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Der Israelit · 1864-04-20 · Heft 16-17 (20.4.1864) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 16-17 (20.4.1864)
Date
1864-04-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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280 thodoxen die schwerste Gewissenslast hieraMs entsteht, wenn das nicht der Fall ist. In Würdigung dieses Grndsatzes erlaubt die k. k. Regierung in Oesterreich einer an Zahl geringen orthodoxen Gemeinde die Lostrennung von den, Neologen, während sie den umgekehrten Fall untersagt. Dieses mein unmaßgeblicher Vorschlag. Aber nochmals rufe ich euch zu: Arbeitet mit heiligem Eiser und suchet das Versäumte nachzuholen! Auch in Bayern hatten wir unsere harten Kämpfe und es gelang mit des Himmels Hilfe, daß unsere ernsten unausgesetzten Anstrengungen endlich den Sieg davon trugen. Würzburg im Monat April. E. R. Rosen bäum. Wirksame aber verwerfliche Waffen. lH Seit Monden wüthet ein erbitterter Federkampf in der gesammten jüdischen Tagesprefse. Hüben und drüben fährt man einander mit wahrer 23erserkerwuth in die Haare, und zieht und zerrt und reißt so lange und ausdauernd herum, bis es fast den Anschein hat, an Inden und Judenthum sei kein gutes Haar mehr. Was ist wohl des Kampfes Hebel und warum dringt die bessere Ueberzeugung nicht in die Masten? Woher diese Zerfahrenheit und warum ist das Anstreben der frommen und gesetzestreuen Israeliten von so geringem Erfolge? Suchen wir uns die Situation klar zu machen, und wir werden die Antwort auf diese beiden Fragen bald finden. Der Zankapfel, welcher jetzt in Israels Lager geworfen, er heißt — Messias. Er ist die Achse, um die sich Zank und Hader drehen; er die Ursache, von welcher das Zerwürfniß seinen Ausgang nimmt. Hie Guelsen — kein persönlicher Messias, dort Ghibellinen — ja persönlicher Messias, dienet zur kurzen und endgiltigen Beantwortung des ersten Theiles der Frage, die, so ernst an und für sich, auch zu einer etwas humoristischen Austastung sich schickt und eignet. Nach der Tradition treten vor der Ankunft des Messias drei wichtige Ereignisse ein. „Alles Seelenleben wird aus Israel schwinden — 72 ip — Kein Heller mehr in der Tasche — ->p O'27> 12 .1N7S — und endlich erreicht die Unverschämtheit und die Anmaßung den höchsten Grad — SOO' KOLM tti-povi M2PP2. — Wer wird wohl in Abrede stellen wollen, daß diese drei Merkmale der messianischen Zeit bereits größtentheils eingetreten sind? Mag man sie summt oder sonders betrachten, man wird ausrufen : Haunibal «st avts kortaw! Jedes Seelenleben, jede heilige Regung zur Veredlung des Geistes und des Gemüthes, die religiöse Weihe und gläubige Hingebung in allen Wechselfällen des Lebens, so wie endlich der lebendige Sinn für das GotteSwort und die Gottesfurcht ist aus einem großen Theile Israels bereits geschwunden und hat einer verderblichen Saat Platz gemacht. Der Hang zum Materialismus, die Sucht nach Vergnügungen und Zerstreuungen, die Zerworfenheit mit sich selbst und die Lockerung der heiligen Bande, welche das überkommene Gesetz um uns schlägt, sie wuchern und ersticken jeden Keim des Guten. Nicht minder ist das zweite Omen in vielen Kreisen sichtbar. Der Wohlstand weicht dem Schwindel, die Geldklemme ist ungeheuer und die Armuth feiert ihre Triumphe. Ist etwa mit diesen beiden Zeichen das dritte nicht auch im Bunde? Ja wohl! die Chuzpa steht in voller Blüthe und hat bereits ihren Höhepunkt erreicht. Um von den vielen Beispielen, welche als Beweis für diese Behauptung sprechen, nur eins herauszuheben, wollen wir an die Chuzpa eines jüdischen Wochenschrift erinnern, die in der Haupt- und Residenzstadt der österreichischen Monarchie erscheint, und die in diesen Genre das Unglaubliche leistet. Gegen die ehrbarsten und edelsten Charaktere, gegen die Säulen des schwankenden und wankenden Israels, gegen die Männer der innigsten und historischen Ueberzeugung, die mit unvergleichlichem Glaubensmuthe für Gott und seine Lehre ihr Herzblut zu verspritzen bereit sind, gegen diese richtet sie ihre perfiden Angriffe ununterbrochen und unaufhörlich Keine talmudische Größe ist ihr heilig, kein historischer Name flößt ihr Respekt ein, und vor keiner echten und ungeheuchelten Frömmigkeit tritt sie scheu zurück. Und führt sie etwa den Kampf mit Anstand und Würde? Hält sie sich in den maßvollen Schranken der guten Sitte und Ehrbarkeit? Mit Nichten! Ihr Ton ist massiv, ihr Vorgehen schemenhaft dreist und ihre Herausforderungen find widerwärtig. Jede ihrer Spalten wimmelt von Schmutz und Plunder; es wäre eine Herculesarbeit diesen Augiasstall von seinem reichen Inhalte zu säubern. Ist der Troßbube endlich müde den Knüttel noch ferner zu schwingen, so werden aus der Rüstkammer einige sogenannte, verwitterte und fadenscheinige Witze hervorgeholt, um damit dem scandalsüchtigen Publikum einen Ohrenschmaus zu bereiten. Kneipenspäße und Eckensteherzoten wechseln mit einander ab, um das Heilige zu profanisiren und das Ehrwürdige in den Staub zu treten. Schon längst dagewesene Purzelbäume werden immer von neuem geschlagen; und äa caxo, cka. oapo, das ist die Parole. — Wenn nun so maßlose Chuzpa im Gefolge der ersten zwei Merkmale auftritt, mußte da nicht der Gedanke an einen MesstaS auftauchen' und zu den verschiedensten Ansichten über ihn Veranlassung und Spielraum gebe»?.... Wir werde»

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