Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 16-17 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Der edle Heeder hat sich gewiß die Schulzustände in Ungarn nicht träumen laßen. Und nun gar bei uns, in der H-gyalyja, Lehrer einer Jugend zu sein, der frühzeitig im eigenen Elternhause Haß, oder mindestens Widerwillen gegen die Schule emgermpft wird! Welchen Kindertrotz, welche Widersetzlichkeit hat der Lehrer hier zu bekämpfen; mit welchem schreienden Hohn treten chm die Ntern hier entgegen! — Doch exewpla!1lustr»nt rsru. Es gehört zur Beleuchtung unserer Situation, daß ich Ihnen Geschichtchen erzähle, — Geschichtchen, unglaublich aber wahr. Eüier der tüchtigsten Lehrer Ober-Ungarns, angestellt an der öffentlichen Hauptschule einer altconservativen Gemeinde, wurde aus dem freien Schulhof, in Gegenwart der Schuljugend und seiner Collegen von einem Roßkamm geohrfeigt, weil er dessen Kind einer leichten Strafe unterzog!! Aber sehen wir weiter, welche Vorstellung man sich sonst noch in unserer Gegend über den Lehrer zu machen beliebt. Ein reicher und tonangebender Particulier wagte einem biedern Lehrer, der sich durch viele Jahre einen Sparpfennig für das Alter erkargt, die Bemerkung ins Gesicht zu schleudern, daß er, der Reiche, Niemanden an einer Schule dulden würde, der etwas mehr besitzt, als seinen kärglichen Gehalt. Nehmen wir den Fall an, der durchaus nicht unmöglich ist, daß der oben gedachte Roßkamm vom Schicksal begünstigt, sich ein feines Vermögen erwirbt, wodurch er so nobel wird, um zum Vorstand seiner Gemeinde avanciren zu können — und er avancirt. Oder ein noch näher liegender Fall: Jener Particulier setzt sich in den Kopf, Direktor der Gemeindeschule zu werden uud er wird's, denn er ist in seiner Kehilla allvermögend und diese, — nun wozu sonst besäße sie auch Gemeinde-Autonomie! Aber in beiden Millen behüte Gott die armen Lehrer, und welche Zunmft steht ihnen nicht bevor?! Also wer Augen hat, der sehe: Um gut organisirte Schulen zu haben, muß der Lehrer vor allem vor Chicanen sicher gestellt werden , weil sich sonst kein begabtes Individuum zum Lehrer qualificiren möchte, oder es müßte bereits mit allen Hoffnungen und Erwartungen traurige Abrechnung gehalten haben, und wir kämen dann mit einem Mal wieder in die alte Wirtschaft mit allen ihren Eonsequevzen hinein.... Aber es dürfte auch von dem Einsichtsvollen das entgegengesetzte Bedenken des vpI'i p-w' Platz greifen. Wie, wird der definitiv angestellte Lehrer in seiner gemülhlichen Behäbigkeit auch seinem Berufe getreulich leben? Wird er nicht den Sorgen enthoben, seinen heiligen Pflichten mit sündhafter Nonchalance Nachkommen? Ihr Herren könnt diesfalls unbesorgt sein; denn der Beruf des Lehrers ist bei all dem ein schwerer, dvrnenreicher, der das Herz niemals zur Ruhe kommen laßt, und er ist wieder ein durchgeistigter, gottdurchweheter, der immer seinen Träger wach erhält und ihn niHst in schlaffe Trägheit versinken läßt. Immer vorwärts! Immer aufwärts! ist und muß die Parole des wahren Lehrers sein; wie könnte der also nachlässig in der Ausübung seiner Pflichten, wie könnte er träge in der Beförderung des Guten sein? Der Lehrer hat einen idealen Berus und sollte schon darum nicht in den Staub der Alltäglichkeit herabgezerrt und von jedem, der die Lust und die Macht dazu zu haben glaubt, beleidigt werden können. Die vorgebrachten Thatsachen lasten sich nicht wegdemonstriren. 8iuv illas laerimao, und vor der unleugbaren Logik der Thatsachen beugt auch unser erleuchtetes Jahrhundert sich. I. H. Löw. Nachträglich die Bemerkung, daß in meinein Artikel „Israelit, Beilage Nr. 3—5" sich folgende Sinnentstellende Errata eingeschlichen haben: S. 39. Spalte 1. winterlich traurige Nebel, muß heißen: NebÄ. Daselbst weiter unten: der niedergefallene Geist, soll heißen: niedergehaltene. S. 66. mein Citat aus Hrn. Sterns Schreiben ist corrumpirt und muß die hebräische Phrase nach: in seiner Art gepriesen: pm-> Via u. s. w. kommen. Löw. Kerrilketorr. -S Frömmigkeit und Frevelmut-. Von Etwa gegen Ende des 12. Jahrh., am Jom- Kippur, stand der greise Vorbeter der Gemeinde zu Speier in tiefer Andacht an seinem Beipulte, an der Spitze der Gemeinde. Der Mann war durch seine Frömmigkeit so ausgezeichnet, daß er den Beinamen Chasid, d. h. der Fromme, erhalten hat.*) Da trat einer der angesehensten jungen Herren von Speier, der schon im fürstlichen Rathe saß, mit einigen Genosten seines Alters geräulchvoll in das Gotteshaus, und als er den Vorbeter in so scheinbar tiefer Andacht sah, ohne ihn und seine Genoffen im Geringsten zu beachten, da sprach er zu denselben in frevlem Uebermuthe: „Ich muß doch sehen, ob des Mannes Frömmigkeit die Probe hält. Sehet nur, wie er dastehet, die Augen stets gegen den Himmel gerichtet und gar fleißig *) R: Samuel Cbafit, Vater de» bcfanulen, durL die Saqe bochaefrierten urd 1217 zu Regeusburg verstcrdenm R. Jehud« Lhafid —