Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-05-18 · Heft 20 (18.5.1864) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 20 (18.5.1864)
Date
1864-05-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447161--02632-2457979
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

269 leugnen zu können. Daß man solchem Menschen gegenüber sich noch vertheidigen muß! Me, hatten wir hier in der Synagoge nicht schon emmal einen Sabbath¬ und Sonntagsgottesdienst von einem Geistlichen verrichtet, welcher letztere jedoch aus Jndisterentismus bald eingehen mußte? Und wird nicht jetzt ein ähnlicher beabsichtigt, wenn man sich auch geniren mag, es in der eben ausgeschriebenen Concurrenz öffentlich auszusprechen? Ist es vielleicht auch nicht wahr, daß man im vorigen Jahre die Cultusbeamten bei Erneuerung ihrer Contracte zur Mitwirkung an jener „doppelten Function" verpflichtete? Ist es endlich nicht wahr, daß der Vorstand bei den letzten Wahlen wegen dieses Doppelgottesdienstes von einem Gemeindemitgliede ausdrücklich interpellirt wurde? Herr W. scheint wie in vielen Dingen, so auch hierin ein Neuling, ein domo VOVUL zu sein. Er informire sich erst bester aus den Acten, ehe er wieder gegen uns ins Dintenfaß steigt! Und was sagte ich sonst noch von ihm, das nicht buchstäblich wahr wäre? Daß er kein Rabbinats-Zeugniß besitzt und daß er Obervorsteher eines christlichen Sängervereins ist. Leugnet er etwa beide Thatsachön rundweg ab? Nein, er kann es nicht, weil sie wahr sind. Aber schimpfen kann er wie ein Rohrsperling, weil man ihm die doppelte Functionsfähigkeit zutraut, die doch ein ganz Anderer schon vor ihm wirklich besaß, dem er nicht werth gewesen wäre, die Schuhriemen aufzulösen. Uebrigens muffen wir den säubern Herrn bitten, künftig mit mehr Nespect von dem Mainzer „Israelit" und seinem Königsberger Correspondenten zu sprechen. Ich diene von Jugend auf der heiligen Wahrheit und keiner Partei Käme es mir aber darauf an, einen „Rang" zu beanspruchen, so könnte ich dem Lehrer W. gegenüber anführen, daß ich kaum zwanzig Jahre alt war, als ich schon rabbinische Academien, das Gymnasium und die Universität absolmrt hatte, daß gelehrte Körperschaften mich später zu ihrem ordentlichen Mitglrede ernannten und daß ich manches mir angebotene Landrabbinat in Deutschland ablehnte, weil ich die Lehre immer nur ihrer selbst willen (.irwv liebte und übte, und weil ich stets unabhängig sein wollte Was derselbe, der sogar die „Geheimnisse" seiner Nebenmen'chen kennt (mirOZ pnv), in einer pommerschen Winkelgemeinde offen bekannt hat, ist gleichgültig; auch mag er als Plivatlehrer so viel singen, als er will, wenn seine Prinzipale, die ihn herberufen haben, damit anders zufrieoen sind. Wir meinten nur, daß für einen Geistlichen, der die Ehre haben will, neben dem Oberrabbiner I. Meklenburg zu fungiren, diese „doppelte Function" nicht paffe, wenn auch christliche Geistliche Thüringens, wie er naiv hinzugesetzt, dies zwiesache Geschäft verrichten. Man kann die Sprünge im Circus Renz bewundern, braucht aber nicht mitzuspringen. — Von geringerem Belang ist eine andere Polemik gegen mich in Ihrem eigenen Blatte. Ein Herr aus Berlin erklärt in der Peßachnummer, Alles, was ich von ihm unter dem 13. Decbr. v. I. Ihnen geschrieben habe, für unwahr. Ich muß und kann die Insinuationen, „man wolle seinen guten Ruf böswillig zerstören", aufs Ernsteste zurückweisen. M. Almoni. Feuilleton. Der Rothruf.*) Von Rav Amram war ein frommer Mann, Von Herzen mild und gut. Und was er that und was er sann, Geschah mit frohem Muth. Vor Allem spannt' es seine Kraft, Und war's ihm höchste Lust, Könnt' lösen aus Gefangenschaft Er eine Brüderbrust. Zerklüftet und gebrochen war, Schon lange Juda's Kraft, Und Mancher ward durch Feindesschaar Dem Vaterhaus entrafst, Und fortgeführt in fremdes Land, Zum Sklavenmarkt gebracht, Und Heil ihm! wenn ein Mann sich fand, Wie Amram, fromm bedacht. Denn reichte besten eigne Hab' Zum Lösegeld nutzt hm, So sammelte er Gab' zu Gab' Bei gleichem Brudersinn. Und kaufte die Gefangenen los Und hob ihr Mißgeschick, Und brachte nicht die Freiheit blos, Bracht' selbst sie auch zurück. Auch heute ist es ihm geglückt, Zu lösen eine Zahl, Dem Kmdesalter kaum entrückt, Vom harten Sklavenpfahl. — „Man führ' sie," spricht er. „mir nach HauS, Zu bergen sie die Nacht, Und scheide dort die Frauen aus, Zu halten größ're Wacht." Nack Kidd. 76. — Nav Amram lebte zu Nahardea, wo eine der babylonischen Schulen stc^ befand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.