Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-06-08 · Heft 23 (8.6.1864) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 23 (8.6.1864)
Date
1864-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447164--02668-2458018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SV3 Siehst du jeve« vov tiefem Kummer MedergedrüEen Greis? Ihm ist Megeraubt morde», was ihm theuer war auf Erde«; seine Lieben umschließt das Grab; sein Vermögen ist die Beste nichtswürdiger Menschen geworden; mit seinen Reichthümern ist die Achtung und die Ehrerbietung geschwunden, die ihm sonst die Menschen zu zollen pflegten; wird der Gram sein Herz nicht tobten? Nicht doch; er findet Trost und Beruhigung in dem Gedanken an seinen Gott; er schöpft Erquickung und Freude aus dem ewig lautern Quell der Gotteslehre; er erkennt aus ihr die Nichtigkeit irdischen Besitzes und kräftigt sich in dem Gedanken, der über den Tod hinausführt. Siehst du jenen sonst so rüstigen Mann so müde und abgezehrt? Er ist der Vater einer zahlreichen Fa-r milie, die er nur mit großer Noth zu ernähren vermag; die Sorge ist seine stete Begleiterin vom frühen Morgen bis zum späten Abend, und auch bei Nacht steht sie als bleiches Gespenst neben seinem harten Lager. Was hält ihn aufrecht in seinem ewigen Kämpfen und Ringen, was schützt vor Verzweiflung seine Brust, was gibt ihm immer wieder aufs Neue Kraft und Muth, die Schwere des Geschickes zu ertragen und nicht zu erliegen? Es ist der Gedanke an Gott und die Beschäftigung mit Seiner h. Lehre, es ist die Ueberzeugung von dem immerwährenden Schutze, der stets väterlichen Leitung des ewigen Helfers und Berathers, der uns die Versicherung gegeben, daß, wenn auch siebenmal fällt der Gerechte, er stets wieder sich erhebt, daß man niemals sieht einen Gerechten verlassen und seine Nachkommen Brod suchend. Aber nicht allein erquickend und labend wirkt die Gotteslehre, sondern auch erhebend und vergrößernd OND 'Q ID'VlZQ r>""I ID lD'v ."IO 1D1°7Q' O'DvO 'D „Wie das Wasser das Wachsthum der Pflanzen befördert, so macht die Gottesü hre denjenigengroß, der sich mit ihr beschäftigt, denn also heißt es: „Durch mich werden die Könige regieren."" Der wahre Herrscher ist der Weise; er ist im Besitz der größten Herrschaft: der Herrschaft über sich selbst; hochangesehen ist er bei seinen Mitmenschen, die von ihm Rath und Hilfe begehren; hochangesehcn ist er bei seinem Gotte, der den Willen Seiner Frommen erfüllt; und nie ist sein Bemühen fruchtlos, ,.d>.iin, wie da herabkömmt vom Himmel der Regen nud der Schnee und dorthin nicht zurückkehrt, er habe denn vorher gelockert die Erde und Wachsthum in ihr gezeugt, um zu geben Saat dem Sämann und Brod zur Speise: also wird sein mein Wort, das da au^ehen wird aus meinem Munde, es wird nicht leer zu mir zurückkehren, es habe denn gethan, was ich gewollt, »nd beglückt, den ich gesandt habe". (As. 55, 10 und 11.) Aus der Wolke strömet der Regen, und durch den Proceß der Verdunstung steigt er wieder zur Wolke empor, aber vorher hat er dis Luft gereinigt, die Erde erquickt, da- Wachsthum befördert: also verhält es sich auch mit dem Worte unseres Gottes, es kömmt vo» Gott und strebt wieder empor zu Gott, aber während es auf der Erde weilt, beglückt es die Welt. II. Auch der Milch vergleicht der Prophet die Lehre unseres Gottes; wie die Milch des Kindes erste Nahrung ist, so sei die Gotteslehre die erste Nahrung des sich entwickelnden Menschengeistes.' „Aus dem Munde der lallenden Kinder und der Säuglinge hast du gegründet die Macht um deiner Widersacher willen, zur Ruhe zu bringen den Feind und den sich rächen Wollenden. (Psalm 8, 3.)" Schon früh muß das Kind eingeführt werden in den wundervollen Garten der Thora, schon früh muß es gewöhnt werden an die Ausübung der Gottesgebote, damit die Leidenschaften gezähmt, der böse Trieb gebändigt, und die natürliche Anlage zum Bösen umwandelt werde, auf daß sie sich gestalte zu edler Thatkraft. . Ist das Kind von frühester Jugend an in der Thora und für die Thora erzogen worden, so wird es. herangewachsen, nicht fühlen das schwerwuüsiende Joch der Gottesgebote; sie werden ihm vielmehr M? Lebensbedmgung geworden sein, nothwendrg für die Behaglichkeit des Daseins. In dieser Beziehung gleicht dann die Thora dem Oele D'.n ,-w L7i;ri;ri rmv 'D N'-iv -p in'? „Wie das Oel gut für das Haupt und gut für den Körper, alio auch die Worte der Thora; denn so heißt es: „Beim Dufte deiner guten Oele;" und ferner : „Ein Schmuck der Anmuth sind sie für dem Haupt." " Es kann jedoch nicht fehlen, daß der durch das Gesetz in jeder Beziehung beengte und beschränke ^Mraelit Vergleiche ar.stellt zwischen sich und den Söhnen anderer Nationen oder den eigenen Brüdern, die Vas Joch der Thora von sich abgeschüttelt haben; da mag wohl manchmal das Gefühl der engen Umgrenzung ein bitteres werden. Auch in der Brust des frommen Israeliten wohnen Begierden und Leidenschaften, die im Kampfe wachsen, dre häufig um so stärker werden, je heftiger man sie zurückzudi ängeu strebt. i-iDliv Da sieht er so Viele unbeengt und ungefesselt den Begierden folgen, die Leidenschaften befriedigen, von Genuß zu Genuß schweifen, sorglos und freudvoll stets dem neuen Tage entgegenleben , und in der eigenen Brust fühlt er ein Gluthenmeer wogen; ach, mit tausend Armen sucht ihn die Sünde hinwegzureißen, mit tausend Lockungen sucht ihn die Verführung zu umstricken, mit den schönsten Bildern umgaukelt ihn die täuschende Phantasie — da gibt es bittere, bittere Kämpfe; doch was gleichst dem wonnevollen Gefühle der Ueberwindung? Je bitterer die Kämpfe gewesen, desto süßer ist der Sieg,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.