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Der Israelit · 1864-04-20 · Heft 16-17 (20.4.1864) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 16-17 (20.4.1864)
Date
1864-04-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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224 «us, und zeigt den Geist, der bei dem Unterrichte dieser Anstatt wallet, in einem schönen Lichte. — Die Schule war im letzten Kurse von AZ Schülern und 130 Schülerinnen besucht, die in 4 Knaben- und 4 Mädchenklaffen unterrichtet wurden. Oesterreichifcher Kaiferstaat. Prag, 1. April. Es dürste Ihnen, Herr Redakteur, nrHt unwillkommen sein, einmal einen direklen Bericht über unsere Zustände zu erhalten; besonders, da sich jetzt die Ereignisse in der Kehilla bedeutend häufen. Vor Allem muß ich Ihnen anzeigen, daß der wackere Kampf der 160 Rabbinen gegen den anerkannten öffentlichen Unglauben hier in bedeutenden Kreisen große Sympathien erweckt; besonders geweht Rabbi Samuel Freund, der als Lamdon und Omed beperetz stets großen Einfluß hatte, eine bedeutende Popularität durch seinen muthigen Schritt. Man fängt an einzusehen, daß der Lamdon wirkliche Verdienste hat, wie er auch von der Partei der Gleichgültigen und Neologcn deswegen sehr gehaßt wird. Sein neuer Chibur auf dem Smag ist für junge Rabbinen sehr belehrend. Leider kämpfen wir hier mit einer Partei, die zwar klein aber mächtig ist und das Geld nicht schont, um Prag machariv zu sein. Der neue Prediger der Meiielsynagoge, vr. Stein, hat zwar bis jetzt noch keine großen Eroberungen gemacht, doch weiß er sich in Alles zu mischen und soll es sogar wagen zu paßkenen. Er hat sich, wie man erzählt, schon blamirt, was uns gar nicht auffallen kann. Indessen hat er noch nicht den Muth, die geringste Reform einzuführen, wovon ihm seine Anhänger selbst abrathen. Bis jetzt darf er noch keine Trauungen vornehmen. Der Oberrabbiner verweigert ihm die Erlaubniß dazu, bis er eine Prüfung aus Hilchoth Gittin und Kiduschin abgelegt haben wird. Damit hat es aber gute Wege, bis diese Prüfung zu Stande kommt. Wie es heißt, wird jetzt der alte Tempel umgebaut werden. Der Prediger, Prof. Kämpf, macht sich nicht als Reformer geltend; seine letzte Rede über den verewigten vr. Sachs hat Beifall gehabt. Derselbe ist im Berufe sehr konservativ. Was den Prediger der Neusynagoge, vn. Hübsch, betrifft, so hat derselbe bedeutende jüdische Studien für sich, er ist ein guter Maggid und genießt seines frommen Lebens und seiner Gelehrsamkeit im Talmud wegen eines ausgezeichneten Rufes. Vor Kurzem ist im Landtag die jüdische Eultusordnung an der Tagesordnung gewesen, dieselbe wurde einer Commission zur Berichterstattung übergeben. Ich schließe meine Correspondenz mit dem Berichte, daß über die so lange verhandelte Mikwah-Angelegenheit noch immer nichts Definitives erfolgte, und die Repräsentanz diese Sache mit unverantwortlicher Lauheit betreibt, was auch natürlich, da die betreffenden Herren sich wenig dafür interessiren, ob es eine ordentliche Mikwah in Prag gibt oder nicht. Es gereicht jedoch diesen Herren zum Lobe, daß für Talmud Thora jetzt mehr geleistet wird. L. Balafsa-Gyarmat. Diesmal hat meine Feder die Ausgabe, eine Ehrensache zu verfechten. Ein ^.-Corresondent von hier brachte in Nr. 13 des „Ben-Chan." eine Jeremiade über die Zerrüttung der hies. Gemeindezustände und schrieb sie, ehrlos genug, S. Ehrw. unserm verehrten Herrn Rabbiner D. Deutsch zu. Ich will nur eines von den vielen Verdiensten unseres Herrn Rabbinen hervorheben, das sowohl ihn, als auch genannten Referenten charakterisiren soll. Früher noch, als Rabbiner in Szebes, war Se. Ehrwürden bestrebt, dem Thoraftudium ein Asyl zu gründen und nach seiner Berufung hierher, war er, seinem Vorsatze treu bleibend, stets eifrigst bemüht, die Jugend durch persönliches Beisein und aufopfernden Unterricht, zur Gottesfurcht und dem Thorastudium zu erziehen. — Stets war der Unterricht von 40—50 Bechurim frequentirt, da seine Vorträge außerordentliche Geistesschärfe und tiefes Wissen bekundeten. Väterlich um das Wohl seiner Jünger besorgt, sind diese stets die treuen, gottesfürchtigen Schüler und Verehrer — wir überheben nicht, wenn wir sagen — ihres großen Lehrers und Meisters. Nun beschuldigt der anonyme Aufwiegler Se. Ehrw. der Hinderung des Tempelbaues, dessen Baugrund für 25000 fl. schon längst das Ergenthum der Gemeinde ist, und läßt er ihn, aus Furcht vor Einführung des modernen Gottesdienstes, gegen den Bau desselben agitiren, obschon der alte Tempel „ein baufälliges Gebäude ist" — was aber durchaus nicht wahr ist. — Welche nichtswürdige Beschuldigung! So oft der Herr Rabbiner die Kanzel betritt, hat er immer Mahnworte an die Gemeinde dieser Vernachlässigung wegen, und spricht innig die Wünsche für das baldige Zustandekommen des Tempelbaues aus, und wenn ihm die „herrschende Verwahrlosung mißfällt", wenn auch „der Gedanke an die Errichtung des Chores bei ihm nicht aufkommen kann", so hat er darin den Willen der Majorität der hies. Gemeinde-Mitglieder für sich, die im strengsten Sinne des Wortes orthod. Jehudim und Verehrer des Herrn Rabbinen sind. Nur eine kleine sowohl an jüdisch religiösem Sinn wie an Zahl unbedeutende Minorität will xar toroe die unstatthaftesten Reformen hier einbürgern, die jedoch mit jedem Versuch an dem wahrhaft religiösen Geist der Majorität scheitern müssen. Leop. Kutna. »er-mtw-riNch« Redattio«: »r. Lehman«. — Verlag der Le «avr'sche» Hold« »Handling. — DamnUchnellprefirndrnS von I. «SortSlebe» in Main».

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