Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1864)
- Date
- 1864-05-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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268 Erst durch die Berufung von Rabbi David Scheuer und durch dessen Sohn Rabbi Her- Scheuer sei Mainz, namentlich unter dem letzteren, von Neuem eine blühende Pflanzstätte der jüdischen Religionswissenschaft und des acht religiösen Geistes geworden. Dieser letztere stehe ja bei der Gemeinde noch in gesegnetem Andenken. Von ihm sei die Verblichene die einzige*) Tochter gewesen; sie sei auf seinen Knieen erzogen worden. Von einem solchen Vater erzogen, mit seinem religiösen Geiste getränkt, habe sie ihre Lebensaufgabe nur darin erkannt, dem Ewigen ihrem Gotte zu dienen mit ganzem Herzen und williger Seele und diesen Geist wieder auf ihre Kinder zu verpflanzen, so daß man von ihr, wie einst von der Mutter des Rabbi Josua sagen könne Heil der, die sie erzogen! Möchten Eltern daraus erkennen, wie sie die Pietät der Kinder zu nähren und zu pflegen haben, und worin die Wurzeln derselben liegen: Ein Jeder habe Ehrfurcht vor Mutter und Vater und beobachte meine Ruhetage. Nur wo gleichzeitig das religiöse Leben gewissenhaft gepflegt wird, kann auch die echte, wahre Pietät Wurzel fassen. Moritz Fuld, Oberlehrer. Caftel bei Mainz, 7. Mai. Heute beging der hiesige israel. Vorbeter und Lehrer, Herr Bernhard Kahn, sein fünfzigjähriges Dienftjubiläum. Während seiner langjährigen thätigen Wirksamkeit Hut sich der noch rüstige Greis, welcher in seiner Jugend bereits die französischen Feldzüge mitgemacht, sehr viel Verdienste um seine Glaubensangehörigen und als rechtlicher und gottesfürchtiger Mann die Hochachtung aller Bewohner Castels erworben. Seitens einer Anzahl seiner Schüler und Schülerinnen und ihrer Eltern wurde dem verehrten Jubilar ein silberner Pokal und ein von ihnen unterzeichnetes Festgedicht zum Andenken seines Jubelfestes und als Dank für seine zahlreichen Verdienste überreicht. Sein ältester Schüler, bereits ein sechzigjäriger Greis, überreichte ihm außerdem ein photographisches Album, die Bilder aller seiner Familienangehörigen, sämmtlich Schüler und Schülerinnen des Jubilars. Möge der Himmel ihm noch viele Lebensjahre verleihen! München. Herr Districts-Rabbiner Weiskopf in Wallerstein wurde vor einigen Tagen für die an Se. Maj. den König eingesandte, beim Trauergottesdienste für den höchstseligen König Max II. abgehaltene Trauerrede mit einem im Allerhöchsten Aufträge erlassenen Dankschreiben beehrt. *) Ihr einziger Bruder, R. Baruch Scheuer ^"7 ist ihr bereits vor mehr als einem Jahrzehnt vorangegangen. Red. Preußen. Berlin, 7. Mai. Kürzlich besuchte ohne alle Anmeldung I. K. Hoheit orc Frau Kronprinzessin mit Ihrem Bruder, dem Prinzen Alfered, die hiesige neue Synagoge und gab, da außer den Bauarbeitern Niemand anwesend war, selbst die nöthigen Erläuterungen. (K. Z.) Königsberg, 4. Mai. Die unlängst stattgefundene Ergänzungswahl der Repräsentanten hat so ziemlich für beide Parteien, die altreligiöse und die reformirte, gleiche Resultate gehabt. So viel kann ich Ihnen als sicher mittheilen, daß von der Einführung einer Orgel in unsere Synagoge nicht die Rede sein wird. Dafür bürgt schon der gesunde Sinn des Bankdirektors Gabriel und des Abgeordneten Kosch, die an der Spitze der Gemeindeverwaltung stehen. Die kitzlige Frage vom Sabbath- und Sonntags- Gottesdienste scheint vorläufig eine offene geblieben zu sein. Alles hängt vom Charaeter des anzustellenden Geistlichen ab, der, wenn er segensreich wirken soll, nicht blos ein gescherter, sondern auch ein würdiger, Achtung gebietender Mann sein muß. Die deßhalb bereits von dem Gemeinde-Vorstände öffentlich ausgeschriebene Concurrenz erwähnt auch nicht jener „doppelten Function," die soviel Anstoß erregt hat, man wird sie jedoch vielleicht privatim den Herren Candidaten mittheilen, wie ich das zum Schluffe näher motiviren werde. Einer der letzteren, für den man sich hier vielfach bemüht, ist Prof. Kämpf in Prag. Daß der Canditat rabbinische und wissenschaftliche Bildung in gleichem Maße besitzen muß, wird ausdrücklich gefordert uud ist den neuen Statuten gemäß. — Der jüngst hier verstorbene Procurist Ludwig Heilmann aus Schlesien gehörte zu den israelitischen Veteranen, welche die Freiheitskriege von. 1813—15 mitgemacht haben und war einer der' edelsten Charactere der Gemeinde. Mit streng sittlichen Grundsätzen verband er die feinste Bildung und Humanität. Am Tage seiner Beerdigung schloffen seine Prinzipale, Gebr. Stettiner, ihre Verkaufsläden. Er war kein Freund der sogenannten Reform, was er mir noch im vorigen Jahre ausdrücklich sagte, als er mich während meiner Krankheit besuchte und mir edelmüthige Offerten machte, die ich jedoch dankbar ablehnte, keyuissoat iv paos! — Der jetzt folgende Theil meines Briefes ist leider polemischer Natur. Während eine unfern Joh. Jacoby betreffende Stelle meines vorletzten Schreibens die Runde durch alle politischen Zeitungen macht, tritt gegen ein? andere desselben Briefes der hiesige Lehrer Wolffberg in den Anzeigen der A. Z. d. I. mit einer wahren Dummdreistigkeit auf. Er spricht von Verläumdungen und Denunciationen des „Israelit," ohne die von mir berührten Thatsachen bestimmt ab-