkeit scheut er, sobald er dadurch einen Gegner herabsetzen und verunglimpfen kann. Gegner ist ihm aber Jeder, der sich vor diesem Eitelsten der Eitlen nicht beugt, der seinem Treiben nicht Vorschub leistet; Gegner Jeder, der etwas bedeutet, der ein Verdienst besitzt, der sich Ansehens und Vertrauens erfreut. Wo wäre ein bedeutender Mann unseres Zeitalters, den Herr PH. noch nicht j verlästert und geschmäht hätte? Wir wollen nicht von > den Ettlinger, Bamberger, Hirsch, Schreiber, Hildesheimer reden, nicht von dem verewigten vr. Sachs,! gegen den PH. Jahrzehnte lang st re Giftpfeile abge- ' schossen — wir wollen nur auf seine eigenen Gesinnungsgenossen Stein, Geiger, Holvheim, Mayer, Löm! Hinweisen; denn welche Maske auch Herr PH. bei sei-