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Der Israelit · 1864-05-18 · Heft 20 (18.5.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 20 (18.5.1864)
Date
1864-05-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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die Tage scheinen sich wiederholen zu wollen, in denen der Absolutismus von einigen unter der trügerischenMaske der Frömmigkeit speculirenden Egoisten allerunterthänigst um einige Ladungen „Pech und Schwefel" gegen die gefährlichen Reformer gebeten wurde. Solch Treiben muß abgewehrt werden, schon um des Princips willen. Die jüdischen Ultramontanen vor dem Forum des Liberalismus haben keinen Anspruch darauf, nachsichtiger behandelt zu werden, als die Uebereifrigen anderer Confessionen, ihr Treiben muß entschieden verurtheilt werden, denn es compromittirt die bürgerliche Stellung der Juden in Oesterreich in der gefährlichsten Weisel" Wir sind der löblichen Redaktion der Wiener „Presse" dafür dankbar, daß dieselbe so offen und ehrlich Alles ausplaudert, was ihr von ihren Inspiratoren in's Ohr geflüstert worden, allein wir fürchten, sie ist denselben zum «-ulaut tarridls geworden und hat mehr verrathen, als jene wissen zu lassen für nöthig erachten mögen Wie hübsch ist schon der Anfang: „Nur nach langem Zögern und nicht ohne Widerstreben" mengt sich die Presse „in den wunderlichen Disput". Was mag da Alles aufgeboten worden sein, um diesem „langen Zögern" endlich ein Ende zu machen, und dieses „Widerstreben" zu überwinden! Doch, wir wollen nicht so vermessen sein, in diese Mysterien tiefer einzudringen, wir wollen lieber davon Act nehmen, wie der von der Partei selber inspirirte Artikel die beschworenen Zeugenaussagen der Herren Horowitz und Mannheimer auffaßt: „Zwei hervorragende jüdische Seelsorger haben etwa vor vier Monaten vor Gericht bezeugt, das Judenthum als solches kenne keine Secten, und der Glaube an die dereinstige Ankunft eines Messias, mit allem was drum und dran ist, sei beileibe kein Dogma." Also, das Judenthum als solches kenne keine Secten! Die zwei Worte „als solches" sind einfach zugesetzt; sie machen auch den Satz zu einem unsinnigen. Kennt etwa das Christenthum als solches Secten, kennt überhaupt irgend eine Religion als solche Secten? Eine Religion als solche, das heißt in ihrer reinen Wesenheit, unverfälscht und unverkürzt, kann ja eben nur eine sein. Repräsentirt der römische Katholicismus das Christenthum als solches, so kann es außer ihm kein anderes Christenthum geben; ebenso verhält es sich mit dem griechischen Katholicismus, mit der lutherischen, der evangelischen Kirche, mit den Menoniten, den Quäkern und so fort. Dasselbe Verhältniß findet innerhalb der muhamedanischen Religion statt. Ein Anderes ist es, die Existenz der Secten in Abrede zu stellen. Wenn Jemand die Behauptung aufstellen wollte, es gebe im Christenthume keine »LI Secten, oder mit andern Worten, Me, die sich Christ« nennen, mögen sie nun Katholiken, Lutheraner, Deutschkatholiken, Lichtfreunde rc. sein, mögen sie an Gott, au die Bibel, an die Schöpfung, an den Stifter der chr. Religion glauben oder nicht, mögen sie die Gebote des Christenthums für verbindlich erachten oder nicht — seien wahrhafte Christen, so hat er damit das Chriftenthum negirt. Ein Aehnliches ist bei Gelegenheit des Kompert'schen Preßproceffes in Bezug auf das Judenthum geschehen; es wurde damals vor Gericht behauptet, „es gebe keine orthodoxe Judenlehre," d. h., der Jude mag glauben oder thun, was er wolle, so bleibe er dennoch nicht bloß Jude, denn das erkennen auch wir an, sondern auch wahrhafter Jude, und dagegen mußten die Wächter des Judenthums, die gesetzestreuen Nabbinen protcstiren, denn durch die Proclamirung einer solchen Lehre von „hervorragenden jüdischen Seelsorgern" vor einem hohen Gerichtshöfe war das Judenthum in Gefahr. Erinnern wir uns nur des allgemeinen Judelrufs der neologischen jüdischen Zeitungsprefse: es gibt kein Schisma im Judenthume, man kann glauben oder nicht glauben, thun oder nicht thun, was nur irgend beliebt, und ist und bleibt immer echter, wahrhafter Jude! So wurde es von „hervorragenden Seelsorgern" bezeugt und beschworen, in diesem Sinne hat ein hoher k. k. Gerichtshof entschieden! Freilich, nachdem die Schritte zum Proteste eingeleitet waren, und dieser Dimensionen annahm, die man vorher nicht geahnt hatte, da wurde gedeutet und gewendet, da wurden die zwei unschuldigen Worte „als solches" eingeschmuggelt. Uebrigens kam und kömmt es uns gar nicht darauf an, innerhalb des Judenthums Secten zu constatiren; es kömmt uns nur darauf an, die Integrität unserer heiligen Religion zu schützen und die Lehre sowohl wie das Gesetz vor Mißdeutung zu bewahren. Was nun den zweiten Punkt der vielbesprochen« Zeugenaussagen betrifft, so haben wir einfach davon Act zu nehmen, wie dieselben hier dargestellt werden: „Der Glaube an die dereinstige Ankunft des Messias mit Allem, was drum und dran ist (sie!), sei beileibe kein Dogma!" Also das haben die Zeugen'beschworen! Nun denn, war es da nicht heiligste Pflicht, hiegegen mit aller Energie zu protestiren. um die gefährlichen Consequenzen einer beschworenen Zeugenaussage „zweier hervorragender jüdischer Seelsorger" zu verhüten? Wir hoffen, diese Darstellung von Seiten der Gegner wird die noch Schlummernden aus dem Schlafe rütteln und dem Proteste noch manche Unterschrift zuführen; denn, wohl kann man in einem politischen Tagesblatte die ehrwürdigsten Männer in Israel, die größten Leuchten der jüdischen Wissenschaft beschimpfen, kann sie „Zeloten, obscure Rabbiner obscurer Ge-

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