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Der Israelit · 1864-05-04 · Heft 18 (4.5.1864) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 18 (4.5.1864)
Date
1864-05-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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L43 Gast mit." — „Rüben," antwortete die Frau barsch und ging fort, ohne den Mann und seinen Gast weiter zu beachten. — Jose ging hin und deckte den Topf auf, da fanden sich junge Tauben. — Der Lehrgenoffe, der wohl gehört, was die Frau geantwortet, merkte nur zu gut, wie es zwischen beiden Galten stand; indessen schwieg er, und sie setzten sich zu Tische nieder, indem Jose selbst sich und seinen Gast bedienen mußte. Bei Tische begann dieser zu Jose: „Meister! hat die Frau nicht Rüben gesagt, und dennoch fanden sich Tauben vor?" — „Es mag wohl ein Wunder geschehen sein," antwortete Jose, um darüber nicht weiter zu sprechen. — Als sie indessen gegessen hatten, sagte der Lehrgenosse: „Meister! das Weib behandelt Dich unwürdig, Du mußt Dich von ihm scheiden lassen." „Ich kann nicht," antwortete Jose mit Kummer; „die Mitgift, die ich zurückzuzahlen habe, übersteigt mein Vermögen." — „Wir," versetzte der Lehrgenosse, „wir, Deine Freunde und Schüler, wollen die nöthige Summe für Dich Zusammenlegen." — Sie thaten so, und Jose ließ sich von dem bösen Weibe scheiden und fand bald darauf eine andere würdigere Gattin. — Die himmlische Gerechtigkeit aber wollte, daß die böse Frau einen Wächter des Ortes heirathete, der bald darauf erkrankte und in Folge der Krankheit ganz erblindete und so um seinen Dienst kam und endlich von Almosen leben mußte. Jetzt sah die Frau sich genöthigt, ihren blinden Mann durch die Straßen der Stadt zu führen, um mit ihm die Barmherzigkeit der Menschen anzusprechen. Als sie an die Straße kam, wo Jose wohnte, machte sie Halt und kehrte um. „Warum," frug der Mann, dem trotz seiner Blindheit die Straßen alle noch sehr bekannt waren, „warum willst Du nicht in die Straße gehen, wo Jose, der Galiläer, wohnt? Er soll ein sehr wohlthätiger Mann sein." — „Ich bin eine von ihm Geschiedene," antwortete die Frau kleinlaut, „und habe den Muth nicht, ihm so wieder vor's Gesicht zu treten." — Als sie ein andermal wieder an die Straße Josefs kamen und die Frau wieder umkehrte, da sing der Mann an zu zanken und so das dritte- und viertemal, und endlich, als sie selbst bis vor das Haus Jose's gekommen waren, schlug er gar die Frau. Auf den Lärm der Beiden lief die ganze Straße zusammen und hatte chr Gespötte darüber. Auch Jose hörte den Lärm, öffnete das Fenster und sah, wie der Blinde und seine Frau zum allgemeinen Gespötte geworden. — Die Frau stand gebeugten Hauptes und wagte nicht zu Jose aufzublicken. — „Warum schlägst Du die Frau?" frug Jose. — „Weil sie mich täglich um die Einnahme dieser Straße bringt, durch die sie mich nicht führen will!" rief der Blinde. — Da nahm Jose sich der Armen an, räumte ihnen ein Häuschen ein, das ihm gehörte, und speiste sie, so lange sie lebten. — So merkwürdig indessen dieses edelmüthige Beispiel ist, fuhr der Lehrer fort, so ist doch das zweite um so merkwürdiger, als es durch seine unmittelbare Folge auch den Schlußworten des Propheten entsprach, welche lauten: „Dann rufe, und der Herr wird antworten." — In den Tagen des Schriftgelehrten Tanchuma that einmal Regen sehr Roth. Da kam man zu dem Weisen und sprach: „Meister! ordne einen Fasttag an, daß wir Regen bekommen". Der Weise that so ein und zweimal, aber kein Regen kam. Jetzt ordnete er ein drittes Fasten an und forderte zugleich die Gesammtheit auf, Wohlthätigkeit zu üben. Dadurch angeregt nahm ein Mann alles Geld, das er im Hause vorfand, und trat damit auf die Straße, um es unter die Armen zu vertheilen. Da trat auch seine frühere Frau, die er ihrer Unwürdigkeit wegen hatte verstoßen müssen, heran und sprach ihn um eine Gabe an. „O," rief sie, „gib diesem Weibe auch ein Almosen! Seitdem es Dein Haus hat verlassen müssen, ist ihm keine Freude mehr geworden!" — Als der Mann seine ehemalige Gattin so von Allem entblößt und in solcher Noth sah, ward er von Erbarmen ergriffen und gab ihr Alles, was er noch zum Vertheilen hatte. — Das sah ein Mann aus dem Volke und ging zu Tanchuma und sprach: „Meister! Du sitzest da, indeß die Sünde frei umhergeht!" — „Und was hast Du gesehen?" frug Tanchuma den Mann. — „Ich sah," antwortete er, „Den und Den mit der Frau, von welcher er sich geschieden, nicht nur sprechen, sondern ihr auch Geld geben; er würde aber dieses gewiß nicht gethan haben, hätte er nicht mit derselben die alte Verbindung wieder strafbar angeknüpft." — Tanchuma ließ den Mann kommen und sprach zu ihm: „Mein Sohn! Du siehst, wie alle Geschöpfe, Mensch uno Thier, in Noth sind und der Barmherzigkeit Gottes bedürfen, und Du kannst Dich noch so versündigen, Dich dem Weibe, das Du verstoßen, austs neue zu nahen, mit ihm zu sprechen und ihm Geschenke zu geben! vielleicht gar eine strafbare Verbindung mit ihm anzuknüpfen l" — „Meister!" erwiederte der Mann, „Haft Du nicht! selbst Alles aufgefordert, Wohlthätigkeit zu üben? Ich that Deiner Aufforderung gemäß und vertheilte meine Gaben unter Alle, welche sich vor meinem Hause gesammelt. Da trat die Arme unter dem Haufen der r Dürftigen und Elenden ebenfalls auf mich zu und sprach mich jammernd um ein Almosen an, und ich

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