Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1864)
- Date
- 1864-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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292 Sie brachten nun die siebzig Gulden als die Frucht ihrer Bemühung ihrem Schützling und erzählten demselben zugleich, noch voll Unmuths, wie es ihnen zuletzt noch gegangen. Da sprach der fromme Mann: „O meine lieben Brüder! ich bitte Euch, gehet zurück und hebt den Pfennig auf und bringt ihn mir! Da es dem Heiligen, gelobt sei sein Name! gefallen hat, mich in solche Noth kommen zu lassen, daß ich der Leute bedarf, so darf ich keine Gabe verschmähen, sie möge groß oder klein sein." — Die beiden Männer gingen zu dem Vorsteher zurück, berichteten, was der Fromme gesprochen, baten um Verzeihung und um den Pfennig. — Ms der reiche Mann diese so gottesfürchtigen und demuthsvollen Worte des frommen Mannes vernommen, da erfaßte ihn tiefe Reue über das, was er gethan, und er stand auf und ging selbst zu dem frommen Manne und bat ihn inständigst um Verzeihung, indem er ihm zugleich eine nicht unbedeutende Summe Geldes überreichte und ihn bat, diese seine Gabe doch anzunehmen und ihm so zu beweisen, daß er ihm verziehen Habe; den Pfennig aber, den wolle er sich zur Ermahnung aufbewahren. — Der Mann aber, besten fromme Demuth über den hartherzigen Geiz den Sieg davon getragen, war der uns schon bekannte i) R. Samuel Chasid, Vater des berühmten R. Jehuda Chasid. — Der würdige Volksfilhrer ^)- Von Als Moses einst in der Steppe die Schafe Jethro's weidete, entlief ihm ein Lämmchen. Moses eilte ihm nach, um es zur Herde zurückzubringen. Da fand er dasselbe endlich in der Nähe von Zwiebelgewächsen an einem Bächlein stehn und trinken. „Deshalb bist du mir so weit entlaufen," sagte Moses voll innigen Mitleids, „weil du Durst hattest? Das wußte ich nicht, und jetzt wirst du müde sein, mein t) S. Nr. 16 u. 17 d. Bl. zweite Beilage. 2) NachSchemot rab. p. 2. — Beiläufig wollen wir bemerken, daß wir statt des daselbst stehenden Wortes lachsuach, welches Mat. Kehuna für einen ihm unbekannten Ortsnamen nimmt, lachastoth lesen: .zu Zwiebelgewächsen" (s. Aruch 3. v. chastth). armes Lämmchen." Und MoseS nahm das Lämmchen auf feine Schulter und trug es zur Herde zurück. Da sprach der Herr im Himmel: „Du fühlst ein solches Mitleid mit einem Lämmchen, mit Fleisch und Blut eins Thieres — bei deinem Leben! Du sollst meine Herde weiden, sollst der Führer Israels sein." — So wählt Gott seine Führer, und so verleiht er einem Menschen erst dann Macht und Ansehen, nachdem er ihn durch ein Kleines und Unscheinbares geprüft. — Auch David wurde hinter den schwachen Mutterschafen hervor zum Könige von Israel gewählt. Linder machen Einen zum Narren *). Von Vtii »Ri Ein Mann hatte sein Testament gemacht und darin gesagt: „Mein Sohn darf mich nicht eher erben, als bis ich durch ihn zum Narren geworden bin." — Der Schriftgelehrte Jose ben Jehuda hörte von diesem sonderbaren Testamente, theilte es seinem Freunde und Lehrgenosten Josua ben Korcha mit, und beide beschlosten, mit einander zu dem Manne zu gehen und ihn nach dem Grunde seiner seltsamen Verfügung zu fragen. Sie gingen. Als sie. an das Haus kamen, blickten sie zufällig von außen durch das Fenster und sahen, wie der Mann auf Händen und Füßen ging, einen Strick im Munde .hatte und sich von seinem Söhnchen nachziehen ließ. Die beiden Weisen traten zurück und warteten eine Weile. Dann gingen sie in das Haus und sagten dem Manne, weshalb sie gekommen. Da lachte der Mann laut auf und sagte: „Bei Euerem Leben, Meister! die Bedingung, die ich in meinem Testamente gestellt habe, ist so eben in Erfüllung gegangen. So eben machte ich meinem Söhnlein zu Lieb das Kameel und ließ mich von ihm, auf allen Vieren gehend, am Stricke durch das Zimmer führen." — Da' lachten die Weisen auch und sagten, indem sie sich verabschiedeten: „Ja wohl, Kinder machen Einen zum Narren." — 1) Nach Jalkut tehil. 92. Nr. 846. (Hierbei zwei Beilage«.) «erantwvrtlichr Redaktion: vr Lehman». — »erlag der Le «onx'sche» -ofbnchhandlung. — Dampfschnellpreffendruck von I. SottSleben in Main,.