Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1864)
- Date
- 1864-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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304 sNdNO2 ^POLQ OIX P1N2 1S1O1 ->Q INbNO jOV OQ „Wie das Oel Anfangs bitter schmeckt, später aber süß: so bereitet auch die Gotteslehre dem Menschen Anfangs manche Schmerzen." Während des herannahenden Wochenfestes hat gewiß Mancher unserer Leser Gelegenheit, wenigstens in kleinem Maßstabe, die Wahrheit des soeben von uns Dargelegten zu erkennen. Wir wollen uns deutlicher aussprechen. Seit wenigen Jahrzehnten hat man damit begonnen, durch Nachahmung fremder Religionen das alte echte Judenthum durch erborgten Flitter aufzuputzen, Institutionen einzuführen, die in andern Religionen begründet sind und für die Bekenner derselben ganz gut und heilsam sein mögen, die aber dem Judenthum fremd waren und fremd bleiben sollen, denn also verlangt es das jüdische Gesetz. Eine solche Einrichtung ist die sogen. Confirmation; diese ist im Christenthume tief begründet, denn die Bedeutung des Wortes ist „Bestätigung"; der Christ ist als kleines Kmd nur vorläufig in seine Religion ausgenommen worden; der Jüngling und die Jungfrau sollen mit Bewußtsein das bestätigen, was mit dem unbewußten Kinde vorgenommen worden ist. Was soll nun eine solche Feier in Bezug auf die Söhne und Töchter von Juda's Stamm? Der Jude ist durch die Geburt Jude; sein Judenthum bedarf der Bestätigung nicht mehr; der Eid, den unsere Voreltern für uns am Sinai geschworen, gilt für alle Zeiten. — Aber die Confirmation ist so schön! Welch ein rührendes Schauspiel ist es, wenn 20, 30 weißgekleidete Mädchen und ebensoviel schwarzgekleidete Knaben so ergreifend ihr Glaubensbekenntniß herdeklamiren; wenn der Rabbiner es versteht, salbungsreich die Bedeutung des wichtigen Aktes darzustellen, wenn er diesen Knaben an Hie verstorbene Mutter, jenes Mädchen an den früh Heimgegangenen Vater erinnert, wenn dann die Thränen fließen, wie Wafserbäche, oder gar eins der zartnervigen Dämchen in Ohnmacht sinkt; wenn sich dann die Thränenschleusen des zuhörenden und zuschauenden Publikums öffnen — welch ein Genuß — so können selbst auf dem schönsten großstädtischen Theater die Leiden der Desdemona oder das Unglück von Romeo und Julia nicht rühren! Es ist ja ein allbekannter ästhetischer Grundsatz, daß Kinder immer gefallen, immer Rührung Hervorbringen. Wie manches Kind gesetzestreuer Eltern mag da den Spielgefährten beneiden, der mit zur Darstellung berufen, wie manches Töchterchen aus frommem Hause mag vorwurfsvoll den Eltern ins Auge blicken, die ihm versagen, im weißen Kleide mit der Rose im Haar schon in so früher Jugend öffentlich aufzutreten! — Heilige Pflicht der Eltern ist es aber in solchen Fällen, nicht nur die Kinder vom Verbotenen auszuschließen, sondern sie auch zu belehren; ihnen zu sagen,, daß unsere h. Religion die Nachahmung fremder Culte verbietet, daß Israel von Gott gesondert ist von den übrigen Völkern der Erde und sich in keiner Weise mit ihnen vermischen darf, vermischen kann, siow .12 b'12«1 ^2 ll'PLkv ">»«0 Op bl2' 12'St .O'2PO „Wie das Oel sich nicht vermischen kann mit andern Getränken, so auch Israel; denn also heißt es: „Und ich habe euch gesondert von den Völkern."" Für die Menge der Entsagungen jedoch, die Gott seinem Volke aufgelegt hat, dafür hat er ihm auch die höchste Bestimmung gegeben, zu sein das Eigenthum Gottes, Seinen Namen durch die Welt zu tragen und einst der ganzen Welt das Heil zu bringen. 71VPZ f2N 7l2 p'dp „Wie das Oel stets oben bleibt, also auch Israel; denn also heißt es: „Und Gott wird dich machen zum höchsten."" — Ist es dem Israeliten gelungen, sich ganz in die heiligen Gebote und die Gotteslehre einzuleben, Hat er gekämpft und den Kamps überwunden, dann wird sie ihm theuer, wie kein anderes Gut der Erde, in der Beschäftigung mit ihr und in der Erfüllung ihrer h. Gebote findet er den höchsten Genuß. Dann gleicht die Thora dem Honig, nur mit dem Unterschiede, daß durch sie keine Uebersättigung eintreten kann; sie ist also süßer denn Honig und Honigseim O2N V2-I2 WP1O2 (Psalm 19, 11). — III. Haben wir im Vorangehenden die Thora als die Leiterin unserer irdischen Thätigkeit darzustellen versucht, so bleibt uns jetzt noch übrig, sie als die Führerin durch das geistige Leben, die Wissenschaft, ja als die höchste und erhabenste Wissenschaft, als die Wissenschaft der Wissenschaften selbst zu erkennen; das Bild, das uns dieses veranschauliche, sei das fünfte der von uns oben erwähnten Getränke, der Wein. Wie der Wein des Menschen Herz erfreuet, so ist es auch das Wissen, das Erkennen, das uns wahrhafte Freude zu gewähren im Stande ist; aber nur dann vermag das Wissen zu erfreuen, wenn die Objekte desselben edel und gut und wesenhaft sind. Wie Mancher mühet sich ab, sein Wissen zu mehren, und wenn er sein Gedächtniß angefüllt hat mit vermeintlichen Schätzen, so ist er so arm, wie zuvor; denn er hat Nichts erlangt, was wirklich der Aufbewahrung werth wäre. Wie Mancher mühet sich ab mit Grübeln und Forschen; er glaubt in seinem Geiste, Welten zu zerstören und wieder aufzubauen, und am Ziele seiner Forschung zerfallen seine Welten in Nichts; seine Weisheit ist eitel Schaum. Die Geschichte der Philosophie erzählt uns hievon die für den Menschengeist demüthigendsten Beispiele; jeder Denker glaubt sich im Besitze ewiger Wahrheiten; er baut Systeme, gründet Schulen, und seine Nachfolger schwören so lange auf die Worte des Meisters, bis ein Anderer kömmt und die Lehren des Vorgängers für leere Hirngespinste er-