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Der Israelit · 1864-05-18 · Heft 20 (18.5.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 20 (18.5.1864)
Date
1864-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ßen angesammelt, die schon Stunden vorher Posto gefaßt hatten. Den Eindruck, dm die Trauerhalle hervorbrachte, werde ich nie vergessen. In der Mitte erhob sich ein Katafalk mit Opferfeuern von ungeheurer Dimension. Etwa hundert Schritt davon stand der Wagen, der von innen und außm schwarz und mit Silber ausgeschlagen war. Rings an den Wänden Schilde mit den Namen der Werke Meyerbeer's. Zwischen dem Katafalk und dem Wagen erhob sich eine Tribüne, an welcher der königlich preußische Botschafter, Graf v. d. Goltz, und die Mitglieder der Beerdigungs-Commission, so wie die Mitglieder des Institutes sich ausgestellt hatten. Graf v. d. Goltz und Graf Bacciocchi hatten die vordersten Zipfel des Leichentuches getragen, an den anderen Zipfeln hatten gestanden Beulö, Camille, Doucet, Auber, Saint Georges, Gisors, Baron Taylor und Perrin. Als Alles sich in bester Ordnung gruppirt hatte, spielten drei Musik-Chöre Kompositionen von Meyerbeer, worauf denn sieben verschiedene Reden gehalten wurden, und zwar der Reihenfolge nach von Beulo im Namen des Instituts, von Saint Georges im Namen der literarischen Gesellschaft, von Baron Taylor im Namen der Association der Musiker, von Perrin im Namen der Oper, von dem Präsidenten des israel. Konsistoriums, von Camille Doucet im Namen der kaiserlichen Administration der Theater und von dem Ober-Rabbiner Isidor ein französisches und ein hebräisches Gebet. Die ganze Ceremonie wird Allen, die ihr beiwohnten, unvergeßlich bleiben. Heute Abend gehen die sterblichen Ueberreste Meyerbeer's mittelst Extrazuges nach Berlin ab. In Berlin fand das Leichenbegängniß Montag, den 9. Mai, statt. Wir entnehmen darüber der Köln. Ztg. Folgendes: Berlin, 9. Mai. Heute Mittag fand die Leichenbestattung Meyerbeer's unter großer und allgemeiner Theilnahme Statt. Schon eine Stunde vor dem Beginne der eigentlichen Leichenfeier wogte es unter den Linden und auf dem Pariser Platze, wo im Hause Nr. 6, der Wohnung Meyerbeer's, dessen Sarg unter blühenden Topfgewächsen stand. In einem schwarz decorirten Saale erhob sich der Katafalk. Der Sarg war mit einer schwarzen, silberdurchwirkten Decke überzogen und prangte in einer Fülle von Kränzen. Sechs Kerzen umstanden denselben, eben so viele Candelaber den Katafalk, und ein Lustre warf von der Decke herab seine Strahlen auf den Sarg. Zu den Füßen desselben lagen auf schwarzen Kissen die 11 Orden, die den Verewigten geschmückt, daneben legte Taubert einen Lorbeerkranz Zur Linken prangte auf einer Säule die verhüllte Marmorbüste des Meisters. Ihre Maj. die Königin Augusta und Ihre K. Hoh. die Frau Prinzessin Friedrich Karl hatten gleichfalls de« Sarg mit Kränzen schmücken lasse«. Die Säle der Wohnung vermochten die Trauer-Versammlung nur zum kleinen Theile zu fassen, weßhaLb gar viele auf Treppe, Flur und Straße weilen mußten. Unter den in den Sälen Anwesenden bemerkte man Se. K. Hoh. den Prinzen Georg (wie bekannt, selbst gründlicher Kenner und Pfleger der Musik), den Fürsten Radziwill, den Oberstkämmerer Grafen Wilhelm Redern, den Minister des königlichen Hauses Frhrn. v. Schleinitz, den Ober-Ceremonienmeister Grafen Stillfried, den Hofmarschall Grafen Lucchefini, den Stadt - Commandanten Gen.-Lieut. v. Alvensleben, den französischen Botschafter Baron v. Talleyrand- Perigord, den italienischen Gesandten, den hannover'- schen Gesandten und viele Notabilitäten der Wissenschaft und Kunst, so auch die Vertretung der Akademie der Künste, deren Mitglied der Verewigte gewesen, Abordnungen des Magistrats und der Stadtverordneten, den Oberbürgermeister Seydel und den Stadtverordneten-Vorsteher Kochhann an der Spitze, wie des Vorstandes der jüdischen Gemeinde. Da der General-Jntei dant der königl. Schauspiele, Kammer- Herr v. Hülsen, verreist ist, so hatte er sich ausdrücklich durch den Director des Schauspiels, Düringer, den Kapellmeister Taubert und den Kanzleirath Heuser vertreten lassen. Das Solo-Personal der königlichen Oper eröffnete die Feier mit einem Trauergesange, dessen Weise der Verewigte selbst gesetzt, und welchen der Musik-Director Nadecke für Männerchor arrangirt hatte. Es folgte die Gedächtnißrede des Rabbiners I)r. Joell aus Breslau, der des Heimgegangenen Ernst, Fleiß und Genius pries und die Sprache seiner Werke verherrlichte. Ein zweiter Trauergesang endete die Feier im Hause. Bald nach 1 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Voran schritt der erste Musik- Director der hiesigen Militärmusik, Wieprecht, mit einem umflorten Stabe' ihm folgten drei Militär- Musikcorps, die Beethoven's und Wieprechts's Trauermärsche bliesen; die Musikmeister trugen gleichfalls umflorte Stäbe. Der Musikmeister des 8. (Leib-) Jnsantierie Regts., Piefke, war von dem Kriegsschauplätze zur Feier hiehergeeilt. Dann folgte das Bureau der General-Intendantur der Schauspiele, die Kapellmeister, Musik - Direktoren und Concertmeister der königlichen Kapelle, dann der Kapellmeister Dorn mit den Kissen, worauf die Orden lagen, hiernach der mit Palmen geschmückte Leichenwagen, zu dessen beiden Seiten, neben den Leichenträgern, die jüngsten Mitglieder der königlichen Kapelle, Palm enzweiae tragend, einhergingen. Hinter dem Leichenwagen schritten die Leidtragenden, der Schwiegersohn Meyerbeer's, Rittmeister im 2. Garde-Dragoner-Regiment, v. Korff, die beiden Neffen Jules und Georg Beer, die Mitglieder der königl. Kapelle, der königl. Theater, die Vorsteher der Prwat-Theater, Deputationen, darunter

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