Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 16-17 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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218 und Würde eingesetzt werde. — Freilich wurden später, nach 3 Jahren, als der gekränkte greise Mann dem Tode erlag, schwarzberänderte Trauerbriefe in Israel versandt, die von dem unersetzlichen Verlust Kunde verbreiten sollten w.; aber die Neologie verzeiht solche Sünden nicht! — Der orthodoxe Jude ist es, der in dem Herr I. Deutsch verleumdet wird, die Vertretung des positiven Judenthums, was in ihm geschändet werden soll. Wir erinnern uns noch sehr gut , wie der weltberühmte Sir Moses Montesiore vor etwa 20 Jahren, als er, als „Jehudi" nicht in fernen Gegenden, sondern in nächster Nähe eine heilige Mission vollführte, von den Neologen geschändet ward, wie die jüdischen Zeitschriften destruktiver Richtung, ihn, den Hochwürdigen, mit Schmutz und Geiser zu besudeln strebten. — Es steht unerschütterlich fest, daß die Absicht aller dieser Jnvektiven nichts anderes ist, als die Leistungsfähigen und Berufenen zu ermüden, alle die im Stande sind, ihre Stimme gegen Wahn und Lüge zu erheben, in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, sie abzuschrecken, um einen Terrorismus auszuüben, der ebenso der Kultur wie der Religion Hohn spricht. Gegen diesen Terrorismus haben wir uns zu verwahren. Die Intoleranz der Neologie kennt keine Gränzen, es kommt ihr nur ihre Anmaßung gleich. „Wem kein Mittel zu schlecht, wem die Wahrheit eine Chimäre, die Religion ein Ammenmührchen ist, wem außerdem auch noch die schwache Seite des Volkes, die Richtung , nach der es leicht irre geführt werden könne, bekannt ist, der ist ein Gegner, den man wahrlich nicht durch scheues Ausweichen, durch stilles Zurücktreten, durch Resignation entwaffnen kann. Nur durch muthiges, offenes Auftreten, festinmges Zusammenhalten, durch Erstarkung und Erkrästigung, welche uns die Religion, Wissenschaft und Kultur, die Biederkeit und Gesinnungstüchtigkeit bieten, — nur durch diese kann er bekämpft, muß er endlich besiegt werden. Das positive Judenthum hat in jeder Zeit seine Feinde gehabt, aber in so nächster Nähe hatte es seine Gegner noch nie ulM so eigentlich war es doch noch nie das Judenthum, das verfolgt wurde, wie es sich jetzt von Tag zu Tag, von der Neologie in seinem innersten Wesen mehr und mehr bedrohet, gefährdet sieht. — Doch kennt man nur erst seinen Feind, kennt man die Art und Weise seiner Taktik, so ist schon die Gefahr um die Hälfte gemindert. Mögen diese Zeilen in diesem Sinne aufgefaßt werden, möge es ihnen gelingen, in gesinnungsverwaudten Kreisen den Nebel zu zerstreuen, mir dem sich der stets schlagfertige Gegner oft zu umgeben sucht, um unserer Abwehr zu entgehen. Nur keine Täuschung und keine Furcht! Der falsche Schimon Ha-ad-ik. Geehrter Herr Redakteur! Wenn ich jetzt, nach so geraumer Zeit, nochmals auf meinen Artikel „Stuttgart und Jerusalem" zurückkomme, so gibt mir hierzu eine Broschüre , beti-! telt: „Antwort an Gabiah den Psisa, auf dessen. Frage: „wohin kommen wir?" von seinem Zeitgenossen Rabbi *) Schimon Hazaddik" Veranlassung.! In diesen! Pamphlet wird auch dieser mein Artikel I verzerrt, und ich finde es in Ordnung, daß ich meine eigenen Ansichten in Schutz nehme. Zur Aufklärung,! mit welchem Geisteskinde wir es zu thun haben, möge Folgendes dienen. Gleich zum Anfänge ereifert sich der j Verfasser über ven Talmud und besonders über den Schul-! chan Arnch, die jede Bewegung im religiösen Leben i gehemmt und die Gemeinde zum ewigen Stillstand : verdammt Hütten, und fragt:. „Welche Gewissensfreij heit war da, wo keine verheirathe Frau, selbst mit Zustimmung ihres Mannes in ihren eigenen Haaren i auf der St aße oder auch in ihrem Hause sich blicken I lassen durste? w. kein Mann ein Glas Wein, ein Stückchen Käs im christlichen Wirlhshause genießen durfte? w. Niemand Fleisch von einem Thiere, das > nicht geschachtet war, essen, oder ein Kleid von einem ' aus Wolle Und Leinen gemischten Stoff (Schaatnes) tragen durfte, ohne als ein Verbrecher betrachtet und! behandelt zu werden? Wer einen solchen Begriff von Gewissensfreiheit i hat, daß man mit ihrer Hilfe die ganze Thora über! Bord werfen kann, der kennzeichnet sich sattsam selbst l als mit welchem zu rechten mir wohl nicht! bestallen kann. Dieser gute Mann versteht unter Ge-! wissenssreiheit freilich was ganz Anderes, als wir.! Nach feinen Begriffen hat jeder Jude, auch als sol«! cher, die volle Freiheit zu thun und zu lassen, was! ihm gefällt und weder der Talmud uocb die Bibel l haben Gesetzeskraft für ihn. Wie mußte unser großer! Lehrer Mosche in den Augen dieses Verfassers als! Obscurant gelten, daß er nach 4. B. M. t5, den arj men wegen des Bischen Holzauflesens ins Ge- > fängniß legen ließ, und welchen Namen wird derselbe! dem allerhöchsten Wesen beilegen, das da befahl, den! Mann deßhalb versteinigen zu lasten! Wer aber solche > Grundsätze einen Schimon Hazaddik sprechen läßt, der! erweist sich als -z'-m im hohen Grade, und hätte sich *) Schon das zu Schimon Hazaddik bctgefügte Prädikat „Rabbi" zeigt, wie wenig der Verfasser mit der jüdischen Literatur vertraut ist, denn nach dem bekannten Grundsätze lOL? sH'IO hl'U gehört SLimon Hazaddik in jene Kategorie der Koryphäen unserer heiligen Literatur, für welche der Titel „Rabbi" eine Beleidigung wäre. Welche Gelehrsamkeit also auf dem Titelblatts, schon 11