Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1864)
- Date
- 1864-06-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Extra Beilage zu Rr. 22 des Israelit. §§ Pechy-Sreirdorf, 19. Mai 1864. Unser patriarchalisches Stillleben, unsere „süße und freundliche Gewohnheit des Daseins und des Wirkens" wird nur selten durch äußere Einflüße beeinträchtigt und gestört; wir leben, Gott sei Dank, hier noch, wenn auch nicht in, so doch mit der guten alten Zeit und werden daher von öen Molesten der „Neuzeit" wie des stammverwandten „Ben Chananja" nur wenig belästigt und irritirt. Durch Zufall wurde uns jedoch — freilich etwas verspätet — die Nr. 15 (vom 13. April d. I.) der letztgenannten Wochenschrift in die Hände gespielt, worin wir eine Correspondenz ßß. Pest 5. April finden, die von den Erlebnissen der in Ofen versammelt gewesenen Notablen - Versammlung spricht und gleich im Eingänge es betont, daß das vorgelegte Elaborat über das zu errichtende Rabbinerseminar des Beifalls des Herrn Präsidenten, der Statthaltereiräthe und des gesammten Comits's sich zu erfreuen hatte, sowie daß ein Oberrabbiner im Laus der Debatte von Herrn P—m aus P. eine ernstliche Zurechtweisung sich gefallen laßen mußte. Da ich zur Zeit der stattgehabten Confercnz gerade in Pest anwesend war, und die in Rede stehende Verhandlungs-Episode eine gewisse Sensation daselbst erregte, so nehme ich Veranlassung, Ihnen aus verläßlicher Quelle Genaueres und Detaillirteres hierüber mitzutheilen. Nach Vorlesung des ersten Punktes des Elaborats, welcher von den allgemeinen Bestimmungen der Einrichtung und Erhaltung der Rabbinerschule handelt und mit den Worten beginnt: „Um dem Bedürfnisse nach einer Anstalt zur Heranbildung voü Rabbinern zu entsprechen," legte der Herr Präsident die Frage zur Erörterung vor, ob denn das Bedürfniß hieftir im Lande tatsächlich vorhanden sei? auf welche Frage Herr vr. M—l bejahend antwortete und für dieses Bedürfniß ein vollgültiges Argument dadurch zu liefern glaubte, daß er von den alten Rabbinern in einem geradezu wegwerfenden, verächtlichen Tone sprach und über die unter ihrer Leitung und Obhut gestan-! denen Rabbinatsschulen entschieden den Stab brach. Als Herr P—m hierauf in eine kurze Widerlegung sich einließ und namentlich darauf hindeutete,! daß eben die Verfasser des vorliegenden Elaborates in denselben Schulen ihre talmudische Biloung genossen, replizirte vr. M. wieder damit, daß er von den eben geschilderten alten Rabbinern, von ihrem Leben und Wirken in den grellsten Farben ein wahrhaft grauen- und schaudererregendes Bild entwarf und am Ende seiner Replik sich dahin aussprach, daß derartige Rabbiner weder den Anforderungen der Gemeinden, noch jenen der Regierung nur im Entferntesten zu entsprechen vermöchten, sonach das Bedürfniß zur Errichtung einer Nabbinerschule als dringlich und unumgänglich nothwendig sich herausstelle. Hierauf soll nun Herr Pappenheim aus Preßburg, nachdem er in einer kurzen Ansprache an den Präsidenten sowie an die Versammlung sich dagegen verwahrt hatte, daß er kein Rhetoriker sei, der durch schöne Worte zu glänzen verstände, seine Antwort ungefähr folgendermaßen formulirt haben: „Es ist hier durch den geehrten Herrn Vorredner von den alten Rabbinern und ihrem Wirken eine entsetzenerregende Schilderung entworfen worden, die entweder auf Unkenntniß der thatsächlichen Verhältnisse, auf irrigen Ansichten über dieselben oder auf geflissentlicher Entstellung beruht. Es dürfte kaum noch einen meiner Glaubensgenossen in dieser hochgeschützten Versammlung geben, der es in Abrede stellen oder nicht vielmehr mit mir einverstanden sein wird, daß gerade die alten Rabbiner es sind, welche als Koryphäen des Judenthums hervorragen und hiefür nicht nur in unserem engeren Vaterlande, sondern in der großen Monarchie, ja in ganz Europa angesehen und bekannt sind, Männer, die als Capacitäten auf talmudischtheologischem Gebiete eine maßgebende Autorität erlangt haben, deren Ausspruch allenthalben als entscheidend respektirt und anerkannt wird, Männer von unantastbarem, musterhaftem Charakter, denen jeder materielle Vortheil fremd ist, die von jeher nur für ihren heiligen Gottesberuf gelebt und gewirkt und den ihnen untergeordneten Gemeinden stets die Furcht des Herrn und echte, unverfälschte Glaubenstreue ins Herz geprägt haben, sowie dieselben in den unter ihrer Leitung und Obhut stehenden Rabbinatsschulen dasselbe Streben manifestirten und ihre Schüler mit wahrer Pietät und Frömmigkeit für ihren gottgefäl-