Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1864)
- Date
- 1864-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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278 -ahineilende Schattenbild aber an die wechselnden Dinge dieser Erde. Zu den letzteren gehöre auch der Mensch, der die Aufgabe habe, nach einer höheren Vollerümng zu streben. Der Fromme suche sich — wie wir dies bei den Stammvätern an den Ausdrücken Abraham »NM Oi' 'Npi' 'rupr .-Oii Isaak Op Jakob sehen —den Gedanken an seine Veränderlichkeit stets vor die Seele zu führen. Wer darum beim Tode eines Frommen theilnahmlos bleibe, der verkenne sein Wesen und den Zweck seines Daseins, und es paßten auf ihn die Worte der Weisen: „Wer um den Tod eines Frommen nicht klagt, verdient lebendig begraben zu werden." Der Mensch ehre sich selbst durch eine solche Klage, weil er damit darthue, was er schätze, was er hochhalle. In Worms, der uralten Stadt anr Rheine, fuhr der Redner fort, begegneten wir aber der Guten und Edlen, die längst die Erde decke, so viel, daß der den alten Friedhof Betretende von einem heiligen Schauer erfüllt werde. Der Geist der edelsten religiösen Hingebung wehe uns aus so manchem Grabe entgegen. In der Mauer fände man den dem Andenken der zwölf isr. Vorsteher gewidmeten Stein, die einst um des Glaubens willen den martervollsten Tod erlitten. Nicht minder erhebend sei die Grabstätte des Mahram Rothenburg, der, im Gefängnisse schmachtend, sich weigerte, das ihm aus den Händen seiner Schüler dargebotene Lösegeld zu nehmen, um nicht der ungerechten Erpressung ein neues Hilfsmittel zu bieten. Dort habe Raschi gelebt, der durch Frömmigkeit und immenses Wissen bis zum heutigen Tage die größte Verehrung in Israel genieße. Der Verstorbene habe sich all den frommen Rabbinen der Wormser Gemeinde in würdigster Weise angereiht; sein Verlust sei um so mehr zu beklagen, da derartige Männer auch in der alten Zeit nicht -in übergroßer Zahl vorhanden gewesen seien, was von der jetzigen gewiß um so mehr gellen könne. Zu diesem Verluste gesellten sich nockandere, die nicht minder beklagenswerth wären. Es seien: Rabbi Herz Roth b"' inUngarisch-Brod, Mani Jerusalem in Prag, der von seinem Vermögen jedes Jahr 10,000 fl. zu wohlthätigen Zwecken spendete, Rabbinatsassessor vr. Sachs aus Berlin, der Mann mit seltener Beredsamkeit. Zum Tröste möge der isr. Genreinde zu Worms gereichen, was unsere Weisen vom Stammvater Jakob sagen: »NO dO O'Itt Opp' Unser Vater Jakob ist nicht gestorben; denn von ihm heißt es nicht NO'i, er starb. Der Geist, der den Stammvater beieelt, lebe fort in seinem Volke von Geschlecht zu Geschlecht. Auch der Geist dieses dahingeschiedenen Jakob werde fortleben; es sei ihm, fuhr der Redner fort, eine freudige Wahrnehmung, in dieser feierlichen Versammlung Männer zu erblicken, dis aus der Nachbarstadt Worms sich hier eingefunden hätten. Das zeuge ihm dafür, daß sie den Geist ihres verstorbenen Rabbiners ehrten. So möchten sie denn fortfahren, diesen Geist der Frömmigkeit zu pflegen, und man werde auch zu ihnen sagen können, was der Prophet zu seinem Volke sagt: Ott 1OP '2 „Fürchte dich nicht vor dem Wechsel der Dinge, denn ich bin mit dir." Auch sie würden dann bei ihrem gottgefälligen Streben den Beistand Gottes erhalten. — Dies der kurze Abriß eines i2O.->, der ganz in herkömmlicher Weise mehr in der Form der alten Deraschah als der modernen Predigt gehalten, es verstand, das Andenken des Gerechten zu ehren, die Hörer zur Theilnahme sowohl wie zur Buße zu erwecken und zugleich durch Aufstellung und Erklärung vieler LZibelstellen, Agadoth und Midraschim dauernd zu belehren. — Moritz Fuld, Oberlehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Die 7 ungarischen Rabbinen, welchem Angelegenheit der Seminarfrage sich nach Wien begeben hatten und bei Seiner k. k. Apostolischen Majestät zur Audienz vorgelassen wurden, sind von dem großherzigen Monarchen höchstgnädig empfangen worden. Der Rabbiner aus Ujhely, welcher das Wort führte, sprach vorerst die Bitte aus, cs wolle ihnen erlaubt sein, den Kopf zu bedecken und den Segenspruch vorzutragen, der vor gekrönten Häuptern auszusprechen ist, und als Se. Maj. dieß mit den Worten „Ich bitte" genehmigte, sprach der Rabbi den vorgeschriebenen Segensspruch laut aus, der von den anderen eben so laut beantwortet wurde. Nachdem die Rabbiner wieder ihr Haupt entblößt hatten, ward die Bitte vorgetragen, die höchst freundlich entgegengenommen und deren Gewährung zugesagt worden sein soll. Was der Inhalt der Bitte war, ist nicht bekannt. (Hamagid.) Aus Oesterreich, 11. Mai. Das schamlose Treiben der Wiener „Neuzeit", die seit ihrem Erscheinen durch die frechsten Lügen und die empörendsten Verleumdungen das alte Judenthum und dessen Anhänger zu verhöhnen und zu verdächtigen strebt, hätte durch nichts vollkommener entlarvt und in seiner ganzen Erbärmlichkeit dargestellt werden können, als durch eine Mittheilung, mit der die offiziöse „Wiener Abendpost" die durch die lügenhaften Ausstreuungen der Wiener „Neuzeit" hervorgerufenen Artikel einiger politischen Journale dementirt.