Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 16-17 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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ZweiteBeilagezuNr. 16 L17 desZsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 23. März. Der den Kompert'- schen Preßproceß betreffenden Erklärung, welche bereits 160 Unterschriften zählt, haben sich noch folgende Herren Rabbinen angeschloffen: Arnstein, Abraham, Rabbiner zu Bartfeld. Dabad, Josef, Rabbiner des Tarnopoler Kreises, Galizien. Felfeker, Nachum Neuben, Kreisrabbiner zu Rzezow, Galizien. Halberstamm, Ahron, Kreisrabbiner, j zu Neu-San- Halberstamm, Chajim, Lokalrabbiner, j dez, Galizien. Meisels, Lipa, Kreisrabbiner zu Przemizl, Galizien. O österreichisch er Kaiserstaat. Ans Böhmen. Als vor mehr denn einem Jahre die hohe K. K. Statthalterei zur Wahl der Verstärkung der böhmischen Landesjudenrepräsentanz schreiten ließ, war der Jubel unter der Judenschaft Böhmens kein geringer, und das mit Recht; denn das Gebaren der vormaligen Repräsentanz war durchaus nicht dazu angethan, sich Sympathien unter ihren Gaubensbrüdern zu erwerben; die ewige Geheimnißthuerei hat ein so schiefes Licht auf die Richtigkeit hrer Handlungsweise geworfen, daß von allen Seiten dagegen gea. beitet wurde. Es mußte einmal Licht über die Sache gegeben werden. Das ist nun geschehen. Sämmtliches öffentliches Vermögen der böhmischen Juden, sowohl von der vormärzlichen Steuerpächtergesellschaft wie von der ehemaligen Repräsentanz wurde übernommen und sorgfältig geprüft. Wir sind noch heute erbaut von der Willkür der alten Selbstherrschaft. Es ist bekannt, daß ohne Vorwiffen auch nur eines geringen Theiles böhmischer Juden die Bewilligung zur Errichtung eines Waisenhauses erwirkt wurde, ohne zu bedenken, daß das Geld aus dem Säckel sämmtlicher Juden Böhmens geflossen, diese daher auch das Recht, ja oder nein zu sagen, haben sollten, und vielleicht die Errichtung irgend eines andern Institutes dringender, gebotener finden und vorziehen würden. Doch über das und noch vieles, vieles Andere sind wir bereits hinaus und wollen es der alterthümlichen Gewohnheit jener Herren zuschreiben, nur die eigene Machtvollkommenheit anerkannt zu wissen. Waren es doch vormal. Steuerpächter, mindestens zum großen Theile, und dieser furchtbare Name allein ist schon geeignet gewesen, Schrecken und Demuth zu verbreiten. — Besprechen wir nun die Amtsthätigkeit der neuen Repräsentanz, so sollte man doch glauben, daß diese dreizehn Herren, als aus freier Wahl hervorgegangen, sicherlich mit tiefer, gründlicher Sachkenntniß ihre Mission erfassen werden. Nun wollen wir ein für die Zukunft unserer Jugend nicht unwesentliches Moment aus der letzten Sitzung hervorheben und einer nicht allzustrengen Kritik unterziehen, ob die Handlungsweise der Repräsentanz eine billige, mit der natürlichen Vernunft übereinstimmende sei. Es betrifft die Stipendienfrage. Dabei wurde entschieden, daß in Zukunft anstatt sechs Stiftungsplätze ä 150 fl. im laufenden Jahre neun ä 100 fl. zu vertheilen seien. Die Erledigung der Gesuche wurde dem Obmann Herrn Taussig aus Budin überlassen. Herr Taussig fand unter den 22 Bittstellern, deren Gesuche ihm Vorlagen, den weit größten Theil (mindestens 15), deren Gesuche gleich gut motivirt waren, die also sämmtlich verdienten, Anspruch auf Stipendien zu haben. Um nun noch sicherer zu Werke zu gehen, sendet Herr Taussig an einen Lehramts Kandidaten aus Budin, der in Prag den Präparandenkurs besucht, den Auftrag, derselbe möge über seine eigenen Collegen genaue Auskunft ertheilen, welche von denselben am meisten zu berücksichtigen seien. Der Herr Candidat nimmt sich noch einen zweiten, Namens" Dr—r zur Aushilfe, welchen er allsogleich als guten Bekannten in erster Reihe als den würdigsten und bedürftigsten hinstcllt, und die beiden Herren stellen miteinander ein Register zusanimen und senden es dem Obmann Herrn Taussig zu. Dieser ruft nochmals einige Herren Repräsentanten, die in der Nähe Prag's wohnen, zusammen und die Stipendien werden ganz nach dem Vorschlag der beiden Kandidaten vertheilt und anstatt 100 fl. werden 80 fl. pr. Jahr vertheilt, weil es doch 15 Kandidaten find. Nur oberflächlich den Gegenstand betrachtet, stellt sich schon die Verkehrtheit, mit welcher derselbe behandelt wurde, allsogleich heraus. Der Zweck der Stipendien kann doch meines Erachtens kein anderer als der sein, daß sich geeignete Jünglinge dem mühevollen Lehrerstande widmen und hierzu bilden mögen. Um diesen Zweck so viel als möglich zu fördern, ist auch der als vorzüglicher Hebräer und Talmudist bekannte Herr P. Spitz in Prag dazu angestellt, die Kandidaten des Lehrfaches im Hebräischen zu unterrichten. Wäre es daher nicht paffend gewesen, daß die Herren der Repräsentanz die Kandidaten einer Aufnahmsprüfung bei Herrn Spitz unterziehen und sich von ihm Auskunft geben ließen, welche die würdigsten und befähigtesten seien, das zukünftige Israel zu Juden heranzubilden? Lasten wir nun ein Factum reden. Der in erster Reihe stehende Kandidat Dr—r ist ein Mann, der bei seinem Eintritte als Lehramtskandidat das punktirte Hebräisch nicht fehlerfrei zu