Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1864)
- Date
- 1864-05-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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düngen aufgehetzten muselmännischen Bevölkerung ausgesetzt Und was den Vorstellungen der fremdländischen Consuln nicht gelang, den Fanatismus der Behörden des Sultans von Marocko zu bändigen, daS vermochte Sir MofeS Montefiore. Er landete in Tanger, und wie einen Erretter und Befreier grüßte ihn Alles, was nicht Muselmann hieß, in den Küsteustädten. Der Ruhm seines Namens war ihm vorausgeeilt bis in die glühende Wüste und bis in den Palast des Autokraten. Und so kam es, daß, als der Achtzigjährige die lange Reise nach der Hauptstadt antrat, über eine Woche lang der sengenden Sonne der nordwestlichen Sahara ausgesetzt, ihm der Sultan mit 10,000 Mann seiner glänzend, n Haustruppen entgegenzog und ihn als seinen Gast über seine Schwelle führte. Es war wie eine Scene aus Lessing's „Nathan dem Weisem", wo ein Saladin den ehrwürdigen Hebräer in seinem Palast bewunderte. Und Montefiore überreichte sein Memorial für „ Juden und Christen". In unglaublich kurzer Zeit batte er die Freude, das Toleranz-Edict des Sultans wie einm langersehnten mühsam errungenen Schatz nach Tanger zurückzubringen. Und so nahm der neue „Baladin" von dem neuen „Nathan dem Weisen" hochherzigen Abschied. Dieser hatte wiederum eine halbe Million von Leidenden aus Drangsal und Elend erlöst, dem Sclaven die Bande abgenommen und „Besseres" gethan, als viele „Helden" unserer Tage. Am Donnerstage den 7. April d. I. beschloß das Common Council der City von London, unter Vorsitz des Lord Mayors, ihrem Mitbürger seit mehr denn 60 Jahren, dem unermüdlichen Arbeiter für Befreiung und für das Glück der Menschheit, Sir Moses Montefiore, Baronet, eine Votivtafel in goldenem Rahmen einzuhändigen, und zwar in voller Versammlung. Feuilleton. Entziehe Dich nicht Dem, der Deines Fleisches ist!*) Von -U. VeirUI»«. Ern Lehrer des göttlichen Wortes, nachdem er seinen Schülern das achtundfünfzigste Kapitel des JesaiaS vorgetragen und daselbst die Worte gelesen: „Brich dem *) Nach Jeruschalmi ketub. XI, 3. — Ber. ,ab. par. 17 par. 3'. — Wajikr. rab. par. 34. — Jalk. Ber. Ar. 23. — Jalkut Behar. S. 194. — Jalk. Jes. Nr. 352. — Vergi. au Jalk. Rveh S. 260, d. Hungrigen Dein Brod und bring den umherirrenden Armen in Dem Haus l Siehst Du eine» Nacken, bekleide ihn, und entziehe Dich nicht Dem, der Deines Fleisches ist!" — sprach zu denselben^. „Man darf diese Ermahnung des Propheten, sich nicht Dem zu entziehen, der unseres Fleisches ist, in dem allgemeinsten Sinne nehmen und darunter jeden Menschen verstehen. — Haben wir doch, wie der Prophet Malachai sagt. *) Alle einen Vater, hat doch ein Gott uns geschaffen, und wir dürfen gewiß auf die Barmherzigkeit Gottes hoffen, wenn wir barmherzig gegen den Menschen sind oder, wie der weise Lulianos, Sohn CHLje's, sagt: Wir dürfen erwarten, daß Gott unser Haus segnet und für unsere Hausgenoffen Sorge trägt, wen» wir uns seiner Hausgenossen annehmen. Der Mensch, sagte er, hat vier Hausgenoffen: Sohn und Tochter, Knecht und Magd, und auch Gott hat seine vier Hausgenoffen, den Leviten und den Fremdling, die Waise und die Witiwe, und darum sagt auch die Schrift: Du sollst Dich an Deinen Festtagen freuen, Du, Dein Sohn uns Deine Tochter, Dein Knecht und Deine Magd, wenn Du Sorge trägst, daß auch Gottes Hausgenossen, der Levite und der Fremdling, die Waise und die Wittwe mrt den Festtagen sich freuen können. — Also, wie gesagt, wir dürfen die Ermahnung des Propheten in ihrem allgemeinsten Sinne nehmen. Um so mehr aber gllt die Ermahnung in ihrem wörtlichen Sinne, daß wir unsere Hilfe und unfern Beistand unserem eigenen Fleische, unfern Verwandten, nicht entziehen dürfen, und in diesem Sinne will ich Euch zwei Erzählungen eines derartigen edelmüthigcn Beispiels aus der Vorzeit mittheilen. — Der Schriftgelehrte Jose aus Galiläa hatte ein bilterbö es Weib, bitterer als der Tod, wie Salomo sagt, das ihm nur zur Qual lebte und ihn selbst vor seinen Schillern mit Geringschätzung behandelte. Darum sagten auch die Schüler zu ihm: „Meister, gib Deiner Frau den Scheidebrirf und entlaß sie aus Deinem Hause! Denn wahrlich, sie ist Deiner nicht würdig." — „Nicht gern,- antwortete Jose: „sie ist meiner Schönster Tochter und von einer würdigen Familie; auch wäre es mir nicht möglich, die reiche MiLgift, die sie emgebracht. ihr w.einr zu eiskalten." — Eines Tages hielt Jose zugleich mit einem andern reichen und angesehenen Weisen Vortrag im Lehrstücke. Nachdem sie ihre Vorträge geendet, sprach Jose M lemem wenn auch jüngern Lehrgenoffen: „WM der Meister wohl mit mir nach Hause gehen?" — „Gern," eranederte der Lehrgenoffe. — Als fie nun in das Haus emtraten, trat die Frau, mürrisch zur Seite blickend, aus der Küche. Jose sah einen Tops auf dem Herde stehen und frug: „Hast Du wohl etwas zu essen im Topfe da? ich bringe einen Lieben 0 Malacht 2, 10.