Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1864)
- Date
- 1864-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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S91 Schweiz. Zürich, 15. Mai. Unsere Universität hat unlängst den Professor vr. Max Büdinger zu ihrem Rector erwählt. Derselbe ist der Sohn des in pädagogischen Kreisen rühmlichst bekannten verstorbenen Oberlehrers am israel. Seminar zu Kassel, vr. Moses Büdinger. Die Feier, die bei seinem Amtsantritte vor sich ging, war um so glänzender, als der neue Rector das von der Regierung neuerbaute Univerfitätshaus, einen Prachtbau seltener Art, von derselbe» in Empfang zu nehmen und einzuweihen hatte. Die Festrede Büdinger's am Stiftungstage unserer Hochschule wird im Drucke erscheinen. Abends wurde dem neuen Rector und den neben demselben sich befindenden höchsten Unterrichtsbeamten des Staates von gelammter Studentenschaft ein Fackelzug dargebracht. Amerika. San Francisco, im April. Wie und in welcher Weise das isr. Religionsgesetz von manchen sogenannten Üsvsrsncks (Ehrwürden) in Amerika gehandhabt wird, davon erzählt der hier erscheinende „Olsavsr" vom 1. April d. I. ein eclatantes Beispiel. Es lebten hier nämlich zwei Brüder, die zwei Schwestern zur Ehe halten; einer von den Brüdern starb kinderlos. Unter dem Vorsitze eines Usvorsnä bildet sich nun ein pi welches den Chalizah - Act zwischen der Wittwe und dem Gatten ihrer Schwester vornehmen läßt!!! Hat man derlei in Israel je gehört? Uebersteigt eine solche Ignoranz nicht jede Vorstellung? — Nun muß man allerdings gestehen, daß diese Chalizah von uiL-tt rmix ein unschuldiges Privatvergnügen war, das weiter keine üble Folgen haben kann; allein, es schaudert uns, wenn wir bedenken, daß solche unberufene Rövereväs auch Trauungen vollziehen, vielleicht -i"2 r>ri'Q irr '-nO'-r „durch den Segen des Priesters" verbinden oder auch gar Ehescheidungen vornehmen! Welchen Werth solch ein Get hat, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. — New-Nork. General Buttler hatte fünf zum Tode verurtheilte Verbrecher als Juden bezeichnet. Hierüber beklagte sich Rev. Mr. Isaaks, Redacteur des „Jewish Messenger". Der General antwortete, daß er nicht die Religion, sondern die Nationalität im Sinne gehabt und in derselben Weise die Leute Juden genannt habe, wie er andere als Deutsche, Irländer, Italiener u. s. w. bezeichnen würde; die Juden seien eine Nation ohne Vaterland rc. Mr. Isaaks schrieb darauf eine Antwort, in der er das Jrrthümliche der Ansichten des Generals auseinanderfetzte; in ehrenhafter Weise bekannte dann der General, daß er sich geirrt habe, und dankte für die Berichtigung seiner Meinungen. — San Francisco, im April. Der „Olsaver" benachrichtigt uns von der Gründung einer Talmud- Thora-Schule; Sonntag, den 3. Aptu, ist ein ComitL zusammengetreten, um das neue Institut zu organisiren, um so den Wünschen vieler Eltern zu genügen, die sich danach sehnen, ihren Kindern unsere Helligen Religionsquellen in der Ursprache zugänglich zu machen. N^w-Hork. Ein junger Manu von 24 Jahren, Namens Joseph A. Levy, hat, um dem Allgütigen sich dankbar zu bezeigen für den Erfolg, den Er ihm in seinen Geschäften verliehen, zur Verherrlichung Seines heiligen Namens der Gemeinde Schaare Tephillah die Summe von 10,000 Dollar (25,000 fl.) zur Erbauung eines Gotteshauses übergeben. Feuilleton. Sieg -er Demuth. Von Es war um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Da kam ein als gelehrt und fromm weithin anerkannter Mann nach Cöln am Rhein, um die Mildthätigkeit seiner Glaubensgenossen daselbst in Anspruch zu nehmen. Der fromme Mann war in sehr bedrängten Umständen; er hatte nur wenig, was er sein eigen nennen konnte, es sei denn eine zahlreiche Familie. Da wies man ihm von der Gemeinde aus zwei angesehene Männer zu, zwei Lehrer des göttlichen Wortes, die umhergehen und bei den Begüterten in der Gemeinde eine Beisteuer für ihn einsammeln sollten. Die beiden Männer thaten dieses mit großer Bereitwilligkeit und regem Eifer, und sie hatten bereits die Summe von siebzig Gulden.gesammelt, als sie zum guten Schlüsse noch zu einem der Reichsten gingen, der sogar einer der Vorsteher der Gemeinde war. Der Vorsteher war sehr reich; aber sein Geiz war noch größer als sein Reichthum, und kaum vernahm er das Anliegen der beiden Schriftgelehrten, als er voll Zornes einen Pfennig hervorzog und denselben den Männern vor die Füße warf, mit der beleidigenden Aufforderung, seine Beisteuer für den umherziehenden Bettler da aufzunehmen. — Die beiden Gelehrten wandten schweigend den Rücken, ließen die Beisteuer des hartherzigen Geizhalses liegen und gingen davon. —