Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 16-17 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 15. April. Gestern wurde die viertägige Prüfung an der Unterrichtsanstalt der hiesigen isr. Religionsgesellschaft beendigt. Unter zahlreicher Betheiligung des Publikums, und in Gegenwart behördlicher Fachmänner, wie auch sonstiger vieler Freunde des Jugendunterrichts wurden die Leistungen im letzten Schuljahre an den Tag gelegt, und diese lieferten aufs neue den besten Beweis für die segensreiche Wirksamkeit des Leiters und der Lehrer unserer Schule. Wir entnehmen den in der Einladungsschrift mitgetheilten Schul - Nachrichten Folgendes: „Die letzten Wochen brachten uns endlich noch die Erfüllung eines von unserer Anstatt lange und sehnlichst gehegten Dünsches. Der löbl. Vorstand unserer Religionsgesellschaft hat das unserem Schulhause benach-! barte Haus in der Rechneigrabenstraße nebst Garten für unsere Anstalt acquirirt und wird dasselbe schon mit Beginn des nächsten Schuljahres für unsere Zwecke in Benutzung genommen werden. Es werden unsere Mädchenklassen dorthin verlegt werden und der Garten endlich den so lange vermißten freien Spielplatz unfern Schülern und Schülerinnen gewähren. Wenn unsere Anstalt in dieser räumlichen Erweiterung eine wesentliche Förderung ihre Zwecke dankend begrüßt, so hat sie vor Allem in dem Ankauf dieses Hauses für unsere Anstalt die aufs Neue in so großartiger Weise sich betätigende, ungeschwächt opferfreudige Hingebung unserer Gesellschaft für unsere Anstalt mit Wendigstem Danke zu erkennen, nnd kann sich dadurch nur in ihrem unausgesetzten Streben zu einer immer fortschreitenden Lösung ihrer Aufgabe augespornt fühlen. Möge es unter Gottes Beistand unserer Anstalt gelingen, das ihr für die heiligsten Zwecke unserer Anstalt geschenkte Vertrauen in immer glänzenderer Weise zu rechtfertigen und sich als die Pflanzstätte einer Gott und Menschen wohlgefallcnden hoffnungsreichen Jugend dauernd zu bewähren. Auch einzelner Beweise eines von Freunden unserer Anstalt ihr zugewandten Wohlwollens haben wir dankbar zu gedenken. Von dem sel. Herrn Moses Jeidels erhielt unsere laufende Schulcasse' ein Legat von 1000 fl.; ebenso von der sel. Frau Esther Stiebel ein Legat von 400 fl. Der ungenannte Stifter unseres Fonds für die weitere Ausbildung von Schülerinnen unserer Anstalt hat denselben durch eine fernere gütige Spende von ZOO fl. vermehrt." Die genannte Einladungsschrift enthält eine sehr interessante, ziemlich umfangreiche Abhandlung „über den deutschen Sprachunterricht" von I. M. Japhet, ordentl. Lehrer der Anstalt. In edler Diction, voll gediegener Klarheit und gründlicher Schärfe wird darin dem naturgemäßen Fortgang des deutschen Sprachunterrichts das Wort geredet, und für dessen Hebung und Veredlung mit Begeisterung plaidirt. Sie schließt mit den schönen Worten: „Ihre Sprache ist, wo nicht das einzige, doch das edelste und theuerfte Gemeingut der Deutschen. Uuvertilgbar sind uns die ersten Eindrücke, die wir durch ihre Vermittlung empfangen haben, unvertilgbar die Liebe zur Heimath, an welche sie uns, auch in weiter Ferne, mit zarten und doch so festen Banden kettet. So möge sie unfern Kindern erhalten bleiben, wie wir sie ihnen zuführen durch die Meisterwerke vaterländischer Schriftsteller, durch das Leben und die sinnige Betrachtung der Natur. Die Wahrheit aber führt hin zu echter Redlichkeit in Gesinnung und Handlung, zu ihr, welche der köstlichste Schmuck des wackern Mannes ist, und so weit unsere Geschichte zurückreicht, ewig der Stolz der Deutschen mar." Aus der Feder eines jüdischen Lehrers an einer orthodoxen Unterrichts-Anstalt geflossen, können solche Worte nur für den Geist des Patriotismus Zeugniß ablegen, der auch hier, unbeschadet aller religiösen Strenge, Lehrer und Schüler beseelt. Pfungstadt (bei Darmstadt), 14. April. In den letzten drei Tagen fanden an dem seit mehreren Jahren hier bestehende Lehr- und Erziehungsinsiitut des l)r. Jo öl die öffentlichen Prüfungen statt und gingen dieselben unter recht lebhafter Theilnahme der eingeladenen Gäste mit dem besten Erfolge vor sich. In dem zurückgelegten Schuljahre war die Frequenz der Anstalt wiederum in steter Zunahme begriffen Das Lehrerpersonal hat im Lause des verwichenen Jahres keine Veränderung erfahren. Wer da weiß, welchen nachtheiligen Einfluß der häufige Lehrerwechsel auf eine Schule ausübt, und wie er für die Schüler fast die Bedeutung eines so überaus schädlichen, die normale Ausbildung derselben störenden Wechselus der Schule hat, der wird es mit uns als einen besonderen Segen für die Anstalt begrüßen, wenn es ihr gelungen, die segensreiche Wirksamkeit ihrer tüchtigen, bewährten Lehrkräfte sich unverkürzt erhalten zu haben. Daß dies günstige Verhältniß auch ferner dieser Anstalt gewahrt bleiben möge, ist unser sehnlichster Wunsch. Die Lehrmittel der Schule sind durch Anschaffung der nothwendigften chemischen Apparate und Anlegung eines kleinen chemischen Laboratoriums wesentlich bereichert worden Mit Dank erwähnen wir, daß der Lehrer für Naturwissenschaften, Herr I)r. Reitz, ein schönes Exemplar eines großen Luftballons der An-