Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1864)
- Date
- 1864-05-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage z« Nr. 21 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspon- -enzen. Schleswig-Holstein. Wandsbeck. Die Regelung der Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Holstein nach Maßgabe des neuen Gesetzes vom August v. I. muß der Regierung doch noch Schwierigkeiten machen, denn die israelitische Gemeinde in Wandsbeck ist auf ihr bereits Ausgangs Januar eingereichtes Gesuch um Bestätigung ihres erwählten neuen Geistlichen, des Or. Hannover, obgleich um Erledigung desselben zum 1. d. Dt. wiederholt und dringend gebeten war, bis jetzt ohne Antwort geblieben. Italien. Rom. Ein sich hier aufhaltender rumänischer Jude, Namens Israel Veroli, war vom hiesigen französischen Kriegsgerichte wegen eines Vergehens zu 5 Jahren Zuchthaus verurheilt worden. Nachdem er seine Strafe zu Toulon verbüßt hatte, kehrte er hierher zurück, um aufs Neue den Gerichten, diesesmal den römischen, zu verfallen, die ihn zu 21) Jahren Zwangsarbeit verurteilten; jedoch wurde ihm unter der Bedingung, daß er sich taufen ließe, Begnadigung angeboten; er nahm diese ohne Zögern an und erfüllte die Bedingung. — Das Judenthum hat in dem ehrenwerthen Veroli einen Bekenner verloren, dessen Verlust wahrlich nicht zu beklagen ist. (Arch. isr.) Frankreich. Paris, 17. Mai. Heute hat die Leichenfeier des leider so stütz verstorbenen Barons Salomon von Rothschild — derselbe erreichte nur ein Alter von 28 Jahren — stattgefunden. Schon am stützen Morgen umstanden zahlreiche Theilnehmende das Sterbehaus im Faubourg Saint HonorL, und um 10 Uhr waren die nun zu einer Trauerstätte umgeschaffenen Salons dergestalt gefüllt, daß ein großer Theil Derer, die der Leiche folgen wollten, im Hofe Platz nehmen mußte. Nach einer kurzen, nach jüdischem Ritus abgehaltenen Ceremonie setzte sich der ungeheure Zug über die Boulevards nach dem Pere Lachaise in Bewegung. Baron James, den eine Verletzung am Fuße schon seit Wochen auf dem Ruhebette gefesselt hält, wollte dem geliebten Sohne dennoch das letzte Geleit geben, und hatte den Muth, bis zum Friedkofe auszuhalten. Im Zuge befanden sich die hier residirenden Botschafter und Gesandten, die vornehmsten Familien aus Paris, aber auch eine unabsehbare Menge von Armen, welchen die Wohlthaten des Verstorbenen in reichem Maße zugefloffen waren. Der jüdische Friedhof bildet eine Enclave des PLre Lachaise, zu welcher man durch das große Thor und dann durch ein rechts gelegenes Seitenthor gelangt. Gleich am Eingänge bemerkt man das Mausoleum Rachens. Die Gruft der Familie Rothschild erhebt sich etwa in der Mitte des Friedhofes; vor derselben wurde die Leichenfeier abgehalten. Nach den Sängerchören der hiesigen Synagoge hielt der Rabbiner eine ergreifende Rede, in welcher er den Schmerz der ganzen Gemeinde schilderte. Hervorragende Mitglieder des Consistoriums schloffen sich ihrerseits mit Reden an, worauf nach neuen Gebeten der Sarg in seine letzte Ruhestätte hinabgesenkt wurde. (K. Z.) Rußland. Odessa. In russischen Blättern wurde vor einiger Zeit gemeldet, daß in Odessa eine jüdische Schauspielergesellschaft angekommen, um da verschiedene national-hebräische Stücke zu geben; die aufzuführenden Stücke sind: Ester, Athalia und dgl. Da sich in Odessa 25000 Juden befinden, die reich find und auf ihre Nationalität halten, so wird dem Unternehmen ein günstiges Prognostikon gestellt. (Magaz. f. d. L. d. A.) Türkei. Confkarrtiiropel. Herr A. Camondo hat in seiner Eigenschaft als Präsident des hiesigen Zweig- Comite's der „^llianev isr. universelle" folgendes Schreiben an den Patriarchen von Conkantinopel gerichtet: „Heiligkeit! Wir empfangen soeben von Smyrna die betrübende Nachricht, daß sich dort beim Herannahen des Osterfestes die Verfolgungen gegen die Israeliten erneuern, und zwar weil die dortige griechische Bevölkerung einer Fabel Glauben schenkt, von deren Ungrund alle aufgeklärte Menschen überzeugt sind. Immer ist Smyrna der Heerd solcher Unordnungen gewesen, und im vorigen Jahre sind dort die betrübendsten Dinge vorgekommen. Um nun Derartiges für dieses Jahr zu verhindern, bitten wir Eure Heiligkeit, ein Rundschreiben an alle Provinzen des türkischen Kaiserreichs zu erlassen und an Seine Eminenz, den Erzbischof von Smyrna, ein Schreiben zu richten, in welchem er aufgefordert werde, die Vertheidigung unserer Glaubensgenossen zu übernehmen und sie vor Gewalthätigkeiten zu schützen, denen sie ausgesetzt sind.