Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1864)
- Date
- 1864-05-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2M meinden" nennen, aber das jüdische Publikum weiß zu unterscheiden und kennt die Geistesheroen der Gegenwart, weiß, wem es Vertrauen zu schenken hat — den „hervorragenden Seelsorgern" Wiens oder seinen echten, frommen und gelehrten Lehrern, deren Unterschriften den oftgenannten Protest decken. Es gibt G. s. D. noch viele Hunderttausende von Glaubensgenoffen, die noch andere Dinge zu „schätzen" wissen als „den Besitz", noch „andere Klänge" gern hören als die „von den Barrieren der Börsen", die für die „Gefilde Kanaans noch nicht an Interesse verloren haben"; es gibt noch viele Hunderttausende in Israel, die außer den „humanen Traditionen" auch noch „den Ritus" eben so Hochhalten wie unsere Väter, denen unsere heilige Religion ein ewig Lebendiges ist auch ohne „die allbelebende Reform". Wir ersehen aber daraus, wohin unsere Gegner das Judenthum führen wollen; dahin, daß auf der einen Seite nur der materielle Besitz und auf der andern Seite nur die Humanität bleiben soll; alles Uebrige soll vom Judenthume abgestreift werden; alles Uebrige wird als „talmudisch-theologi scher Krimskrams, als talmudisch-theologischer Brei" gebrandmarkt. Wie gesagt, wir sind für dieses offene Bekenntniß dankbar, es kann nur dazu dienen, den noch Blinden die Augen zu öffnen, die noch Schlummernden zur Wachsamkeit aufzurütteln und die noch Gleichgültigen anzuseuern. Aber das Ding hat auch noch eine andere Seite; zum Schluffe werden einige Lügen und Verleumdungen in die Welt geschleudert, die um so unverantwortlicher sind, da dieselben durch die Wiener „Presse" die größtmögliche Oeffentlichkeit und Verbreitung erlangen. Die löbliche Nedaction dieses großen Organs scheint sich einfach haben düpiren zu lassen; denn eS ist einfach nicht wahr, daß die „jüdischen Ultramontanen" (welch' eine unsinnige Bezeichnung!) „die Hilfe des weltlichen Arms, die Intervention der Staatspolizei angerufen haben". Es ist das nicht allein nicht wahr, sondern auch in sich widersinnig; gegen wen und zu welchem Zwecke sollte man die Polizei angerufen haben? Es ist das ein Räthsel, nach dessen Lösung wir vergeblich suchen; eine plumpe Lüge, wahrscheinlich nur dazu erfunden, um die Redaction der „Presse" zu veranlassen, für die angeblich gefährdete Gewissensfreiheit in die Schranken zu treten. Daß aber eine Vertreterin der öffentlichen Meinung von solcher Bedeutung sich hat düpiren lassen, ist doch ein wenig leichtfertig; aber sehr leichtfertig ist es, wenn sie sofort vom „Absolutismus einiger unter der trügerischen Maske der Frömmigkeit speculirender Egoisten" spricht. Zum Schluffe kommt noch ein Schreckschuß, der von bedeutender Wirkung sein könnte, wenn er nicht von den jüdisch - unsilbischen Organen längst abgenutzt wäre. Es ist das die unsinnige Behauptung, daß durch „das Treiben (der Gesetzestreuen) die bürgerliche Stellung der Juden in Oesterreich in der gefährlichsten Weise compromittirt werde". Die Emancipation ist zu schwer errungen und von zu großer Wichtigkeit, von zu großem sittlichen, geistigen und namentlich materiellen Interesse, als daß das lebende Geschlecht dieses kaum errungene Gut zu verlieren nicht stets fürchten, ja für den Verlust desselben nicht stets zittern sollte. Daher rufen unsere Gegner fast ununterbrochen: „die Orthodoxen gefährden die Emancipation" und hoffen damit ängstliche Gemüther zu schrecken. Wir haben diesen Vorwurf in diesen Blättern schon oft beleuchtet und in seiner Nichtigkeit dargestellt. Die Negierungen wie die Nationen wissen es recht gut, daß das treue Festhalten an unserer heiligen Religion durchaus nicht mit unfern Pflichten als Staatsbürger collidirt, daß uns die Treue gegen Fürst und Vaterland und die Liebe zu denselben heiliges Neligionsgesetz ist, daß uns die Erwartung der Ankunft des Messias und die Sehnsucht nach dem heiligen Lande nicht hindert, unser Vaterland in dem Lande zu erblicken, dessen Bürger wir sind, dessen Sprache wir sprechen, und wo wir unter dem Schutze der Gesetze leben. Aber eine furchtbare Verantwortung laden unsere Gegner sich dadurch auf, daß sie durch derartige Dinge uns zu verdächtigen streben; das ist ein Verrath am Heiligsten! — Ach, daß jetzt, da wir Ruhe haben vor Verfolgungen und Unterdrückungen, da wir ungestört und unbehindert unserer heiligen Religion leben könnten, die innern Feinde des Judenthums sich zur Vernichtung unseres Heiligthums rüsten! Wann werden unsere verirrten und bethörten Brüder zur Einsicht gelangen, wann wird der Friede und die Eintracht wieder einkehren in Israels Mitte? Gincomo Meyerbeer. Mainz, den 11. Mai. Am 2. d. M. starb in Paris der berühmte Tondichter Meyerbeer, dessen Andenken wir im Folgenden einige Worte widmen wollen. Giacomo Meyerbeer, mit seinem eigentlichen Namen Jakob Meyer Beer, ward in Berlin im Jahre 1794 geboren. Sein Großvater, Rabbi Lippmann Meyer Wulf, war einer der reichsten und angesehensten Männer Berlins und Vorsteher der isr. Gemeinde; die Tochter desselben, Amalie, heirathete einen Kaufmann, Namens Herz Beer; aus dieser Ehe gingen vier