Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 16-17 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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226 lesen vermochte, der das ganze Jahr vorher die jüd. Speisegesetze übertreten urä endlich bei seiner Ankunft in Prag mehr als 100 fl. baares Geld besaß. Dieser Kandidat ist in erster Reihe als der verdienstvollste, > würdigste und dürftigste anerkannt worden, dieser war > es auch, der sein Votum über seine Collegen abgegeben hat. Auf diese Art zu Werke gehen, heißt so viel als das Treiben der vormaligen Repräsentanz beschönigen. Wäre es nicht besser gewesen, die Stipendien bei 150 fl. pr. Jahr zu lassen, die würdigsten und tüchtigsten aus jüdischem Gebiete herauszusuchen, das Vorleben der Kandidaten genau in Erwägung zu ziehen, um wenigstens sechs tüchtige jüdische Lehrer heranbilden zu helfen? Bei einem Stipendium von 60 fl. kann der Kandidat dem Studium hebräischer Lehrfächer äußerst wenig Zeit zuwenden, da er ohnehin an der Musterschule viel Beschäftigung hat und, einem neuen Ministerial-Erlasse zufolge, der Musik und dem Gesänge viel Zeit widmen muß und obendrein gezwungen ist, täglich zwei bis drei Stunden Privatunterricht zu geben. Welches Heil gewähren dann bei solchem Bewandnisse — und alles dies ist unläugbare Thatsache — die Stipendien dem Judenthume? Es ist nicht daran genug, ein io wichtiges Amt wie das der Lanvesjuden- Repräsentanz als ein Ehrenamt zu betrachten; sondern es ist auch höchst nöthig, dasselbe in Ehren zu halten, und wollen diese Herren dem Gebühren der vvrmal. Repräsentanz nicht die Krone aufsetzen, so müssen sie auch mit Gründlichkeit zu Werke gehen und jedem Gegenstände die gebührende Aufmerksamkeit schenken, bevor man ihn zum Abschlüsse bringt; was aber bei oben beregtem Gegenstände nicht der Fall gewesen zu sein scheint. Wer übrigens meine früheren Korrespondenzen sowohl in diesem Blatte, so wie in anderen Journalen kennt, wird mir das Zeugniß nicht versagen, daß ich nur der guten Sache zu Liebe schreibe und durchaus nicht die Absicht hege, irgend ein Institut! ohne Noth zu bekritteln oder Jemandem schaden zu wol-! len. Meine Absicht ist, mit gegenwärtigen Zeilen die! würdigen Männer der Repräsentanz auf begangene Fehler durch zu oberflächliches Verfahren aufmerksam zu machen, damit sie solche in Zukunft vermeiden können. PH. Lederer, Oberlehrer. S. A Ujhely. Mit welcher ernsten Consequenz die ungarische Statthalterei an die Verwirklichung ihrer gefaßten Entschlüsse geht, beweist die schnelle Erledigung der Rabbinerseminar-Angelegenheil; ob ganz zweckdienlich oder nicht, dies zu entscheiden, ist nicht meine Sache. Jetzt wartet nur noch die Schulangelegenheil auf ihre endliche Lösung. Und so mag nun jeder Lehrer, dem die Sache wichtig erscheint, in dem chm für zweckmäßig dünkenden Organ seine Erfahrungen und Wünsche niederlegen, in der ruhigen Erwartung, daß sie die geziemende Würdigung finden werden. Sollte ich hierin den Reigen eröffnen, so mögen meine Herren Collegen kn Rah und Fern es mir zu gute halten, da ich seit meiner frühesten Jugend und beinahe achtzehn Jahre schon auf schulmännischem Gebiete unausgesetzt thätig bi». Läßt sich da in Abrede stellen, daß ich während einer derartigen Reihe von Jahren viel des Ernsten erlebt, Ansichten geprüft, Meinungen erwogen und geläutert habe? Deshalb erlaube ich mir vor vielen Anveru gewisse Wünsche mit Bezug auf Schule und Lehrer vorzutragen. Muß ich erst sagen, daß dabei nicht persönliches Interesse, sondern das Heil der jüdischen Schulen unseres theuern Vaterlandes mir in seiner ganzen Größe vorgeschwebt? Ich habe also nicht zu fürchten, daß ich in den Unrechten Ton gerathea oder gar Mißfallen erwecken werde, well das Wahre in jeder Form wahr bleibt. Vor allem sollte nur erprobten Lehrern die Controle über die Schulen anvertraut werden, oder müßten es durch Gelehrsamkeit und edeln Charakter ausgezeichnete Rabbinen sein, die für den armen Lehr« um so eher Theilnahme bewahren, nachdem sie selbst aus den Hütten der Armuth hervor gegangen, und deren früheste Erinnerung in Entbehrungen wurzelt. Solche Rabbinen E' sn-rp wpQQ alle Fromme, Söhne der edeln Frommen (B. M. 85 a.) haben für den Lehrer ein ganzes Herz und sie werden als Inspektoren der Schulen uns höchlich willkommen sei».. Diese Schulen selbst müßten sämmtlich auf sichere« Fundamenten beruhen, damit nicht jeder Wechsel der politischen Temperatur auf dieselben einzuwirken vermöge. Wir haben es erlebt, daß eine leise Umwandlung in den staatlichen Verhältnissen die jüdisch«! Schulen Ungarns recht unsanft berührte. Wir zählen heut zu Tage viel weniger Schulen im Vaterlands als zur Zeit der Centralisation! Woher nu» die Lehrer nehmen, die, für ihren Beruf begeistert, sich entschlössen, ihr ganzes Geschick und, mehr noch, das der Ihrigen einem vom Sturm zerpeitschten Wrack anzuvertrauen, und immer in die brausenden Wogen hinein zu schwimmen, ohne daß dem kühnen Schiffer ein bergendes Eiland winkt? Deshalb ist esnothwendig des Lehrers Zukunft möglichst sicher zu stellen, damit er sich und die Seinen geborgen wisse, und die Sorgen des Alters, dieses bisherige Schreckbild für den Lehrer, vor dem Licht der besseren Ordnung weichen. Mit andern Worten: Wittwen- und Versorgungsanstalten zu bilden, die dem Lehrer in Krankheit und Alter, und nach dessen Tod den Seinen sichere Versorgung gewähren. Gewiß eine billige Forderung. Was ist oft das Loos des Lehrers in Ungar»; „Mancher lernte die Kunst des BogenS: sie zu beweisen, Nahm er den Lehrer zuerst, nahm ihn vor allen zu« Ziel."