Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1864)
- Date
- 1864-06-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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298 ligen Beruf heranzubilden trachteten, um durch ein asketisches, beschauliches Leben sie desto eifriger zur Pflege ihrer rabbinischen Studien anzuhalten und so nicht nur dem Namen nach, sondern in der That und in der Wirklichkeit Rabbiner aus ihren Schulen hervorgehen zu lasten. Und nicht nur durch rabbinische Gelehrsamkeit hervorragend finden wir die Eleven dieser Lehranstalten, sondern unter ihnen auch solche Männer, die durch Fleiß und Talent, sowie durch angeborene, besondere Fähigkeiten auf andern Gebieten des menschlichen Wissens zu wirken im Stande sind. Dieses in Betracht gezogen, müssen wir wohl zu dem Ergebniste gelangen, daß ein thatsächliches Bcdürfniß für die Errichtung einer Nabbinerschule nicht vorhanden ist, weßhalb ich auch in unserer gestrigen Vorberathung zu Eingang des vorgelegten Entwurfs statt des unrichtigen Ausdruckes: „Um dem Bedürfnisse" die Worte zu setzen ersuchte: „Um dem geäußerten Wunsche. abzuhelfen," und wage ich hier an hoher Stelle es auszusprechen, daß dies nicht blos meine Privatansicht sei, sondern mit Ausnahme einer kleinen Minorität fast alle Juden des Landes ihr Votum gegen die Errichtung eines Nabbinerseminars abgeben würden. Bis jetzt war dies meine innerste, unumstößliche Ueberzeugung, und wenn ich nunmehr andern Sinnes geworden wäre, so könnte dies nur in nachfolgendem Motive seine Begründung finden. Seitdem ich nämlich wahrgenommen, daß einige, wenn auch nur wenige Gemeinden des Landes eine wahre Sucht darnach hegen, sich mit Männern zu umgeben, welche abgesehen von ihren sonstigen rabbinischen Qualrficationen blos durch einnehmende, schöne Worte, durch ihr oratorisches Talent zu glänzen und zu gleißen vermögen, und wirklich dergleichen Persönlichkeiten sich eingefunden haben, die wohl klassische Bildung sich angeeignet, sogar Gelehrte sein mögen, Rabbiner aber gewiß nicht, ja durch ihre Lebens- und Handlungsweise es zweifelhaft erscheinen lassen, ob sie auch nur Juden sind, seitdem mag in dieser Richtung und für diesen engeren Kreis eine Rabbinerschule als Bedürfyiß sich geltend machen, um aus derselben, wenn auch nicht Rabbiner in der vollen und echten Bedeutung des Worts, so zunr mindesten vielleicht doch Juden hervorgehen zu lasten." Diese von Herrn P—m aus P. geäußerte Ansicht, dürfte, unserer Meinung nach, der Mehrzahl der hierländischen Israeliten aus der Seele gesprochen sein. Unter den mannichfachen "Bedenken, die wir gelegentlich unserer damaligere Anwesenheit in Pest gegen die Errichtung einer isr. Rabbinerschule äußern hörten, wurde als eines der Hauptargumente geltend gemacht, daß es im Allgemeinen nicht solche Männer gebe, die verbunden mit gediegenen, talmudischen Kenntnissen und einer wahrhaft frommen Lebensweise auch die erforderliche klastische Bildung in sich vereinigen, um einer. derartigen Anstalt als Professoren vorstehen und dieselbe leiten zu können, und da ferner die Regierung das rabbinische Wissen nicht durch ihre eigenen Organe zu überwachen vermag, so wird allenthalben die Besorgniß rege, daß Individuen sich hiezu vordrängen könnten, die durch ihren zweideutigen Charakter, durch ihre Denk- und Lebensweise dem Institute Gefahr brächten. Daß eine derartige Besorgniß nicht ganz ungegründet ist, beweist eben in derselben Nro. des „Ben Chananja" der Artikel §. Pest, 8. April, worin von den an das jüdische Rabbiner-Seminar anzustellenden Professoren gefordert wird, daß sie gründliches talmudisches Wissen, gediegene klastische Bildung mit tiefreligiöser Gesinnung verbunden besitzen und vorzüglich der vaterländischen Sprache vollkommen mächtig sein sollen. — Mo der geehrte Herr Correspondent begnügt sich mit gründlich talmudischem Wissen und tiefreligiöser Gesinnung (eine sehr dehn- und äußerlich fast gar nicht wahrnehmbare Qualifikation, während ein zu Tage tretender strengfrommer, wahrhaft religiöser Lebenswandel ihm überflüssig erscheint) und denkt sich hiebei wahrscheinlich eine Rabbinerschule mit den Herren Meise!, Löw, Fasse!, Hochmuth, Zipser und Consorten als Lehrdocenten. Dies kann doch unmöglich die Absicht eines wahrhaft frommen Jude» sein. Unsere Meinung geht vielmehr dahin, daß Professoren an einer jüdischen Rabbinerschule nicht nur eine tiefreligiöse Gesinnung besitzen, sondern so» jeher und zu allen Zeiten einen streng-frommen, gläubig-jüdischen Lebenswandel an den Tag gelegt habe» müssen, daß man sich nicht blos mit dem bescheidene» Maß eines talmudischen Wissens begnügen kann, sondern eine hervorragende, talmudisch-rabbinische Gelehrsamkeit in und O'pois ein unabweislicheS^