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Der Israelit · 1864-05-04 · Heft 18 (4.5.1864) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 18 (4.5.1864)
Date
1864-05-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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S44 hätte bei diesem Anblick nicht von Barmherzigkeit ergriffen werden sollen! hätte mich Dem entziehen dürfen, der meines Fleisches ist!" — Da hob Tanchuma den Blick zum Himmel, legte die Hände ineinander und sprach: „Himmlischer Vater! Herr der Welt! Wenn dieser Mann, ein Mensch, ein Wesen von Fleisch und Blut, so leicht zu Schadenfreude und Grausamkeit geneigt, wenn dieser von Erbarmen ergriffen wird mit Dem, dessen Nahrung ihm nicht mehr obliegt, um wie viel mehr dürfen wir hoffen, daß Du Dich unser erbarmst, Du, auf Den Alles hofft, daß Du ihm Speise gibst zur Zeit! Du, der Du die Noth nur unter die Menschen sendest, um sie dadurch zur Barmherzigkeit gegen einander zu ermahnen, und dann selbst Barmherzigkeit zu üben!" — Und siehe, noch in derselben Stunde strömte ein wohlthätiger, fruchtbarer Regen vom Himmel herab, und das Wort des Propheten erfüllte sich ganz: „Entziehe Dich nicht Dem, der Deines Fleisches ist, — dann rufe, und der Herr wird antworten." — Die Vertreibung -er Juden aus Tyrnau, in der Mitte des 17. Jahrhunderts. (Fortsetzung.) Doch der Jüngling hielt freimüthig diese Blicke aus, und erwiederte mit feierlichem Tone: „Bei dem Allmächtigen! Mein Herz ist frei von jeder solchen Regung, und nicht irdische Wünsche, sondern die reinste Ueberzeugung hat mich in meinem Entschlüsse bestärkt. Wie ich zu diesem Entschlüsse gekommen? — Seit drei Jahren liege ich am hiesigen Seminar den theologischen Studien ob. Ta lernte ich die hebräische Sprache kennen, und von einem r nwiderftehlichen Reiz getrieben, drang ich immer weiter in der Literatur derselben vor, forschte in den Schriften euerer Gesetzes!» hrer, und inlmer fester wurzele in mir das Bewußt ein, daß nur m euerem Glauben das wahre Her! zu finden ist. Darum, ich wüderhole meine Büte, weise mich nicht zurnck, eh. würdiger Rubbr!" Die volle Innigkeit und Hingebung, die in diesen Worten lag, rührten den Rabbi sehr; er konnte sich ungeachtet aller Bedenken des Eindrucks, den sie auf ihn machten , nicht erwehren. Er schwieg einige Minuten, mit sich selbst kämpfend, und um noch einen letzten Versuch zu machen, stellte er dem Jüngling vor, daß die Frommen und Tugendhaften aller Nationen des Seelenheils theilhaftig sind; er stellte ihm die vielen und strengen Pflichten der jüdischen Religion vor; als aber der junge Mann mit Thränen in den Augen bat und flehte, daß er ihn nicht zurückstoße, da konnte er nicht länger wiederstehen, und er sprach: „Wohlan, mein Sohn! ich weise dich nun nicht zurück. Gönne mir aber drei Tage Zeit, um über die Mttel nachzudenken, die uns zum Ziele führen können." Dankend küßte der Jüngling die Hand des Rabbi und verließ das Haus. — Als der Jüngling sich entfernt hatte, ertönte vom nahen Thurme der Glockenschlag der Mitternachtsstunde. Rabbi Nachum wollte in seiner unterbrochenen Beschäftigung fortfahren; allein das eben Vorgefallene hatte ihn zu sehr aufgeregt. Seine Gedanken beschäftigten sich noch immer mit dem sonderbaren Jüngling, und immer austs Neue stiegen die Befürchtungen m seiner Seele auf, die er mit aller Macht "der Vernunft nicht niederzukämpfen im Stande war. Er überdachte die traurigen Folgen, die dieser Schritt nach sich ziehen könnte. Vielleicht gehörte der Jüngling einer hohen Familie an, was sollte nun sem Schicksal sein? Mühte er nach geschehenem Uebertrttt nicht sem Vaterland heimlich verlassen? Und wird sein bloßes Verschwinden nicht schon hinreichen, um auf die Juden Verdacht zu werfen? . . . Diese und noch viele andere Besorgnisse ängstigten ihn. Er gewann endlich so viel Ruhe, daß er sch bis zum Wiederkommen des Jünglings nicht mit Besorgnissen zu quälen und den ganzen Vorfall geheim zu halten, vornahm. Erst das allmähliche Matterwerden des Lampenlichts mahnte den Rabbi an die späte Nachtzeit. Er suchte sem Lager auf, um des Morgens wieder neugestärkt fernem Bernie obliegen zu können. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Ln Königsberg in Pr. wird für zwei Knaluu, welche tw Teuia und Quarta des Gymnasiums besuchen, ein Hauslehrer gewünscht. Derselbe muß grüi dliches hebräisches Wissen und vollständige Gynmasialbüdung besitz, n, um seme Zoglmge in den Rellgionsgegcusiäl tun mit E> folg zu uutemchttn, Mid bei ihren andern Lehrfächern ihnen nachzuhelfen. Gleichzeitig wird die Fähigkeit deS Musikunterrichts verlangt. — Jährlicher Gehalt beträgt nebst freier Station 2l,0 Thlr. pr Cour., und ist dem Reflectanten hier 8ie beste Gelegenheit zu seiner eigenen w itern Ausbildung geboten. Mit Zeugnissen über Kenntnisse und Befähigung wende mail sich an Isaak St«onson in Königsberg in Preußen.

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