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Der Israelit · 1864-06-15 · Heft 24 (15.6.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 24 (15.6.1864)
Date
1864-06-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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334 stündlich ist. Sind aber solche Läppalien maßgebend, um dadurch das talmudische Wissen des Herrn Rabbiner H. in Frage zu stellen und es als Karrikatur auszumalen? Ohne hierin dm Herrn Rabbiner in Schutz nehmen zu wollen (indem seine gründliche Talmudgelehrsamkeit doch allüberall anerkannt ist), rufen wir blos dem Herrn Sz. die Worte des Propheten zu.- „suchet bei euch und dann sucht bebändern" (Zephanjah 2, 1). Ist in dem von Herrn Sz. redigirten Blatte auch nur ein hebräisches Wort regelrecht abgedruckt? Wir habm indeß nicht nöthig, unsere Beweise für die Ignoranz des Herrn Sz. und die Tüchtigkeit des Herrn Rabbiners H. im Talmudfache auf solch thönerne Füße zu stellen, sondern können ihnm eine solidere Basis geben. Hier ist sie. Bekannt ist der Grundsatz aus der talmndischen Ethik: „wer nicht zunimmt, nimmt ab." Nun ist es ein offenes Geheimnis daß Herr Sz. seit beinahe 30 Jahren das Talmudstudium gänzlich vernachlässigt hat. Wahrlich, da kann in dem Gehirnkasten des Herrn Sz. höchstens noch ein Atom dieses Studiums sich befinden. Wie ganz anders verhält es sich jedoch mit Herrn Rabbiner H.! — Kein Mensch wird es in Abrede stellen, daß Herr Rabbiner H., seit seiner Ankunft in Ungarn,*) der Erforschung des Talmuds unablässig obliegt und ihr und dem Wohlthun seine ganze Zeit weihet. Wir können daher mit Recht die Worte unserer Weisen auf ihn anwenden: „Du hast Dich bemüht und hast gefunden, das sollst Du glauben," denn „nicht im Himmel ist sie (die Thora), und nicht drüben jenseits des Meeres" (5. B. M. 30,12,13). Ist diese vermessene Selbstüberschätzung eine anwiederude, und ist man gezwungen, das Sichgebahrden des Herrn Sz. als Talmudgelehrten, in Folge dessen er das Recht zu haben vermeint, den Gemeinden Rabbiner zu empfehlen und dem Herrn Rabbiner Winter die berüchtigten Thesen zum Unterschreiben vorzulegeu, geradezu als lächerlich zu bezeichnen, so ist der schuuneisterische Ton, den er als deutscher Sprachkenner anzuschlagen sich erfrecht, ei« wett unausstehlicherer, well er hier auf sicherm Boden sich zu bewegen glaubt. Als solcher hat er schon sehr oft auf den deutsche» Styl des Herrn Rabbiners H. gefahndet, und seine Stentorstimme mit aller Macht gegen ihn erhoben. Bei solch dummdreisten Ausfälle» kommt die Wurst'sche Grammatik immer wieder zum Vorschein und muß den vermeintlichen Späßen des Herr» Sz. als Falle dienen. In ähnlicher Weise wird uuS m Nr. 21 der „Neuzett," in den „Erklärungen," Wurst und wieder Wurst aufgetischt und eine verschwommene Reflexion daran geknüpft. Woher mag es wohl kommen, daß die Phantasie des Herrn Sz. von einer Wurst ewig nur beschäftigt wird? Der stets lüsterne und gute (um Vergebung 1 „böse") Mann ließ gewiß, wie in Hebel's Mährchen „die drei Wünsche," den Wunsch einmal laut werden, sich an einer Wurst stets gütlich thnn zü können. Dik rosenfarbige Bergfey erfüllte sofort diesen Wunsch und praktizirte (in Folge einer zweiten Bitte des Wünschenden, daß er und die Wurst stets unzertrennlich sein mögen) ihm dieselbe auf die Nase. Seit jener Zeit hängt sie nun vor dem Gesichte des Herrn Sz., balancirt wie die auseinandergespretzten Beine eines zu Pferde sitzenden Dragoners und präsentirt sich obligatorisch bei jeder Gelegenheit, zum Ekel des gesummten Lesepublikums. Ja, das letztere, sowohl das orthodoxe als auch das reformistische, hat bereits schon sehr oft auch den dritten Wunsch geäußert, daß dieser unästhetische Zierrath doch endlich verschwinden möge; doch so lange Herr Sz. sich nicht selbst auf's Bitten verlegt und die Wurst nicht wegwünscht, so lange kann und wird er ihrer nicht los werden. Diese hier angegebene Ursache der Szanto'schen Wurstschwärmerei, ist eine mögliche und muthmaßliche; die weil wahrscheinlichere nnd verläßlichere ist jedoch die, daß Herr Sz., weil Hanswurst überhaupt, vom Wirbel bis zur Zehe stets nur Wurst sein und bleiben wird. Wir wollen jedoch der Sache nicht einen blos scherzhaften Anstrich geben, sondern sie alles Ernstes erörtern und auseinanderfetzen. Zuvörderst wollen wir jedoch an Herrn Sz. eine Frage stellen. Jft's den» nicht möglich, sich aus der Wurst'schen Grammatik dieselbe Sprachkenntniß zu holen, wie sie Herr Sz. aus der dürren, in den österreichischen Schulen eingeführten Sprachlehre geschöpft hat? Warum allo dieser stereotype Hohn gegen die Wurst'sche Grammatik, warum Meister Jsegrimm? (Hier wird Herr Sz stolz, da er vom Echo den Namen der größten Sprachforscher Deutschlands, der beiden Brüder „Grimm" zurückhallen hört)-Zielt jedoch Herr Sz. mit seinem Gekläffe nur hauptsächlich dahin, daß Herr Rabbiner H., trotzdem er von der Wurst'schen Grammatik Gebrauch macht, dennoch nicht Deutsch versteht, so können wir ihm dieses Ziel dadurch leicht verrücken, indem wir blos darauf aufmerksam machen, daß Herr Rabbiner H., ein geborener Deutscher, arff deutschen Hochschulen seine Bildung geuoffen hak. Es ist bekannt, daß österreichische Jünglinge zu ihrer Ausbildung nach Deutschland gehen, da ihnen nur dort die Gelegenheit geboten ist, sich Tüchtigkeit und Fertigkeit in der deutschen Sprache anzueignen. Es ist ferner eine bekannte Thatsache, daß jeder Hausknecht in jenen Gegenden Deutschlands, wo die hochdeutsche Sprache volksthümllch ist, solche DutzeMcribenten, wie Herr Sz., im präcrsen Ausdrucke übertrifft, oder ihnen wenigstens gleichkömmt. Sollte da Herr Rabb. H., der geborene und durch die Wissenschaft zur großen *) Anm. der Red.: Seit seiner frühesten Kindheit!

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