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Der Israelit · 1864-05-04 · Heft 18 (4.5.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 18 (4.5.1864)
Date
1864-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage z« Nr. 18 des Israelit. AertrurgSrrachriehterr u«d Correspondenzen. Österreichischer Kaiserstaat. Cisenftadt. (Dringende Mittheilung.) Ich fühle mich gedrungen, '2"risr r«en .-«L"2v p"v M'pO eine mir eben gewordene, bereits von mehreren Seiten bestätigte Nachricht zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Zu den unerhörten Mißbräuchen, welche mit Lein Verkaufe von rn'L'2, die den religionsgesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen, getrieben wird, kömmt «och folgende Gewissenlosigkeit: Es wird nämlich ein den Posamentirern sehr wohl bekanntes Gespinnst, Namens Jspian, an vielen Orten — es ist kaum glaublich — für — M'L'Ll verkauft. Dasselbe soll nach einigen der mir gewordenen Berichte aus Kameelhaar, nach andern aus Ziegenhaar bestehen, ist ein ursprünglich englisches Fabrikat, dem die verschiedensten Farben gegeben werden. Mehrere hier in Ungarn von 'ro bereits darüber'angestellte Untersuchungen haben leider diese trostlose Thatfache bestätigt. Wer sich hierbei ferner indifferent einer Täuschung hingibt, läuft Gefahr, alle Tage em oder mehrere Male nbLQb .->2-2 zu sprechen, ein in dieser Weise zum Anziehen verbotenes Gewand zu tragen, und eine zu versäumen. Di-. Hildesheimer, Rabbiner. England. Aus London, 13. April, schreibt man der „neuen Frankfurter Zeitung": „Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es 80 Jahre, «nd wenn es köstlich gewesen, ist es Mühe und Arbeit gewesen!" Das ist die Psalmmsprache. Wir haben es bewundert, wenn die Jugend leicht Ihr Leben im Kampfe verwettete, wenn, wie im Krimkriege geschah, Zunge englische Edelleute, von denen viele eine halbe Million Revenuen ihr eigen nannten, allen Verlockungen des unabhängigen Friedens daheim widerstehend, nach der öden Halbinsel sich einschifften, um in den fürchterlichen Chargen an der Alma, bei Jnkermann «nd an dem Malakow durch eine Kugel aus der Reihe der Lebendigen gerissen zu werden. Und es galt nicht einmal der heiligen Sache von Haus und Herd! Doch, wie es in einem modernen Hos von Titus Ulrich heißt: Die Jugend wüstet mit den goldnen Tagen, Ob ihr's das Alter gleich verargt, Das bang mit seinen Bleisecunden kargt, Die schwere Schuld des Lebens abzutragen! Viele können sterben für die Freiheit und können nicht für sie leben, wie z. B. unsere Nachbarn in l» lrells k'rs.uee. Aber es gibt ein Heroenthum im „Leben" für die Freiheit und für die Menschheit, und je dauernder dies Heroenthum der „Mühe und Arbeit" b:s über die 70 und 80 Jahre hinaus, je tiefer unsere Verehrung; noch mehr dann, wenn diese „Müh und Arbeit" unternommen wurde, obgleich Reichthum und Wohlleben und äußere Ehre ohnehin schon in Fülle vorhanden war und den Müßiggang des Genusses in den Augen der Welt entschuldigt hätte. Achtzig Jahre ist Sir Moses Montefiore! Europa ist vertraut mit dem Namen dieses unermüdlichen Menschenfreundes, eines Helfers in großen und wichtigen Dingen für Tausende und insbesondere für seine Glaubensgenoffen, die Israeliten. Schon vor 24 Jahren, 1840, rieß er sich los von dem reichen Leben in London und wanderte nach Osten, durch die syrischen Wüsten, nach Damaskus, und erlöste viele Lausende aus Gefängniß und Tortur, in welcher die Juden nach verläumderischer Anklage lange geschmachtet hatten. Das mächtige Amulet „Oivis Lritauuious sum!" öffnete ihm freilich viele Thüren, die Andern verschlossen geblieben, aber schon die Mühe, bis an deren Schwelle zu gelangen, war eine unsäglich große und hätte minder energische Charaktere abgeschreckt. Sechs Jahre später stand er vor dem Zar von Rußland, und es gelang ihm, Erleichterungen für seine schwergedrückten Glaubensgenoffen zu erzielen. Wie er sorgte und arbeitete im Jahre 1859, schon über 70 Jahre alt, alle europäischen Höfe bereifte und jahrelang schrieb und mahnte, um den jüdischen Knaben Mortara zu befreien, das ist noch bei uns allen in frischem Gedächtnis Die Entrüstung Europa's stand dem würdigen Greffe zur Seite, aber — zur Schande unseres Zeitalters sei es gestanden — sie forderte vergebens. Roms Non po88uwu8 trotzte dem Weherufe der beleidigten Menschheit. Und wieder gegen Ende des vorigen Jahres raffte der Hochbetagte sich auf in London, obwohl kurz vorher der langgetreuen Lebensgefährtin, seiner Gattin, durch den Tod beraubt, und, den eigenen tiefen Gram niederkämpfend, sah er nur auf das Elend seiner Religionsgenoffen im fernen barbarischen Marocko Schwach an Krgften, aber stark in dem Muthe, den opferwillige Menschenliebe verleiht, verließ er von Neuem seinen Palast zu London und reiste nach Afrika , alle Strapazen überwindend, ein Jüngling im Geiste, wie weiß auch der Scheitel. Solchen Geistern wird das Lllter „wieder blühsam", wie unsere tiefsinnigen Dichter im Mittelalter gesungen. Juden wie Christen waren dort gerade um diese Zeit den furchtbarsten Verfolgungen seitens einer durch wahnwitzige Verleum-

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