Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-06-15 · Heft 24 (15.6.1864) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 24 (15.6.1864)
Date
1864-06-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447165--02689-2458040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Beilage zu Nr. 24 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfporrdenzen. Deutschland. Wiesbaden, 30. Mai. Aus dem naffauischen Mainthal wird der „Mittelrh. Ztg." geschrieben: Ein israel. Lehrer, der sich dieser Tage an seinen Vorstand mit der Bitte um Gehaltszulage wandte, erhielt von demselben folgende höchst humane Antwort: „Gehaltszulagen werden keine verwilligt, gehen Sie, wie so viele Ihrer Collegen, handeln!" Also der jüdische Lehrer und obendrein Rabbinatssubstitut soll noch Anno 1864 als Trödler und Hausirer einhergehen und seinen Bündel als Gehaltszulage betrachten. Ä f r i k a. Port Elisabeth. Die Zeitungen vom Cap der guten Hoffnung melden, daß nach einem heftigen Wahlkampfe unser Glaubensgenosse Herr M. H. Benjamin als Abgeordneter ins Parlament erwählt worden. Die Zeitungen loben diesen Ehrenmann sehr und wissen seinen Fähigkeiten und seinem Character nicht genug Lob zu spenden. Herr Penjamin ist der erste orthodoxe Glaubensgenosse, welcher ins Cap- Parlament eintritt. — Obron.) Eingesandt. lH Aus Ntieder-Oefierreich. Obwohl wir in einer an Abnormitäten und Verkehrtheiten so reichen Zeit wie die unsrige, nichts mehr überraschend und sonderbar finden dürfen, so können wir uns doch zuweilen, bei dem Austauchen eines ungewöhnlichen Schau- oder Schriftstückes, des Ausrufs „sonderbar" nicht erwehren. Also erging es uns, als wir, in Nr. 20 des IV. Jahrgangs der „Neuzeit," die Einleitung zu dem Aufsatze „die Kunde der Münzen und Maße bei den Hebräern" gelesen hatten. Unwillkürlich entfuhr unserm Munde das Wörtchen „sonderbar." Wie, dachten wir bei uns, kennt Herr Rabbiner Oppenheim seine Pappenheimer so wenig, ist er mit dem liebenswürdigen Naturell des nur im Schmutz fortwuchernden Hrn. Sz. denn gar nicht vertraut, daß er den herrlichen Aufruf: „die jüdische Presse möge den sterilen Boden der unerquicklichen Polemik verlassen und mit den Lesern, beim Beginn des Frühlings, einen kleinen Abstecher in die lockenden Hesperiden- Gärten der Kunst und Wissenschaft machen," in der „Neuzeit" ergehen läßt? Doch, so sehr wir auch darob den Kopf schüttelten, so hielten wir doch an uns und wollten unserm Staunen keinen öffentlichen Ausdruck geben. Vielleicht, dachten wir, führt sich Herr Sz. diesen Mahnruf zu Gemüthe, lenkt auf bessere Bahnen ein und setzt seiner Unverschämtheit Ziel und Ende. Traten uns auch die Worte Jeremias (13,23): „ändert seine Haut der Kuschi, der Parder seine Flecken? lebhaft vor's geistige Auge, so wollten wir doch an einem guten Erfolg im Vornherein nicht verzweifeln, sondern unser Urtheil erst durch einen, in den spätem Nummern etwa Heller klingenden Silberton bestimmen lassen. Der große Mann, welcher jetzt die Geschicke Oesterreich's leitet, that den Ausspruch: „Wir können warten"; nun so wollen auch wir warten und sehen, ob die verbissene Natter den letzten abgebrochenen Zahn nicht in den eigenen Leib schlägt und verendet. Diese, am starrsten Skepticismus nur schwach angelehnte Möglichkeit wurde zu Nichte, als wir Nr. 21 und 22 der „Neuzeit" zu Gesichte bekamen. Der kecke, rücksichtslose und keine Gemeinheit scheuende Ton, der darin angeschlagen ist, läßt den alten und unverbesserlichen Adam auf das Grellste wieder hervortreten. Er wühlt, wie ehedem in seinen ekelhasten Materien, schwelgt in seinen cynischen Exprobatior.en und fühlt sich nur dann wohl, indem er seinen Haß gegen die ehrbarsten Männer ausläßt. Und ist es uns da etwa zu verargen, wenn wir unser „sonderbar" in die Öffentlichkeit schicken und an Herm Rabbiner Oppenheim die Frage stellen: quick boo siiü vult? Was fiel ihm denn ein, einem Menschen einen Vorschlag zur Güte zu machen, der in der Bosheit Hochgenuß, in der Lästerung Befriedigung und in dem Herabziehen des Heiligen und Ernsten ins Gemeine den Hauptreiz findet? Wir wollen ein wenig in diesen zwei Nummern Rundschau halten, um unser „sonderbar" zu rechtfertigen. Das Steckenpferd, welches Herr Szanto wieder einmal mit besonderem Vergnügen reitet, ist die Schmähsucht gegen Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer. Indem er in den „Glossen" die Frömmigkeit der Preßburger Schule als eine hohle bezeichnet, nennt er die des Herrn Rabbiners eine, nicht einmal von einem talmudisch-gebildeten Bewußtsein ausgehende. Als Beleg für diesen Mangel an „talmudisch - gebildetem Bewußtsein," zitirt Herr Sz. einen in hebräischer -Sprache abgefaßten und in einer öffentlichen Kundmachung des Herrn Rabbiners H. sich befindlichen Satz, der ohne Vor- und Nachsatz wenig, und durch drei eingeschlichene Druckfehler um so weniger oer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.