Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1864)
- Date
- 1864-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447165--02688-2458039- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
322 Lehrer der bei der Sisyphus-Arbeit sein bischen Leben verdirbt! — Damit also eine Musterschule emporblühe und gedeihe, dazu gehört unbedingt auch eine — Mustergemeinde, die der Schule in einer Jugend mit empfänglichem Herzen und_ erschlossenem Geiste einen kerngesunden Contingent zu stellen vermag. Wir sehen die Pester Musterhauptschullehrer, deren Vorzüglichkeit ich gerne anerkenne, wirklich Musterhaftes leisten, weil sie für ihre Tüchtigkeit den geeigneten Boden gesunden, und sich nicht im vergeblichen Streben müd zu ringen verurtheilt sehen. Nun, was guter Wille und Strebsamkeit betrifft, stehen die Lehrer der andern Musterhauptschulen ihren Collegen in der Landeshauptstadt keineswegs nach, denn sie Alle haben ihre Aufgabe als eine heilige erfaßt. Wie kommt es also doch, daß nur die Pester Musterhauptschule wirklich Musterhaftes zu leisten vermag? Liegt doch eine und dieselbe Idee, welche bei der Errichtung der Musterschulen vorgeschwebt, all den Anstalten zu Grunde; und diese Idee, einem edlen Herzen entsprungen, dürfte für die Volksbildung von unberechenbar wohlthätigen Folgen sein. Aber der oft wiederholte Einwurf, den wir von vielen Seiten erheben hören, daß gerade in den größten und wohlhabendsten Gemeinden, welche aus eignen Mitteln Schulen zu erhallen vermögen, die Musterschulen bestehen, an denen die Lehrer aus dem allgemeinen Landesfond besoldet werden — dieser Einwurf, ich finde ihn nicht stichhaltig, weil eben nur in großen Städten eine gehobene Lehranstalt gedeihen kann. Und soll die Musterschule etwa nicht ein Vor- und Musterbild den Volksschulen auf dem Lande sein? Eher wäre zu wünschen, daß sämmtliche Musterschulen in mustergültigen Gemeinden wären, in denen auch der strebsame Lehrer auf pädagogischem Gebiete fortschreiten und sich die wissenschaftlichen Errungenschaften der Zeit zueignen könnte. So lange aber die eine oder die andere dieser Mnfterschulen als vorgeschobener Vorposten der Civilisation gilt und die Lehrer an derselben im täglichen Windmühlenkampse mit der Bornirtheit ihre besten Kräfte vergeuden, werden diese wohl das Mögliche leisten, ohne über die enggesteckten Grenzen gelangen und, ihres Namens würdig, Musterhaftes schaffen zu können. Zum nähern Verständniß. Ich habe der Mnsterhauptschule in Pest als der am geeigneten Orte gedacht, nennen wir noch 'eine andere Mustergemeinde — Preßburg, in der ich mir gerne eine Musterschule denke, um das mannigfaltig Gute, das da in empfängliche junge Gemüther eingepflanzt und unter Gottes Beistand noch für späte Generationen zur Reife gebracht werden kann. Welche Gemeinde sonst in Ungarn, dürfte sich so vieler Männer mit klangvollen Namen rühmen, die unserm Volke zur höchsten Zierde gereichen, als P. neuerer Zeit aus seinem Mitte hervorgehen sah? Wer kennt auch nicht die gefeierten Namen: M. E. Stern, Albert Kohn, L. Dukes u. A., sämmtliche Kinder der ehrwürdigen Preßburger Gemeinde, in der also eine Musterschule üm so mehr am geeigneten Orte wäre, je vielversprechender daselbst für sie der Boden ist. Als einen erweiterten Theil dieser Schule denke ich mir ferner eine wohlorganisirte Präparandie, nachdem die einzig bisher bestehende, trotz ihrer rechten Leistungsfähigkeit, dennoch nicht für das ganze Land ausreicht. Und in Preßburg eben laufen alle Adern des jüdischen Lebens zusammen. Dort wie kaum an einem andern Orte wären dem angehenden Schulmanne reichliche Mittel zur Ausbildung geboten. Er könnte sich eben so tüchtige Kenntniß der hebräischen Literatur aneignen, als er sich in den sogenannten profanen Wissenschaften gehörig auszubilden vermöchte. Aber das ist es ja, was den Lehrern der Jetztzeit gewaltig noth thut, damit das unheilvolle nicht unversehens zur Wahrheit werde. Man hat auch lange genug den Präparanden das Hebräische in homöopathischer Dosis verabreicht, weshalb sie nicht über ein kärgliches Verständniß des Pentateuch hinaus zu kommen vermochten. Woher für sie also die nöthigeLust zum Tractiren eines Lehrgegenstandes hernehmen, der ihnen selbst nichts weniger als schätzbar geworden ist? Was man nicht perfect versteht, kann nicht mit Liebe gelehrt werden, sagt ein pädagogischer Satz, den wir mit dem talmudischen 7,'^ '2-, vergleichen- Nun fragen Sie mal Ihre Lehramtscandidaten draußen im Reich, wie sie einen Gegenstand vorzutragen vermögen, von dem sie selbst kaum eine blasse Idee besitzen, so werden diese, wenn sie grade aufrichtig sein wollen, es als zu ihrer Subsistenz ein unentbehrliches Nebel bezeichnen,?!, '"n, wie sich sonst den kargen Lebenserhalt erschwingen, so lange noch die impertinenten Gemeinden an ihren Schulen das Bischen Hebräisch als obligat erklären. Nicht anders, dem jüngern Lehrer dient sein spärliches Hebräisch nur als Mittel zum Zweck: er will leben. Dabei drohet freilich seiner Jugend das eigentliche Leben auszngehen N",-i 8',"i '2. Die Gotteslehre, sie ist unser Leben, in ihr ist langes Leben, und dieses kann unfern Kindern nur erhalten werden, indem wir tüchtige Lehrer heranbilden, die^ mit viel jüdischem Wissen ausgerüstet, Liebe zu ihrem Berufe im Herzen tragen. Jacob Heinrich Löw. Hierzu eine Beilage. verantwortliche Redaktion: V» Lehman«. — Verlag der Le Roux'sche« Hofbnchhandlung. — Dampfschnellpressendrnck von I. GottSlebe« in Main».