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Der Israelit · 1864-06-08 · Heft 23 (8.6.1864) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 23 (8.6.1864)
Date
1864-06-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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309 dringenden Weberschiff zeigte die Erregung, welche sie empfanden. Um eine mehr befriedigende Antwort, als die auf dem lärmenden Webstuhle, hervorzurufen, fragten wir sie genau, was sie über die Uebereinftimmung, das Dazwischentreteu und die Vermittlung des Messias dächten. „Wir sind unwissende Menschen," erwiderten sie, „und wollen unsere Väter weder an Kenntnissen noch an Reinheit des Glaubens übertreffen."*) Wir tadelten strenge diese sorglose Uebereinstimmung mit einem Gegenstände, der die einflußreichsten Folgen hat, und der Ernst unserer Rede bewegte augenscheinlich ihr Herz, denn sie stellten plötzlich ihre Arbeit ein und sagten: „Wir sind euch dankbar für das, was ihr uns gesagt habt, und wenn die Wahrheit des Christenthums so ist, wie ihr sie darstellt, so werden wir nach gehöriger Ueberlegung dasselbe annehmen." Werden wir für lieblos gehalten werden, wenn wir die von diesen in Angst versetzten Leuten gegebene hoffnungsvolle Antwort mehr rrgcnd einer hingeschleuderten Drohung oder der Furcht, dem von dem Oberpriefter offenbar gehaltenen Mann zu mißfallen, zuschreibcn, als der Wirkung der göttl! chen Gnade (?) in diesen verhärteten und eingeschüchterlen Seelen? Die nächste Reise des Bekehrers ging nach Deresgie. Wir lassin denselben wieder selbst sprechen: Unsere Ankunft, sagt er, rief unter den zahlreichen Falascha's, welche hier wohnen, einen panischen Schrecken hervor. Tie Priester, die Unhaltbarkeit (!) ihres Glaubens wohl kennend, verkrochen sich in ihre Hütten, und ihre Heerde, obwohl sie nicht denselben Schrecken mit rhnen theilte, war dennoch nicht geneigter, über den Werth unseres gegenseitigen Glaubens zu discutiren. Einer von ihnen, ein grober und roher Mensch, rief mit einer Stentorstimme: „Ich folge unseren Geistlichen und werde keinen anderen Glauben annchmen, als denjenigen, den sie vorschlagen." Wir versicherten ihm. daß wir seinen Glauben nicht controliren könnten. Alles, was wir thun könnten, sogar wenn er. entschlossen wäre, Götzen anzubeten, wäre, Mitleid mit ihm zu haben und ihn zu warnen. „Ach," fuhr er fort, „ihr bekennt euch zum Glauben an Moses und die Propheten, und doch könnt ihr nicht in Abrede stellen, daß ihr ein Geschöpf statt des Schöpfers verehrt." Wir haben kaum nöthig zu sagen, daß der Missionär, zufrieden mit sich selbst, diesen in Einfalt lebenden Falascha's darzuthun suchte, daß der Stifter der christlichen Kirche kein Geschöpf war, sondern der Schöpfer des Himmels und der Erde, dem die gottesdienstliche Verehrung gebühre. Eine weitere Expedition erreichte Eila. „In diesem *) Anm. ber Red.: E« ist wabrhaft rührend, wie sich diese Armen der Missionäre zu erwehren suchen. Dorfe," schreibt der Missionär, „wo mir vor drei Jahren eine sehr freundliche Aufnahme zu Theil wurde, empfing man mich auch dieses Mal in freundlicher Weise. Da es Freitag Abend und die meisten Männer zu Hause waren, so sammelte sich bald eine beträchtliche Anzahl auf unserem ländlichen Boden. Sie sprachen Alle ein heftiges Verlangen nach Belehrung aus, und, wie Leute, die begierig sind, die Wahrheit zu erfahren, setzten sie keine Spitzfindigkeiten entgegen und erhoben keine Einwürfe auf das, was wir sagten. Wir suchten den Sündern, die an ihrem Seelenheil verzweifeln, eine Hoffnungspforte zu eröffnen. Die Sterne glänzten schon am Himmel — die Hyänen zogen schon in lärmenden Schaaren auf Beute aus, und noch saßen unsere Freunde ruhig und würden uns wohl noch länger zugehört haben, hätte nicht das Bedürfniß der Ruhe uns zum Rückzug bewogen. Früh am folgenden Morgen erschienen wir wieder im Dorfe und nahmen unsere Sitze unter einer zerfallenen Hütte. Die Männer waren noch beim Gottesdienst, aber ungefähr ein Dutzend Frauen und etwa vierzig Mädchen, von denen mehr als die Hälfte einen schmutzigen Lumpen über ihre Schultern herabhängen hatte, half uns die Zeit vertreiben, bis die Andächtigen das Heiligthum verließen. Endlich bewegte sich eine feierliche Procefsion aus dem Gebethause und richtete ihre gemessenen Schritte deutlich nach den Boten des Kreuzes. Der Ernst dieser weißgekleideten feierlichen Versammlung dauerte unglücklicher Weise nicht lange. Ein Haufe böser Buben, der an einer Unterhaltung, die nicht mit guten Speisen ausgespickt war, was den Hauptgegcnstand der abcffynischen Unterhaltung bildet, keinen Wohlgefallen fand, fing an zu zanken, zu fechten und allen möglichen jugendlichen Lärm zu machen. Dieses erregte den Zotn ihrer Eltern, und in Worten, die nicht übereinstimmten mit ihrer vorangegangenen würdigen Haltung, brachten sie die Jungen zur Ruhe. Unsere Unterhaltung, oder ich möchte eher sagen unsere Predigt, drehte sich um die Ankunft des verheißenen Erlösers, in dessen Ankunft das Heil des Menschengeschlechts liegt. Dieses Thema verschaffte uns reichlichen Stoff zu einer Unterhaltung, und während mehr als einer Stunde versuä ten wir durch eine lange Reihe von Prophetien, sinnbildlichen Figuren^ vorbildlichen Gebräuchen den Character und den Dienst desjenigen zu zeichnen, der gekommen sei, den Sündern die Buße und den gefallenen Menschen die verwirkte Gnade Gottes zurückzubringen." Unsere geehrten Leser sehen, welche Gefahren die unglücklichen Falascha's von Seiten der englischen Söldlinge bedrohen. Wann wird jenen beklagenswerthen Glaubensbrüdern Hilfe werden? (Forts, folgt.) «Hierbei zwei Beilagen.) ««anlwortttchc Redaktion: Vr. Lehmann. — Verlag der Le Ronr'schen Hvifduchhandlung. — Damplschnellpresiendruck von I. GottSlrben in Main,.

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