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Der Israelit · 1864-06-08 · Heft 23 (8.6.1864) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 23 (8.6.1864)
Date
1864-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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305 klärt, ein neues System gründet, wiederum zahlreiche Anhänger findet, bis dann auch er, wie seine Lehrsätze, von Andern beseitigt wird. So ist es geschehen im Laufe der Zeiten immer wieder und wieder, und die Welt hat auf diesem Wege noch heute nicht die Wahrheit gefunden. Anders verhält es sich, wenn die ewige, unumstößliche Wahrheit, die uns von Gott geoffenbarte Thora den Gegenstand unserer Forschung bildet, wenn wir ihr unsere Tage und unsere Nächte weihen, und sie uns Aufschluß gibt über die höchsten Fragen, die das Menschengeschlecht bewegen: Gott, die menschliche Seele, das Weltall; 2^ 'lOiNO O'iL/' ^i 'iips „Die Gesetze Gottes sind gerade, erfreuen das Herz." Demjenigen, der sich mit dem Geiste der Gotteslehre durchdringt, erscheint die Außenwelt nichtig und unbedeutend. Er hat das Höchste erfaßt, was kümmert ihn das Nebensächliche? Er hat das Wesenhafte gefunden, was kümmert ihn Schein und Schimmer? 2.11 '^>22 8-1 >^O2 '^22 8- O"p11-j 1^28 '8 p' 12 «i"i 12 Oii '-22 8^8 Wie der Wein sich weder in goldenen, noch in silbernen, sondern nur in unbedeutenden, zerbrechlichen Gefäßen hält, wie der Wein also im Vergleiche zu seinem Behälter das bei Weitem Kostbarere ist: also geschieht es den Talmide Chachamim, die, nachdem sie die höchste Wahrheit erkannt, die Außenwelt geringschätzen. Aber der Weise soll in der Welt leben und auf die Welt wirken; er soll die Außenwelt nicht verachten, sondern erheben; er soll nicht zerstören, sondern befestigen. So erzählen auch unsere Weisen v*M Rabbi Schimeon ben Jochai und seinem Sohne, die, von der Römischen Negierung mit dem Tode bedroht, sich 12 Jahre in einer Höhle verborgen hielten und dort nur dem Thorastudium lebten. Ais sie endlich die Höhle wieder verlassen durften, da sahen sie die Leute säen und pflügen und sprachen entrüstet: „die lassen das ewige Leben und beschäftigen sich mit den Bedürfnissen des irdischen Lebens". Und wohin sie ihr Auge wandten, das ward allsogleich zerstört. Da erscholl eine Stimme vom Himmel und rief: „Seid ihr herausgegangen, um meine Welt zu vernichten? Kehret zurück in eure Höhle!" Als sie nun abermals 12 Monate in der Höhle geweilt hatten und am Rüsttage des Sabbats dieselbe verließen, da begegnete ihnen ein Greis, der zwei Blumengewinde trug, um seinen Sabbattisch damit zu schmücken; und sie freuten sich, daß die Israeliten die Gottesgebote so ehrten, und ihr Gemüth war nicht mehr bekümmert (Sabbat 33 d.). — Denn wie der Wein erst dann seinen wahrhaften Werth erlangt, wenn er ausgegoren hat, so muß auch das Wißen sich klären, ehe der Weise auch die Außenwelt recht zu würdigen weiß. Dann aber ist er durchdrungen von Liebe zu Gott, von Liebe zu den Menschen; er erfreuet Gott und erfreuet die Menschen; ihn kleidet Demuth und Gottesfurcht; er ist auf dem Wege, zu werden gerecht, fromm, redlich, wahrhaft 5 er lebt fern von der Sünde und erlangt hohe Verdienste; Alles strömt zu ihm, um seinen Rath und seine Unterstützung zu erlangen; er ist vernünftig und kräftig; er erlangt Einfluß auf seine Mitmenschen und erforscht das Recht; er dringt, ein in die tiefsten Geheimnisse und gleicht einem hellsprudelnden Quell und einem nimmer versiegenden Brunnen; ihn zieret Bescheidenheit und Langmuth, und er vergibt denen, so ihn schmähen, so daß er das vorzüglichste wird von Gottes Geschöpfen und selbst die Engel an Würdigkeit überragt (Beraitha zu Pirke Abot §. 1). Das ist die Krone der Gotteslehre! O, wer sie doch erlangen möchte! Rabbi Schimeon ben Jochai sagte: „Es gibt der Kronen drei: die Priesterkrone, die Königskrone und die Krone der Gotteslehre. Nicht um alle Schätze der Welt kann ein Mensch die Priesterkrone erwerben, da sie dem Aaron und seinen Nachkommen verliehen ist Nicht um alle Schätze der Welt kann Jemand die Königskrone erwerben, da sie dem David und seinen Nachkommen verliehen ist; aber mit der Krone der Gotteslehre verhält es sich anders; wer sie nehmen will, der komme und nehme sie; denn also heißt es: „Gehet hin und kaufet und genießet und gehet hin und kaufet ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!" Uns Allen, Allen hat der allgütige Gott die Thora am Sinai gegeben; wer immer auch sie sein eigen nennen will, der hat das Recht und die Kraft dazu. Wohlan denn, Haus Jakobs, wir wollen wandeln im Lichte des Ewigen! ^i 1182 12-n 12- 2pp' i'2! Die Literatur des Kompert'schen Preßprocesses. (Fortsetzung.) S. 8 läßt der Verf. die „Erklärung", die er selbst auf der vorigen Seite übersetzt, behaupten, daß es unter uns zwei Secten gebe, die nichts mit einander zu thun haben dürfen iinp 1112 Op 121 11'1- 118^> 1O8 1L-8 1112 '111? O1V IVP'1 — 122?. Das ist eine niederträchtige Lüge; nicht ein einziges Wort steht hiervon in der Erklärung, und ist uns eine solche impertinente Stirn noch nicht vorgekommen. Wir wiederholen im Sinne dieser Erklärung, daß es nicht wahr ist, daß im Judenthume zwei Secten existiren, worin die vielbesprochenen Aeußerungen ganz Recht hatten. Daß es aber nicht wahr ist, daß sich der orthodoxe und nichtorthodoxe Jude etwa nur wie der gewissenhaftere oder laxere Kaufmann unterscheiden; sondern daß er sich (obgleich nach jüdischem

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